Verletztes Knie, weshalb negatives Denken schadet

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Es sind die verschiedenen Denkweisen, die darüber entscheiden, wie zufrieden oder erfolgreich ein Mensch in einer Krisensituation nach einer schweren Knieoperation ist. Während positive Denkweisen die Lebensqualität in nach einem verletzten Knie steigern, lassen andere Denkstile das Leben während dieser Zeit den Alltag regelrecht zur Qual werden.

Doch weshalb ist die Bewältigung der Lebenssituation bei bestimmten Knie-Patienten besser, als es unter den gegebenen Bedingungen, zu erwarten wäre – auch wenn das Kniegelenk nicht mehr vollständig hergestellt werden kann. Dieser Artikel ist die Fortsetzung der genaueren Beleuchtung verschiedener psychischen Faktoren bei Knieverletzungen:

>> Teil 1: Nach Sportverletzungen hilft der Glaube an sich selbst

Zauber der Entwicklung nach Knieverletzungen

Menschen mit großer innerer Widerstandskraft (Resilienz) wissen auch nicht konkret, wie sie herausfordernde Phasen überstehen, sie verfügen aber über eine Vielzahl kognitiver, emotionaler und sozialer Verhaltensweisen, um sich anzupassen und damit auch funktionstüchtig zu bleiben – sprich sie haben erfahren, dass sie in der Vergangenheit immer irgendwie wieder herausgekommen sind.

Erstaunlicherweise kann man lernen sich auf diese Fähigkeit zu verlassen, frei nach dem Motto: Ich weiß, was ich kann und auch nicht kann. Ich weiß, dass ich mich in jeder Situation irgendwie wieder aufraffe. Was für den resilienten Menschen nicht konkret fassbar erscheint, untersuchen Psychologen genauer, sie wollten wissen, weshalb manchen Menschen nahezu an ihrer Krise zerbrechen und andere nicht. Dabei ermittelten sie eine Reihe von Faktoren, die diese innere Widerstandsfähigkeit stützen. Eine wichtige Komponente ist das bewusste Wahrnehmen von persönlichen Stärken und Schwächen.

Verletztes Knie – Wer sich besser kennt ist im Vorteil

Widerstandsfähige Menschen äußern beispielsweise Sätze wie: „Ich habe ein stabiles Umfeld und Menschen die mich gerne haben, ich bin eine liebenswerte Person und respektvoll gegenüber anderen und mir. Ich finde oft Wege Probleme zu lösen und steuere mich dabei selbst.“

Dieser klare und unverstellte Blick auf sich selbst, schafft die notwendige innere Stärke und bildet großes Potenzial an innerer Kraft. Das Zentrum dieser persönlichen Kenntnis von sich selbst, lässt diese Menschen nach eigenen  Kriterien, Bedürfnissen und Vorlieben auswählen – nicht nach den Maßstäben anderer. Sie gestalten ihr Leben (auch Krisen) und werden nicht „gestaltet“. Darin liegt das Potenzial jeder Sportverletzung – bewusst jenseits des Funktionierens, wichtige Erfahrungen zu sammeln, sie in das eigene Repertoire aufzunehmen und daran zu wachsen.

Irrtum des Immerfröhlichseins nach Knieoperationen

Innere Widerstandsfähigkeit bedeutet definitiv nicht, dass man immer gut drauf ist. Auch starke Seelen sind verletzlich. Je nach Situation leiden manche von ihnen sogar stark unter der Sportverletzung bzw. den Folgen und hadern mit ihrem Schicksal. Der Unterschied liegt darin, dass widerstandsfähige Menschen nicht in ihrem Frust, Demotivation, Schrecken, Angst oder Trauer über den Verlust ihrer Gesundheit gefangen bleiben. Resiliente Menschen resignieren nicht an ihrer Situation – nach dem Tal der Tränen geht es für sie deutlich schneller wieder bergauf.

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Knie-Reha Zeit „tot“ schlagen oder nutzen

Es ist eine persönliche Entscheidung jedes Verletzen, die auftretenden Schwierigkeiten, womöglich sogar als Herausforderung wahrzunehmen, sie zu bewältigen und am Ende gestärkt daraus hervorzugehen. Ein Blogleser schrieb mir: „Ich sehe meine vordere Kreuzbandverletzung als eine Art Abenteuer, diese Knieverletzung gibt mir die Möglichkeit neue Erfahrungen machen zu können!“ – eine sehr schöne Metapher für einen resilienten Menschen.

Gesundheitssystem fördert die „Opferrolle“ beim verletzten Knie

Ein zentraler Faktor in der Rehabilitation nach Sportverletzungen, wird meiner Meinung nach, systematisch vernachlässigt. Oft schieben Patienten, die Verantwortung für ihre Genesung zu sehr an das zur Verfügung stehende Gesundheitssystem. Sie “delegieren“ quasi ihre persönliche Verantwortung für die eigene Gesundheit an Ärzte, Physiotherapeuten und Krankenkassen.

In meinem Verständnis „rauben“ sich diese Menschen eine der größten Potenziale, die sie in ihrem Heilungsprozess besitzen. Sie nehmen sich die Chance, zu spüren, dass es die eigenen Kräfte sind, die sie wachsen lassen: Nicht der Arzt hat mich geheilt, sondern er hat lediglich die Voraussetzung dafür geschaffen! Was im Umkehrschluss nicht bedeutet, dass missglückte Operationen ein erfülltes Leben verhindern.

Psychische Gesundheit als zentraler Pfeiler in der Knie-Reha

Die psychische Stärke hat einen erheblichen Einfluss auf die Gesundheit – und zwar nicht nur auf die von psychiatrischen Erkrankungen.

Eine Studie bei Herzpatienten zeigte, dass von sich selbst überzeugte Patienten eine Bypass Operation erheblich besser überstehen. Die Patienten zeigten nach der OP weniger Krankheitssymptome, sie hatten eine bessere Wundheilung, sie kamen wesentlich schneller wieder auf die Beine und waren insgesamt aktiver. Dieser Trend zeigte sich auch noch sechs Monate später, die von sich überzeugten Patienten, schmiedeten mehr Lebens- und Urlaubspläne, verrichteten vermehrt Aufgaben im Haus und Garten und waren häufiger wieder an ihren Arbeitsplatz zurück gekehrt. Ähnliche Studienergebnisse existieren auch für Krebspatienten und Menschen mit Diabetes.

Überträgt man diese Ergebnisse auf Sportverletzungen, so ist auch hier davon auszugehen, dass positive Erwartungen an die Knieoperation und die Reha-Zeit einen erheblichen Einfluss auf den Verlauf der Sportverletzung haben.

Der Einfluss von psychologischen Variablen stellt auch bei Knieverletzungen einen wichtigen Bestandteil dar, der jedoch im Breitensport kaum Beachtung findet. Mich erreichen E-Mails, in denen Betroffene von ihren Ängsten, Depressionen und Sorgen über ihre Zukunft nach Knieoperationen schreiben.

Interessanterweise, leuchtet umgekehrt betrachtet, die Wichtigkeit einer Mitbehandlung von psychologischen Faktoren nach einer Sportverletzung fast allen ein. Denn vor allem die Angst vor einer Wiederverletzung, die Unsicherheit nach einer Knie-OP etwas falsch zu machen und Ohnmachtsgefühle beim Nicht-Vorwärtskommen, verschleppen den Knie-Reha Verlauf erheblich und behindern das eigene Comeback. Wenn also, die zuvor genannten Faktoren die Heilung behindern, dann müsste die psychologische Stärkung des Gegenteils, sich positiv auf die Sportverletzung  auswirken. Kurzum: „Gewonnen wird im Kopf, verloren auch!

Dies belegen auch die Studienergebnisse bezüglich Rückkehr in den Wettkampfsport nach Kreuzbandrissen. Ungefähr  30 % der Wettkampfsportler finden nicht mehr den Einstieg auf gleichem Niveau, obwohl die Knieoperationen erfolgreich verliefen. Diese Erkenntnis führt im Hochleistungssport dazu, dass sich viele Profi-Sportler für ihr Comeback einen Coach nehmen, nur der „normale“ Knie-Patient muss es mit weitaus weniger Betreuung alleine schaffen – finde ich interessant?! Denn jedes Comeback egal, ob zum Sport, Arbeitsplatz oder einfach wieder in das soziale Leben, zeigt sich im Wechselspiel persönlicher Stärken und Schwächen sowie sozialer Unterstützung.

Fragwürdiges „passives“ Rollenverständnis vom Patienten

Die sogenannte Patientenkompetenz befasst sich mit dem eigenständigen Beitrag des Knie-Patienten zur Heilung als notwendige Ergänzung, nicht als Konkurrenz zu den Leistungen der chirurgischen Medizin.

Viele Patienten, die das erste Mal mit einer schweren und langwierigen Knieverletzung konfrontiert werden, sind von diesem Schockereignis zunächst überfordert. Sie möchten zwar nach besten Kräften zur Bewältigung dieses Ereignisses beitragen – wissen aber nicht wie. Unmittelbar nach der Knieverletzung hoffen sämtliche verletzte Patienten auf die Unterstützung von Seiten der Ärzteschaft – bis sie wahrnehmen, dass deren Interesse lediglich dem verletzten Kniegelenk und nicht dessen Besitzer gilt.

Spätestens nach der Knieoperation registrieren einige Patienten, dass sie auf ihre eigene Stärken zurückgreifen müssen, weil sie mit sämtlichen Fragen und Unsicherheiten zurückgelassen wurden. Alle anderen „wandern“ mehr oder weniger orientierungslos durch die Gegend. Der Unterschied kommt jetzt in der individuellen Denkweise zum Tragen: Resiliente Knie-Patienten kennen die Ressourcen des eigenen Empowerments, andere aber nicht. In letzterem Fall kann die Begleitung durch einen erfahrenen Coach hilfreich sein.

Fazit: Selbstheilungspotenzial nach Knieverletzungen aktivieren

Während die Medizin Heilung über eine Operation am Kniegelenk die Behandlung anstrebt, müssen Patienten vor allem heilende Gesundheitskräfte selbst aktivieren. Die häufigste Frage kompetenter Patienten lautet: Was kann ich selbst für mich tun? Es ist die Frage nach den persönlichen Ressourcen zum erfolgreichen Umgang mit der neuen, durch die Knieverletzung bedingten Lebenssituation – und damit meine ich nicht, Muskeln aufbauen und Radfahren.

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