Riss oder Zerrung am Seitenband: Was dein Knie jetzt brauchst?

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Verletzung am Seitenband: Harmlose Zerrung oder folgenreicher Bandriss im Knie? Der Artikel klärt über die Unterschiede auf. Das Kniegelenk wird von einem Innenband und einem Außenband gestützt. Dabei stabilisiert das innere (mediale) Seitenband oder Innenband das Kniegelenk. Vor allem im gestreckten Zustand, spielt das Seitenband gegen ein Einknicken nach innen eine zentrale Rolle. Entsprechend schützt das äußere Seitenband im gebeugten Zustand gegen das Wegknicken nach außen.

Anatomie Innenband (Ligamentum collaterale mediale, MCL)

Seitenband im Knie

Seitenband im Knie mit Innenband und Außenband | Foto: knie-marathon.de|

Das Kniegelenk bekommt seine Stabilität auch durch seine Seitenbänder (Kollateralbänder). Das Innenband ist ein flaches breites Band mit einer Länger von etwa 7 cm. Das innere Band zieht von der Innenseite der Oberschenkelrollen bis hinunter zum Schienbeinkopf (Tibiakopf). Die hinteren Anteile des Innenbandes sind mit dem Innenmeniskus verwachsen. Das Innenband verhindert, dass sich Ober- und Unterschenkel an der Innenseite im Kniegelenk voneinander entfernen bzw. „Aufklappen“. Zusätzlich bremst das Innenband zusammen mit dem äußeren Band die Außenrotation im Kniegelenk.

Anatomie Außenband (Ligamentum collaterale laterale, LCL)

Von der äußeren Seite der Oberschenkelrolle bis zum Wadenbeinköpfchen liegt das Außenband. Das äußere Seitenband ist rundlich. Im Durchmesser etwa bleistiftdick und damit dünner als das Innenband. Das Außenband sichert das Knie gegen das Wegknicken nach außen. Das äußere Seitenband ist nicht mit dem Außenmeniskus und der Kniegelenkkapsel verwachsen. Deshalb verschiebt sich der äußere Meniskus bei einer Knierotation stärker als der Innenmeniskus. Diese größere Flexibilität des Außenmeniskus macht ihn weniger anfällig für Meniskusrisse.

Ursache einer Seitenbandverletzung

Sportunfälle sind die häufigsten Ursachen für Knieverletzungen der Seitenbänder. Übersteigt eine äußere oder innere seitliche Krafteinwirkung, die Festigkeit der Seitenbänder ist eine Seitenbandverletzung die Folge. Dabei reißt das Seitenband vollständig (Ruptur) oder teilweise (Teilruptur). Sportmediziner sprechen einer Distorsion des Seitenbandes, wenn die Seitenbänder gezerrt oder überdehnt sind.

Verletzungsmechanismus Innenband

Eine typische Situation für einen Innenbandriss ist das Wegknicken nach innen beim Fußball spielen oder beim Skifahren. Der linke Fuß bleibt hängen oder fädelt ein. Gleichzeitig überdehnt sich die Innenseite des Knies bzw. das Innenband reißt (extreme X-Beinstellung).

Verletzungsmechanismus Außenband

Seltener ist der Außenbandriss im Kniegelenk. Als Folge eines Unfalls kommt es zu einer Verdrehung und einem Wegknicken des Kniegelenks nach außen. Dieses Trauma wird häufig durch einen vorderen Kreuzbandriss (extreme O-Beinstellung) begleitet. Das plötzliche Abbremsen oder ein schneller Ausfallschritt lässt das Knie nach außen wegknicken. Dabei wird das Außenband im Knie so stark überdehnt, dass es reißt. Wie ein Außenbandriss therapiert wird, beschreibt der Beitrag: Verletzung und Therapie des Außenbandes – Die Geschichte einer Blogleserin.

Seitenband Verletzung - Innenbandriss im linken Knie

Seitenband Verletzung – Innenbandriss im linken Knie | Foto: knie-marathon.de

Symptome Innenbandzerrung oder schwere Verletzung am Seitenband

Eine akute Verletzung des Innenbandes im Knie führt zu:

  • Schmerzen Knieinnenseite
  • Geschwollene und überwärmte Region um das Innenband
  • Erguss im Kniegelenk
  • Einblutung oder Bluterguss (Hämatom) um das innere Seitenband.

Symptome Außenbandzerrung oder Verletzung am äußeren Seitenband

Eine akute Verletzung des Außenbandes im Kniegelenk führt zu:

  • Schmerzen Knieaußenseite
  • Geschwollene und überwärmte Region um das Außenband
  • Gelenkerguss im Knie
  • Einblutung oder Bluterguss (Hämatom) um das äußere Seitenband.

Bluterguss im Knie

Reißen bei dem Unfall einzelne Teile der Kniegelenkkapsel ein, kommt es zu sichtbaren Einblutungen im Knie. Das Kniegelenk schwillt in Folge stark an und die Schmerzen führen zur Vermeidung von Bewegung und Belastung. Bleibt dieser Abriss, die Überdehnung oder der Seitenbandriss unbehandelt, kann auf Dauer die Knieinstabilität leiden. Denn fehlt auch nur ein Stabilisator im Knie, wächst das Risiko für eine erneutes Einknicken im Gelenk. Damit steigt die Gefahr für weitere Schäden an der Gelenkkapsel, Knorpel oder Kreuzband.

Diagnose einer Verletzung am Seitenband

Für die Feststellung oder Diagnose einer Seitenbandverletzung im Knie ist die genaue Beschreibung des Unfallhergangs wichtig. Anschließend untersucht der Arzt das Kniegelenk. Ein akuter Seitenbandriss führt zu einer schmerzhaften Anschwellung der betroffenen Knieseite. Ein Druck oder das Abtasten der verletzten Bänderstrukturen ist für den Patienten schmerzhaft.

Zusätzlich geben Kniefunktionstests Auskunft über das Ausmaß der Knieverletzung. Der Orthopäde oder Sportmediziner prüft durch festen seitlichen Druck auf die Außenseite des Knies die Stabilität des Innenbandes. Seine Hand drückt am Kniegelenk nach innen, die andere Hand hält den Unterschenkel nahe dem Fuß fest. Bei einem Innenbandriss „klappt“ das Knie nach innen auf. Den Grad des „Aufklappens“ ist das Maß für die Stabilität der Seitenbänder.

Anschließend folgen die Tests zur Stabilität der Kreuzbänder und Menisken. Sind alle drei Kniestrukturen verletzt, also vorderes Kreuzband, Innenmeniskus und Innenband sprechen Mediziner vom Unhappy Triad – eine komplexe Kniebinnenverletzung.

Liegt die Seitenbandverletzung längere Zeit zurück (chronische Seitenbandinstabilität) fehlen sämtliche akute Symptome, wie Schwellung, Schmerz und Bluterguss. Das sogenannte Aufklappen des Kniegelenks bleibt aber bestehen. Die Einteilung der Aufklappbarkeit des Knies dient, sowohl beim Innenband- als auch beim Außenbandriss als Maß der Instabilität. Sie erfolgt in drei Schweregrade:

  • Grad I: bis 5 mm im Vergleich zur gesunden Gegenseite. Zerrung oder Überdehnung der Seitenbänder (Distorsion).
  • Grad II: bis 10 mm im Vergleich zur gesunden Gegenseite. Teilabriss des Seitenbandes (Partialruptur).
  • Grad III: ab 10 mm im Vergleich zur gesunden Gegenseite ist einem kompletten Seitenbandriss (Ruptur) auszugehen.

Röntgen und MRT bei Verletzung am Seitenband

Neben der körperlichen Untersuchung durch den Arzt, ist bei schweren Bandverletzungen die Bildgebung z.B. in Form von Röntgenbildern (zum Ausschluss knöcherner Bandausrissen, Frakturen) oder dem MRT (zur Weichteildarstellung, d.h. Bändern, Sehnen, Menisken, Muskeln) sinnvoll. Insbesondere bei der Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie MRT) lassen sich Seitenbandverletzung und evtl. Begleitverletzung deutlich darstellen.

Ultraschall bei Verdacht auf Seitenbandriss oder Zerrung

Der Verlauf der Seitenbänder und damit eventuelle Seitenbandrisse lassen sich ebenso in einer Ultraschalluntersuchung darstellen. Begleitende Meniskusverletzungen sind mit dem Ultraschall nicht diagnostizierbar und bedürfen der Absicherung durch eine MRT-Untersuchung.

Konservative (nicht-operative) Therapie und Nachbehandlung Innenband

Grad I: Eine Zerrung oder Überdehnung des Innenbandes klingt innerhalb weniger Tage oder Wochen ab. Du solltest dein Kniegelenk entsprechend schonen und regelmäßig mehrmals am Tag kühlen. Salbenverbände (mit dem Wirkstoff Diclofenac) dienen der Schmerzlinderung und Entzündungshemmung. Schnell sollte sich bei dir eine Besserung einstellen. Anschießend ist eine zunehmende Belastung wieder möglich.

Grad II: Aufgrund der stärkeren Schmerzen erfolgt bei einer akuten Knieverletzung des Innenbandes eine Ruhigstellung des Kniegelenkes. Du bekommst eine Knieorthese oder Kniebandage mit seitlichen Stützen verschreiben, die du einige Tage bzw. Wochen tragen solltest. Nach dem Abklingen der Kniebeschwerden ist wieder eine Rückkehr zu leichten sportlichen Tätigkeiten möglich.

Typisch für eine Seitenbandverletzung ist, dass die betroffene Knieregion meist mehrere Monate schmerzempfindlich ist. Die Symptome halten teilweise drei bis vier Monate an. Tolerabel mit dem Wissen, dass es eine relativ gutartige Verletzung im Kniegelenk ist, die bei optimaler Innenband-Reha gut ausheilt.

Grad III: Die starke Instabilität im Knie nach innen erfordert einer festen Stütze. Die Knieorthese (Knie-Brace) ist eine stabile Metall- oder Kunststoffstütze. Du solltest diese Knieschiene für mindestens sechs Wochen (teilweise auch nachts) tragen. Dabei ist das Bewegungsausmaß in der Beugung limitiert. Je nach Schmerzintensität ist eine zunehmende Belastung möglich. Während des Tragens der Knieorthese ist eine regelmäßige wenig belastende Kniebewegung sinnvoll. Ein gerissenes Innenband heilt in den meisten Fällen folgenlos aus. Und muss nur sehr selten operiert werden.

Konservative (nicht-operative Therapie) und Nachbehandlung Außenband

Allgemein wiegen Außenband Verletzungen schwerer. Die Außenbandverletzungen erfordern in der Regel eine längere Behandlung und führen häufiger zu Knieoperationen.

Grad I und II: Akute Knieverletzungen des Außenbandes erfolgen ebenfalls durch Schonung und das Tragen einer Knieorthese (mit Beugelimit) für sechs Wochen. Hinzu kommt die Teilentlastung des Kniegelenkes mit Hilfe von Gehstöcken. Kühlen und Medikamente gegen die Schmerzen gelten auch hier als Standardtherapie. Verbleibt eine geringe Instabilität an der Knieaußenseite hilft auch ein gezielter Muskelaufbau des M. Qudrizeps.

Grad III: Hier folgt meist eine operative Behandlung der Außenbandverletzung. Bei der Knieoperation wird das gerissene Außenband entweder genäht oder mit speziellen Nahtankern oder Schrauben wieder am Knochen befestigt. Liegt die Außenbandverletzung länger zurück, müssen körpereigene Transplantate verwendet werden, um das gerissene äußere Knieseitenband zu ersetzen.

Dauer Innenbandzerrung oder Innenbandriss

Sämtliche Innenbandverletzungen haben ausgezeichnete Heilungsaussichten. Wie lange du krank bist oder im Job ausfällst, hängt stark von deiner Tätigkeit ab. Ich würde sagen, die beruflichen Aussichten sind nicht getrübt und gewohnte Sportarten sind schnell wieder durchführbar. Grundsätzlich beträgt die Wiederherstellungsphase bei einer Innenbandschädigung (Rekonvaleszenz):

  • Grad I: etwa 3 bis 4 Wochen nach der Knieverletzung
  • Grad II: etwa 6 bis 8 Wochen nach dem Trauma oder der Sportverletzung
  • Grad III: etwa 8 bis 12 Wochen nach dem Knieschaden.

Wieder Sport nach Seitenbandverletzungen

Ist dein Kniegelenk abgeschwollen, stabil, schmerzfrei und voll beweglich ist ein vorsichtiger Einstieg in den Sport möglich. Bis dahin solltest du dein verletztes Kniegelenk stabilisieren. Wie das bei einem Innenbandriss funktioniert, zeige ich dir in dem Reha-Buch speziell für Innenbandverletzungen (Grad I bis III).

Heilung bei Verletzungen am äußeren Seitenband

Leichte Verletzungen (Grad I und II) des äußeren Seitenbandes heilen in der Regel ebenfalls nach 4 bis 6 Wochen ohne größere Folgen aus. Deutlich schwerer wiegt ein kompletter Außenbandriss. Die Außenbandruptur im Kniegelenk bringt häufig schwerwiegende Begleitverletzungen (Kreuzband und Meniskus) mit sich. Deshalb steht hier die operative Versorgung des Außenbandes im Vordergrund.

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