Osteopathie – Knie behandeln mit Händen

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Alles Hokuspokus oder heilt die Osteopathie wirklich mit den Händen? Osteopathen behandeln Patienten mit Kniebeschwerden ganzheitlich. Neben der Anatomie versteht der Osteopath auch die komplexe Biomechanik des Knies und seine Auswirkungen im Körper nach Knieverletzungen.

Diese Kompetenz ist von Bedeutung bei Provokationstests nach Kreuzbandrissen und der Fähigkeit, verschiedene Risse im Meniskus, des Innen- oder Außenbandes zu differenzieren. Die Osteopathie beinhaltet neben der Biomechanik, auch die Differential- und Ausschlussdiagnostik, sowie Tests und Techniken, die relevant sind, um ein Kniegelenk osteopathisch zu untersuchen.

Prinzip der osteopathischen Behandlung

Was ist Osteopathie? Die Osteopathie wurde vor rund 130 Jahren vom amerikanischen Arzt Dr. Andrew Tayler Still begründet. Er fand heraus, dass geringfügige Bewegungseinschränkungen der Gelenke, Knochen, Bänder oder Muskeln den gesamten menschlichen Organismus beeinflussen. Die Osteopath geht grundsätzlich von einem ganzheitlichen Körperverständnis aus. Das Konzept der Osteopathie basiert auf drei Grundpfeilern.

1. Zusammenwirken von Struktur und Funktion im Knie

Der Osteopath diagnostiziert mit den Händen verschiedene Bewegungseinschränkungen und Funktionsstörungen der Strukturen. Demnach bestimmt einerseits die Struktur die Funktion, und andererseits formt die Funktion die Struktur. Das Prinzip lässt sich hervorragend am Beispiel der Beinmuskulatur beobachten, die in der Regel wächst, wenn ihre Funktion zunimmt, und verkümmert, wenn ihre Funktion abnimmt. An diesem Punkt setzt die Osteopathie an, sie überprüft die Funktion (Diagnose) und erhält dadurch Aufschluss über die Struktur. Anschließend versucht der Osteopath, der geschädigten Struktur zu ihrer ursprünglichen Funktion zurück zu verhelfen (Behandlung). Diese Therapie ermöglicht den Selbstheilungskräften, den Schaden an der Struktur zu beheben. Zusammengefasst Osteopathie befasst sich mit dem Aufspüren und Behandeln von Dysfunktionen im Körper.

Reha nach Meniskusnaht

2. Osteopathie betrachtet Knie und Körper als Einheit

Weil aber kein Gelenk oder Muskel für sich allein steht, haben Dysfunktionen immer Auswirkungen auf andere Strukturen und deren Funktionen. Ist z.B. die Beweglichkeit des Knies eingeschränkt, behindert es zwangsläufig auch die Bewegung der Hüfte, Becken und Wirbelsäule sowie deren Weichteile und Nervenverbindungen.

Tatsächlich lassen sich bei lokal auftretenden Kniebeschwerden diagnostisch auf- oder absteigende Dysfunktionsketten feststellen, die ganze Bereiche des Körpers bis zum Kopf durchziehen.

Der Zusammenhang entsteht durch das Bindegewebe und dessen Eigenbewegung. Jede Struktur in unserem Körper ist durch das Bindegewebe zu einer anatomischen und physiologischen Einheit zusammengeführt. Das Bindegewebe umhüllt Knorpel, Muskeln, Knochen, Nerven, Blut- und Lymphgefäße sowie die inneren Organe. Alle Strukturen im Körper haben Eigenbewegungen, egal ob Muselfasern, Bänder oder Organe. Zusätzlich wird jede Struktur einerseits durch die körperliche Aktivität bewegt, anderseits durch körperliche Einflüsse wie beispielsweise Herzschlag, Atemrhythmus oder Darmbewegungen.

Fast jede Bewegungseinschränkungen der Organe, Gelenke oder Gewebe beeinträchtigen deren Funktion. Eine solche Veränderung wird über das Bindegewebe auf andere Strukturen übertragen und führt unter Umständen zu Beschwerden in weiter entfernt liegenden Körperteilen. Ein Osteopath verfolgt ein Symptom über das Bindegewebe bis zu einer auslösenden Ursache zurück.

3. Unterstützung der Selbstheilung im Kniegelenk

Gesundheit ist kein statischer Zustand, sondern das Ergebnis unzähliger Selbstregulations- und Selbstheilungskräfte auf die der Organismus bei schädigenden Einflüssen reagiert. Das selbständige Verschließen von Wunden, die Arbeit des Immunsystems, das Verheilen von Knochenbrüchen sind nur einige Beispiele der menschlichen Selbstheilungskräfte. Ziel der Osteopathie ist es, die gesunde Funktionsweise jeder Struktur des Körpers und somit seiner Selbstheilungskräfte zu aktivieren.

Osteopathische Behandlung bei Knieschmerzen

Osteopathie bei Knieschmerzen

Osteopathie bei Knieschmerzen – Jetzt auch Schmerzen im Rücken | Foto: knie-marathon.de

Der Osteopath spürt bei der Behandlung mit seinen Händen den blockierenden „Fluss“ im Gewebe. Er nimmt Verwachsungen, Verhärtungen von Muskeln, Sehnen und Bändern, Stauchungen im Gewebe, erhebliche Druckunterschiede in den Kniegelenken und Nervenblockanden ebenso wahr, wie spezifische „Zugrichtungen“ von Bändern und Muskeln, die auf eine fehlerhafte Lage oder Bewegungseinschränkungen hinweisen.

Die osteopathische Behandlung ist vorwiegend ein „sanftes Heilen mit den Händen“. Neben ruhigen Berührungen und leichten Hand auflegen kommen auch kräftige Griffe zum Einsatz, die starken Druck oder Zug ausüben.

Die osteopathische Behandlung beginnt nicht immer an der betroffenen Stelle. Oft werden ausgleichende, sanfte Griffe am cransiosacralen System ausgeführt, das heißt vom Schädel (Cranium) abwärts bis zum Kreuzbein (Os sacrum) Das stimuliert auf sanfte Weise die Bewegungen des Nervenwassers (Liquor), die Hirn- und Rückenmarkshäute und das Nervensystem und damit auch die Knochen, Muskeln und Bindegewebe.

Die Osteopathie geht davon aus, dass der rhythmische Fluss des Nervenwassers für das Wohlbefinden des Menschen von großer Bedeutung ist. Blockierungen dieses Flusses erspürt der Osteopath und löst sie durch spezielle Drucktechniken. Das beruhigt und entspannt die Selbstheilungskräfte.

Die Osteopathie wirkt somit sämtlichen Verhärtungen entgegen, sie löst generell Muskelverspannungen auf und verhilft Gelenkblockaden wieder zu ihrer ursprünglichen Beweglichkeit zurück. Auch die Gewebebeschaffenheit, die Durchblutung, den Stoffwechsel und die Wundheilungen beeinflusst die Osteopathie günstig.

Banner Kreuzbandriss Reha.jpg

Osteopathie Kosten und Übernahme

Osteopathie ist grundsätzlich (noch) keine obligatorische Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Dennoch haben einige Krankenkassen die Wirksamkeit von ergänzenden oder komplementären Heilmethoden erkannt und beteiligen sich auf (Privat-)Rezept an den Kosten. Vorausgesetzt die osteopathische Behandlung wird von einem Therapeuten durchgeführt, der eine osteopathische Ausbildung absolviert hat. Genaue Informationen zu den Voraussetzungen und der Kostenbeteiligung gibt es bei den gesetzlichen Krankenkassen.

Osteopathie Preise und Stundenanzahl

Eine Sitzung (30 bis 60 Minuten) kostet etwa 50 bis 120 EUR. Im Gegensatz zur Physiotherapie sind meist nur wenige Sitzungen notwendig, um einen spürbaren Behandlungserfolg herbeizuführen. Damit relativieren sich die hohen Kosten. Manchmal reichen schon eine oder zwei Behandlungseinheiten aus.

Osteopathie Ausbildung – die Nadel im Heuhaufen

Den richtigen Osteopathen finden? Um es gleich vorneweg zu nehmen, die Unterschiede sind, wie in jeder Berufsgruppe, enorm. Ich persönlich achte bei meiner Osteopathen Auswahl auf die Ausbildungszeit (5-jährige Ausbildung), Berufserfahrung und regelmäßige Fortbildungen. Zudem höre ich auf meinen Körper und letztlich auch auf Empfehlungen von anderen Patienten. Ich spüre nach jeder Behandlung sehr schnelle körperliche Reaktionen. Bleiben diese Veränderungen bzw. Behandlungserfolge aus, ist die Osteopathie entweder keine alternative Heilmethode für mich oder ich habe noch nicht den passenden Therapeuten gefunden. Erste Hinweise zur Vorselektion bieten die Berufsverbände, die ihre ausgebildeten Osteopathen im Internet listen.

Erfahrungen mit Osteopathie nach Knieverletzungen und Arthrofibrose

Im Laufe meiner Kniekarriere bin ich auf die Osteopathie gestoßen und nutzte diese Behandlungsalternative seitdem regelmäßig. Nach jeder Kreuzbandriss- oder Meniskus OP zum Ausbalancieren des Körpers, der durch die einseitige Belastung in den entfernten Körperteilen Probleme macht. Aber auch zum Lösen von Verspannungen und Vernarbungen besonders im Rahmen der Arthrofibrose. Ich erinnere mich noch gut an meine erste Sitzung beim Osteopathen – so viel Geld bezahlen für sanfte kaum wahrnehmbare Berührungen. Keine Stunde später erlebte ich ein starkes Ziehen in meinem Kniegelenk. Das Bindegewebe arbeitete auf Hochtouren, die Bewegung im Knie wurde deutlich besser. Da begann ich zu begreifen, es ist weitaus mehr als Hände auflegen. Seitdem gehört für mich ein Termin beim Osteopathen als Nachhandlung nach Knieoperationen dazu.

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