Nach Sportverletzungen hilft der Glaube an sich selbst

0

Jeder kennt Menschen, die er selbst als mental sehr stark bezeichnet. Doch was machte diese Menschen aus, was unterscheidet sie im Denken, Fühlen und Handeln von den anderen? Und wie genau bewältigen diese Menschen ihre persönlichen Krisen? Dieser Beitrag beschäftigt sich mit diesem psychologischen Konzept, dass versucht diese menschlichen Unterschiede in Krisensituationen zu erklären.

Trotz Verletzungskrise mental stark

Ja, es gibt sie, die mental starken Menschen. Sie finden stets neuen Mut, auch wenn sie eine geliebte Person verlieren oder eine schwere Krankheit oder Unfall erleiden. Von außen betrachtet, agieren sie aus einer geheimnisvollen Kraft heraus – ein Brunnen inneren Stärke, der niemals zu versiegen scheint. Aus dieser mentalen Stärke heraus, geben die Betroffenen niemals auf, sie widersetzten sich ihren Schicksalsschlägen und stehen am Ende sogar gestärkter dar als zuvor.

Am eigenen Unglück wachsen

Das Leben hält für jeden zahlreiche Herausforderungen, Schicksalsschläge und Krisen bereit. Was in den Betroffenen vorgeht, die einen schweren Unfall oder eine langwierige Verletzung durchleben, können diese besonders widerstandsfähigen Menschen oft nur schwer erklären.

Doch bei genauer wissenschaftlicher Analyse ihrer Erklärungen, wird klarer, weshalb sie im Gegensatz zu vielen anderen Menschen, am tiefsten Punkt ihrer Verzweiflung schneller wieder Hoffnung fassen. Der Unterschied liegt im Glauben an sich selbst, die herausfordernde Situation bewältigen  zu können.

Genau, diese herausfordernde Situation beschreibt Heidi, eine Blogleserin, die ihre eigene Story zur Verfügung gestellt hat – Vielen Dank Heidi!

Tieferen Sinn hinter einer Knieverletzung finden

Heidis Knie-Geschichte:

[…] ich war selbst von einer Knieverletzung betroffen, die Ärzte diagnostizierten bei mir einen Riss des vorderen Kreuzbandes. Es passierte beim Skifahren im Gelände. Ein Stein hat meinen Ski gestoppt – zu abrupt, als dass das vordere Kreuzband diesen Sturz ausgehalten hätte – das Band im Knie war ab. Ich selber habe zunächst nicht an eine schwere Sportverletzung geglaubt, da ich anschließend noch den Skihang hinab gefahren bin.

Auch die erste Diagnose bei einer praktischen Ärztin vor Ort, ließ mich hoffen – doch mein gut trainierter Oberschenkel, verfälschte die erste manuelle Untersuchung meines Kniegelenks.

Das MRT, das ich zum Glück recht zeitnah – ein paar Tage nach der Knieverletzung gemacht habe – hat schnell die Schwere meiner Knieverletzung gezeigt. Eine vordere Kreuzbandruptur mit gleichzeitiger Zerrung des Seitenbandes. Allerdings hatte ich das große Glück, dass mein Kreuzband für den Operateur noch „greifbar“ war, deshalb musste ich schnell operiert werden, damit sich das vordere Kreuzband nicht doch noch zurückzieht. Diese OP am Kreuzband zahlte ich privat, dafür war die Kreuzband-OP genau eine Woche nach meiner Sportverletzung – würde ich jederzeit wieder so machen.

Was mir aber ein Leben lang in den Ohren bleiben wird, ist die Aussage des behandelten Arztes: „50 % kann ich Ihnen als Operateur helfen, 50% liegt bei Ihnen und ihrer Physiotherapie“ – was natürlich auch nicht für alle Fälle gilt, aber durchaus schon die Wegrichtung vorgibt. Es gibt einiges zu tun bzw. auch nicht zu tun – im Sinne von „Geduld“ mitbringen.

Banner Beinseite gezielt nach Knie OP trainieren

Leider gehöre ich zu jenen Menschen, denen nichts schnell genug gehen kann, doch in dem Fall war mir von Anfang an bewusst – wenn ich will, dass mein Kniegelenk wieder zu 100 Prozent wird, muss auch ich geduldig sein und die Schonfristen exakt befolgen, wie mir aufgetragen wurde. Diese verordneten Limitierungen in der Kniebeugung, bedeuteten für mich aber nicht, dass man gar nichts tun kann!

Und so habe ich mich schnell wieder auf meine Yogamatte getraut, mich recht sanft aber intensiv um meine Oberschenkelrückseite gekümmert, lange Dehneinheiten gemacht, und versucht parallel dem restlichen Körper die Bewegung wieder zu „schenken„, die er eigentlich gewohnt war.

Mein Physiotherapeut hat mich dabei mit manueller Therapie unterstützt. Er hat mir geholfen und mich immer wieder motiviert, weiter und konsequent meine Übungen zu machen – und siehe da, sobald die Knieorthese zur Einschränkung des Winkels weg war, saß ich wieder am Fahrrad. Zunächst Ergometertraining bei ganz wenig Widerstand – bald danach aber wieder auf meinem normalen Fahrrad, was mir die Freiheit, die ich gewohnt war wieder zurückgab.

Parallel habe ich weiterhin regelmäßig Yoga betrieben, anfangs fast ausschließlich Yin Yoga – zum Arbeiten an den Faszien – danach sehr sanftes Hatha Yoga und nach etwa 10 Wochen nach der Sportverletzung war ich wieder in den ersten Ashtanga-Einheiten – einer intensiveren Form des Yogas.

Persönlich fasziniert hat mich nach meiner Kreuzband-OP, um wie viel mehr ich meinem Körper gegenüber aufmerksam geworden bin. Ich bin zwar insgesamt recht „gspürig“ – doch nach der Sportverletzung wurde es mir nochmals sehr bewusst, wie wichtig es bei einer Knieverletzung ist, in sich „reinzuhören“ und zu schauen, was gerade dem verletzten Kniegelenk und mir gut tut – und auch, was ich lieber lassen sollte.

Fazit von Heidi nach ihrer Sportverletzung beim Skifahren

[…] Ich hatte nach dem „Pech“, dass mir der Kreuzbandriss passiert ist, bei der Heilung quasi nur Glück. Ich glaube aber auch, dass das stetige Dabeibleiben und achtsam mit dem eigenen Körper umgehen einen riesen Beitrag zur Genesung geleistet hat. Natürlich muss auch die Knie-OP erfolgreich verlaufen und die übrigen Rahmenbedingungen passen – Eben die anderen 50 % nach Sportverletzungen.

Resilienz nach Sportverletzungen

Resilienz nach Sportverletzungen versetzt Berge

Im Nachhinein kann ich, die Aussage meines Operateurs, dass die Psychologie im Heilungsprozess so wichtig ist, auf jeden Fall bestätigen: Selber dran zu bleiben, das Gefühl eigene Verantwortung für den Heilungsprozess zu übernehmen, letztlich damit die Genesung zu beeinflussen – Dann weiß du, warum du es machst!

Ich bin sehr froh dass alles gut verlief – und ich bin insgesamt auf vielen Ebenen daraus gewachsen. Mag meine Knieverletzung, einfach nur Pech gewesen sein – zu wenig Schnee auf dem „Felszipferl“, wo mein Schi „drübergerumpelt“ ist – insgesamt hatte es auch den Sinn, in mich und meine Genesung, den notwendigen Glauben zu stecken.

Danke für die Möglichkeit mein Erlebtes hier weiterzugeben. Bleibt´s dran, wenn euch sowas passiert – es zahlt sich aus! Mit besten Grüßen und alles Gute für alle, die sich gerade in einer Situation der Reha befinden, Heidi

Persönlich reifen nach Sportverletzungen

Die Blogleserin schreibt, dass sie persönlich im Heilungsverlauf „gewachsen“ ist, und im Nachhinein sogar einen tieferen Sinn in ihrer Sportverletzung erkennen konnte.

Psychologen sprechen in diesem Zusammenhang von dem Phänomen der „Resilienz“. Vereinfacht ausgedrückt, bezeichnet Resilienz die Tatsache, dass  sich bestimmte Menschen trotz (großer) Belastungen positiv weiterentwickeln. Das bedeutet, innerlich wachsen diese Menschen an ihrem Schicksal, sie gehen aus den schweren Phasen ihres Lebens gestärkt heraus.

Das Konzept der Resilienz bedeutet aber nicht, dass die Betroffenen in der Konfrontation mit ihren Belastungen unbeeindruckt bleiben. Auch sie leiden nach der Sportverletzung erheblich, doch es gelingt ihnen besser, die negativen Konsequenzen der Sportverletzung zu überwinden und sich positiv weiterzuentwickeln.

Nach Sportverletzungen sind positive Entwicklungen natürlich immer denkbar. Von Resilienz sprechen Psychologen deshalb nur dann, wenn die Entwicklung in der Auseinandersetzung mit den Herausforderungen besser verläuft, als dies unter den Umständen, zu erwarten gewesen wäre [1].

Ausblick auf die Resilienz nach Sportverletzungen

Der zweite Teil des Beitrages „Weshalb negatives Denken dem verletzten Knie schadet“ beleuchtet das Konzept der „Resilienz“ genauer und stellt den psychologischen Zusammenhang zu einer Knieverletzung und deren Reha-Verlauf dar: „Die psychologische Gesundheit als Zentraler Pfeiler einer erfolgreichen Knie-Reha“ – ein Faktor, der nur im Profisport Beachtung findet – seltsam, oder? In diesem Sinne: Come back stronger – Wie du deine Kreuzband-Reha mit den psychologischen Faktoren optimal kombinierst, erfährst du in dem Online-Kurs.

Quelle:
[1] Ungar & Lerner, Positive Psychologie. In: Christoph Steinebach Daniel Jungo, Rene Zihlmann (Hrsg.) In: Positive Psychologie in der Praxis: Anwendung in Psychotherapie, Beratung und Coaching, Beltz Verlag, 2012, S. 96-105.

Teilen:

Comments are closed.