Zyklops verursacht Streckdefizit nach Kreuzband-OP

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Nach einer vorderen Kreuzband-OP ist ein anhaltendes Streckdefizit im Knie eine Komplikation. Öfters verursacht ein Zyklops am vorderen Kreuzband (Zyklopssyndrom) die Streckhemmung. Der Zyklops am Kreuzband äußert sich durch Schwierigkeiten bei der Kniestreckung – meist fehlen die letzten 20 ° der Streckung (Extension). Einige Betroffene fühlen Schmerzen bei der Streckung, andere bemerken eher eine „Blockade“ im Kniegelenk. Patienten äußern Sätze, wie […] es geht einfach weiter oder irgendetwas klemmt! […].

Arthrofibrose – Fehlende Bewegung im Knie

Im Grundsatz bezeichnet der Zyklops überschüssiges Narbengewebe am vorderen Kreuzband. Deshalb zählt das Zyklopssyndrom (engl. Cyclops) auch zu den Formen der lokalen oder sekundären Arthrofibrose [1].

Zyklops und Arthrofibrose

Zyklops im Zusammenhang mit einer Arthrofibrose | Foto: knie-marathon.de

Generell verstehen die Mediziner unter Arthrofibrose im Kniegelenk eine in Qualität und/oder Quantität krankhafte Vermehrung des Bindegewebes als Folge von chirurgischen Eingriffen und Traumata.

Beträgt das Streckdefizit weniger als 10 ° gehen Mediziner zunächst von einer Kapselschrumpfung im Kniegelenk aus.  Das Knie lässt sich durch Druck von außen in die Streckung bringen – oft ist diese Streckstellung nicht von Dauer. Kurz nach der Physiotherapie ist die Null-Grad-Streckung wieder verloren. Geduld und Durchhaltevermögen ist notwendig, sowie selbständiges Üben und das Vermeiden von Fehlern kurz nach der Kreuzband-OP!

Ab ungefähr 10 ° Steckhemmung besteht der Verdacht auf einem Zyklops am Kreuzband. Die Ärzte sprechen von einer Einklemmung (Impingement) zwischen Fossa intercondylaris und VKB-Transplantat. Mehr Sicherheit bei der Diagnostik einer Kniestreckhemmung bietet neben der manuellen Untersuchung die MRT-Bildgebung.

Zyklops – Definition und Ursache für die Streckdefizit

Einschränkungen der Gelenkbeweglichkeit durch eine sekundäre Arthrofibrose entstehen, im Gegensatz zur primären / generalisierten Arthrofibrose, durch eine lokale, meist mechanische Problematik [2].

Zu den Ursachen einer sekundären Arthrofibrose d.h., Bewegungseinschränkungen im Kniegelenk durch Narbenbildung gehören [2,3]:

  • Vergrößerung des Sehnen-Transplantates (Transplantathypertrophie) aufgrund von chronischer Irritationen
  • Fehlplatzierte Bohrkanäle der VKB-Plastik
  • Einengung des Raumes für das vordere Kreuzband (Notch-Impingement)
  • Lang andauernde Immobilisation des Kniegelenks
  • Schrumpfung und Vernarbung der Kniegelenkskapsel (Synovialmembran)
  • Einzelne Verwachsungen (Adhäsionen) oder Narbenstränge (Briden) und mechanisch störende Knochenveränderungen (Osteophyten)
  • Eher selten ist eine schleichende Infektion im Knie die Ursache.

Risikofaktoren für Zylops nach Kreuzbandriss-OP

Als Risikofaktoren für die Entstehung einer Arthrofibrose sind in der Literatur, der zeitliche Abstand zwischen Traumas und der chirurgischen Versorgung mittels VKB-Ruptur genannt. Dieser Ansatz greift nach heutiger Einschätzung der Ärzte zu kurz.

Vor allem zählt der Kniegelenkzustand hinsichtlich Schwellung, Erguss, Überwärmung, das präoperative Bewegungsausmaß, ausgeheilte Begleitverletzungen (beispielsweise mediale Seitenband) sowie insgesamt die Schmerzsituation vor der Kreuzbandriss-OP [5].

Hinzu kommen ein erhöhter Schmerz nach der Kreuzbandoperation, sowie eine zu intensive, schmerzhafte Knie-Rehabilitation bei vorhandenen Bewegungseinschränkungen.

Symptome Zyklops nach Knie-OP

Klinisch äußert sich das Zyklopssyndrom als anhaltendes und schmerzhaftes Streckdefizit im Knie. Das vordere Kreuzband schlägt in den Endlagen hart an. Manchmal wirkt das Knie verdickt und straff. Ein Zyklops am Kreuzband kann sich auch mit der Zeit entwickeln, d.h. eine gute Streckung im Knie geht schleichend verloren.

Die Bewegungseinschränkung im Kniegelenk stört beim Gehen und resultiert längerfristig in funktionellen Defiziten. Bereits eine leichte Einschränkung in der Kniestreckung führt zu einem erhöhten Anpressdruck der Kniescheibe (Patella) und damit zu degenerativen Veränderungen im Patellofemoralgelenk. Die veränderten Druckverhältnisse im vorderen Kniegelenk schädigen den Gelenkknorpel.

Bildgebende Diagnostik zeigt Zyklops

Das MRT des Kniegelenks dokumentiert eine Zyklopsläsion am sonst intakten VKB-Transplantat. Ein Zyklops (Vernarbungen) lassen sich im Röntgenbild  nicht darstellen. Hier sehen Radiologen höchstens den Knorpelschaden hinter der Kniescheibe (Patella) – jedoch nicht im Anfangsstadium.

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Fehlende Streckung im Knie –  Therapie und Behandlung

Eine Knieoperation kommt in Frage, wenn das MRT deutliche Hinweise auf ein Zyklops zeigt und die Physiotherapie keine dauerhafte Besserung der Streckung ergibt.

Dann beseitigt der Kniechirurg in einer minimalinvasiven Knieoperation (ASK) das mechanische Problem bzw. die dauerhafte Irritation an der VKB-Plastik. Entsprechend der Ursachenanalyse ist diese Knie-OP wenig bis sehr aufwendig.

Im günstigen Fall findet bei der Entfernung eines Zyklops eine reine Arthrolyse statt. Bei diesem chirurgischen Verfahren stellt der Operateur die Beweglichkeit des Kniegelenks wieder her. Er entfernt oder löst die Verwachsungen inner- und/ oder außerhalb des Kniegelenks und spaltet unter Umständen die Gelenkkapsel, falls diese stark geschrumpft oder vernarbt ist.

Nachbehandlung nach Zyklops Entfernung

Die Nachbehandlung der Arthrolyse ist verglichen mit einer Kreuzband-OP weniger aufwendig. Der Patient verspürt nach dem Eingriff sofort eine Besserung in der Streckung. Eine Entlastung an Unterarmgehstützen ist nur für wenige Tage notwendig. Anschließend beginnt eine intensive Physiotherapie, da die Muskeln aufgrund des Streckdefizites verkürzt sind. Zusätzlich besteht die Möglichkeit über eine manuelle Therapie, die geschrumpfte Gelenkkapsel sowie die Bänder im Knie zu dehnen (spätere Knie-Reha Phase).

Fazit für den Patienten vor und nach der Kreuzbandriss-OP

  • Nicht zu schnell operieren, besonders dann nicht, wenn noch starke Bewegungseinschränkungen und heftige Schmerzen im Knie vorhanden sind.
  • Ein anhaltendes Streckdefizit im Kniegelenk gehört konsequent diagnostisch abgeklärt. Kein Vertrösten von Seiten der Ärzte oder der Spruch: „[…] Geduld haben, […]“ sind das Mittel der Wahl. Die Geduld benötigt der geplagte Patient für die Therapie, nicht für die Diagnostik.
  • Zunächst sind anhaltende Streckdefizite nach einer Kreuzband-OP befristet konservativ (Physiotherapie/ eigene Übungen) zu behandeln. Irgendwann stößt diese Therapie an ihre Grenzen, dann ist es Zeit für eine medizinische Zweitmeinung.
  • Eine lokalisierte sekundäre Arthrofibrose (Zyklops am Kreuzband) hat eine gute Prognose.

Weitere Möglichkeiten für eine Kompliktionen nach vorderer Kreuzband-OP listet der Artikel.

Quelle:
[1] Shelbourne KD, Patel DV, Martine DJ (1996) Classification and management of arthrofibrosis of the knee after anterior cruciate ligament reconstruction. Am J Sports Med 24:857–862
[2] U. Bosch, J. Zeichen, P. Lobenhoffer, M. Skutek, M. van Griensven (1999) Ätiologie der Arthrofibrose. Arthroskopie, 1999/3. Springer-Verlag Berlin Heidelberg.
[3] Jackson DW, Schaefer RK (1990) Cyclops syndrome: loss of extension following intraarticular anterior cruciate ligament reconstruction. Arthroscopy 6:1771–1778
[4] Muellner T, Kdolsky R, Grossschmidt K et al (1999) Cyclops and cyclopoid formation after cruciate ligament reconstruction: clinical and histomorphological differences. Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc 7(5):284–289
[5] Petersen W (2009) Bewegungseinschränkungen und Arthrofibrose nach VKB-Ersatz. In: Petersen W, Zantop T (Hrsg) Das vordere Kreuzband. Deutscher Ärzteverlag, Köln, S. 209–214

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