Thrombosespritzen nach Knie-OP – Wie lange?

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Jeder Patient hat nach einer Knie-OP ein erhöhtes Risiko, eine Thrombose im Bein zu entwickeln. Schuld daran sind ein verlangsamter Blutstrom durch Bettruhe und ruhigstellende Lagerungen sowie eine fehlende volle Belastung im Kniegelenk.

Doch zunächst zu den spannenden Fragen: Was ist eine Thrombose überhaupt? Wieso entsteht das Problem gerade nach Kreuzband- oder Meniskus-OP? Weshalb ist eine Thromboseprophylaxe nach Operationen am Kniegelenk, auch für junge und gesunde Patienten, unerlässlich?

Was eine Thrombose überhaupt ist

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Der Begriff „Thrombose“ kommt aus dem Griechischen „thrombosis“ und bedeutet „Blutgerinnung“. Als Thrombose bezeichnen Mediziner den Verschluss eines Blutgefäßes durch ein Blutgerinnsel (Thrombus oder Blutpfropfen).

Welche Symptome bei einer Thrombose nach Knie-OP auftreten

Die Bildung eines Thrombus hat eine Verengung der Venen zur Folge, wodurch der Rücktransport des Blutes zum Herzen dauerhaft behindert ist.

Dies führt zu einem Rückstau des Blutes und daher zu Schwellung und Spannungsgefühl im betroffenen Bein. Erste Anzeichen, ein plötzlich unangenehm ziehender Schmerz im gesamten Bein. Die Extremität fühlt sich schwer und prall an.

Entsprechend der Lage des Thrombus treten auch Spannungsgefühle und Schmerzen in Kniekehle, Wade und Fuß auf. Ein weiteres Thrombosezeichen ist ein Schmerz an der Fußsohle des betroffenen Beines (sogenannter Druckschmerz).

Bei Thrombosen in tiefgelegenen Venen verspürt der Betroffene einen dumpfen Schmerz, eher wie ein Muskelkater. Generell nehmen die Schmerzen ab, wenn das Bein horizontal (hoch-)gelagert wird und die Schwellung zurückgeht.

Weitere Merkmale sind eine überwärmte, und sehr empfindliche Haut. Manchmal ist eine Blaufärbung der Haut erkennbar. Nicht selten sind die genannten Beschwerden überhaupt nicht oder nur gering ausgebildet (asymptomatische Thrombose).

Welchen Schaden ein „wanderndes“ Blutgerinnsel nach einer Arthroskopie im Knie anrichtet

Verschließt ein Thrombus das Blutgefäß teilweise oder ganz führt dies zur Unterversorgung des zu versorgenden Gewebes („Infarkt“).

„Wandert“ hingegen das Blutgerinnsel von einer Beinvene in eine oder mehrere Lungenarterien (als eingeschwemmter Thrombus), besteht in Abhängigkeit der Art und Anzahl der betroffen Arterien unter Umständen Lebensgefahr – diese gefürchtete Komplikation nennen Mediziner eine „Lungenembolie“.

Unterschieden wird bei den Thrombosen zwischen:

  1. Arterieller Thrombose: Blutgerinnsel in den arteriellen Blutgefäßen,
  2. Venöser Thrombose: Blutpfropfen in den Venen. Als klassisches Beispiel gilt es hier, die tiefe Beinvenenthrombose nach Knieoperation.

Zusätzlich unterscheidet die Medizin venöse Thrombosen in:

  • Thrombosen in oberflächlichen Venen (Thrombophlebitis)
  • Thrombosen in tiefer liegenden Venen (Tiefe Beinvenenthrombose oder Phlebothrombose)

Wie eine Thrombose nach Kreuzband-OP entsteht

Bei normaler Bewegung wird das Herz zum schnelleren Schlagen angeregt, dadurch erhöht sich die Geschwindigkeit der Blutzirkulation im Körper. Das Blut fließt schneller durch die Arterien und wird auch schneller durch die Venen gepumpt. Die Gefäßdurchblutung steigt mit der körperlichen Belastung, da das Herz jetzt richtig arbeiten muss.

Bei langem Liegen im Operationsaal und im Krankenbett werden die Venen langsamer durchblutet, Denn die Bewegung der Muskulatur (Muskeltonus) hilft den Venen, das Blut entgegen der Schwerkraft in Richtung Herz zu pumpen. Fällt der Faktor Bewegung weg, verlangsamt sich der Blutfluss und es besteht die Gefahr, dass sich Blutgerinnsel (Thromben) bilden.

Welche Patienten ein erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel im Bein tragen

Um nur ein paar Risikogruppen zu nennen, es gibt noch mehrere:

  • Frauen und Frauen in der Schwangerschaft (hormonelle Situation, Anti-Baby-Pille)
  • Raucher (da Nikotin Blutgefäße verschließt)
  • Ältere Menschen (da sie vermehrt Venenprobleme und Krampfadern haben)
  • Patienten mit Thromboembolie in ihre Krankenvorgeschichte
  • Patienten mit arteriellen Durchblutungsstörungen

Weshalb das Pflegepersonal, Patienten schnell aus ihrem Krankenbett „scheucht“

Reha nach Meniskusnaht

Der Fachjargon für das Aufstehen „unmittelbar“ nach der Kreuzband- oder Meniskusriss-OP heißt: „Frühmobilisation“. Der „Rausschmiss“ dient der Verhinderung einer Thrombose (=Thromboseprophylaxe) und ist extrem wichtig.

Die Bettlägerigkeit in Kombination mit der Ruhigstellung des operierten Beines, erhöhen die Gefahr für die Entwicklung einer Thrombose nach Knie-OP erheblich – auch bei jungen und gesunden Erwachsenen. Deshalb lautet die Devise: Zähne zusammenbeißen und aufstehen, sobald der Kreislauf und die Schmerzen mitmachen!

Was der Patient selber für seine Thromboseprophylaxe tun kann

Zurück auf der normalen Station sollte nach einer Kreuzband- oder Meniskus-OP mit den ersten Übungen gegen eine Beinthrombose begonnen werden. Keine Angst, die Übungen schaden weder der neuen vorderen Kreuzbandplastik oder einem genähten Meniskus.

Nach Knie-OP zwei Übungen gegen die Thrombose im Liegen

Übung 1: Einkrallen als Prophylaxe gegen Thrombosen

Die Zehen beider Beine im Wechsel einkrallen, einige Sekunden halten und dann auseinander spreizen. Diese Übung ist besonders gut für Patienten geeignet, die noch wenig Kraft, Schmerzen und Bewegungsfähigkeit besitzen.

Übung 2: Fußwippen als eine Übung gegen Thrombosen

Eine Bewegung findet nur im Sprunggelenk (nicht im Knie!) statt. Jetzt die Zehenspitzen beider Beine abwechselnd in Richtung Nasenspitze hochziehen – einige Sekunden halten und dann wieder nach vorne, in Richtung Bettende ausstrecken.

Selbstverständlich eignen sich die Thromboseprophylaxe Übungen auch nach der Entlassung aus der Klinik.

Wie sich eine Thrombose nach der Knie-OP vorbeugen lässt

Nicht Rauchen, viel bewegen und ausreichend trinken. Außerdem, ganz wichtig, die verordneten Thrombosespritzen nach der Knie-OP selbst setzen. Denn diese Anti-Thrombosespritzen enthalten den Wirkstoff „Heparin“ – zur Vorbeugung von Blutgerinnseln.

Das Heparin gehört zur Wirkstoffklasse der Antikoagulantien – darunter sind Stoffe zu verstehen, die eine Blutgerinnung hemmen Vereinfacht ausgedrückt dient der gespritzte Wirkstoff im Körper dazu, die nach Knieoperationen überschießende Blutgerinnung abzumildern und evtl. bereits vorhandene kleinere Blutgerinnsel aufzulösen.

Thrombosespritzen nach Knieoperation – wie viele täglich?

Thrombosespritzen nach Knie-OP selbst geben

Thrombosespritzen nach Knie-OP selbst geben | Foto: knie-marathon.de

Die Thrombosespritzen sind tägliche Einmalspritzen – leicht zu bedienen und in der Anwendung weitgehend schmerzfrei. Die Spritzen unterscheiden sich in der Menge des Wirkstoffes (i. d. R. 20 mg, 40 mg, 80 mg). Der Patient gibt sich diese Spritzen zur Vorbeugung einer Thrombose selbst, entweder in die Bauchfalte oder den Oberschenkel. Die Haut beim Spritzen in Falten legen und nach oben anheben. Eine Desinfektion der Injektionsstelle ist bei normaler Hygiene nicht notwendig. Die Thrombosespritze immer um die gleiche Tageszeit spritzen.

Thrombosespritzen nach Knie-OP – wie lange?

Bei der Wahl der Dosierung zur Vorbeugung von Blutgerinnseln in den tiefen Beinvenen, ist das individuelle Gesamtrisiko für deren Entstehung zu beachten. Dieses ergibt sich aus:

  • der Art und Dauer eines operativen Eingriffes am Kniegelenk,
  • einer akuten inneren Erkrankung,
  • der Bettlägerigkeit,
  • Ende der Teilbelastung an Gehstöcken (Krücken) und
  • weiteren Risikofaktoren.

Thrombosespritze nach Kreuzband-OP – wirklich notwendig?

Nach einer Kreuzbandriss OP oder einer Meniskusnaht rezeptiert der Arzt immer, falls keine individuellen Risiken dagegen sprechen, ein oder zwei Packungen Thrombosespritzen, die bis zum Erreichen der Vollbelastung verwendet werden sollten – vorher bitte nicht, ohne Rücksprache mit dem Arzt, einfach absetzen.

Spritze gegen Thrombose vergessen – was tun?

Falls die Gabe einer Thrombosespritze vergessen wurde, nicht nachholen, sondern die Medikation, wie gewohnt fortsetzten.

Mögliche Anzeichen einer Beinthrombose treten auf – was unternehmen?

„Nicht in Panik verfallen“ – bei einer Thrombose nach einer Knie-OP zähle nicht jede Minute, wie beispielsweise nach einem Herzinfarkt. Trotzdem müssen die möglichen Symptome einer Thrombose unbedingt ernst genommen werden:

  • das Bein jetzt so wenig, wie möglich bewegen. Hochlagern!
  • nicht übermäßig anstrengen und Ruhe bewahren
  • kommen die Beschwerden im Bein nachts, in die Notaufnahme eines Krankenhauses bringen lassen.
  • treten die Anzeichen einer Thrombose tagsüber auf, schnellstmöglich den Hausarzt, behandelnden Kniespezialisten oder Chirurgen aufsuchen.

Der behandelnde Arzt nimmt in der Praxis oder Klinik entsprechende Untersuchungen vor und stellt fest, ob es sich tatsächlich um eine Thrombose handelt. Zur sicheren Diagnose einer Venenthrombose verwenden Ärzte den Ultraschall (Doppler-Sonographie) und/ oder eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel zur Darstellung der Venen (Phlebographie). Sind diese medizinischen Geräte in der Praxis nicht vorhanden, sollten Patienten bei einem begründeten Verdacht auf eine Überweisung bestehen.

Gilt die Diagnose „Thrombose nach Kreuzbandriss- oder Meniskus-OP“ als gesichert, verabreicht der Arzt sofort Medikamente, die das Blut „verdünnen“ – also die Gerinnungsfähigkeit herabsetzen und evtl. Kompressionsstrümpfe.

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