Nach Kreuzbandriss wieder Sport – Präventionstraining

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Mediziner optimieren die operative Therapie nach einem vorderen Kreuzbandriss ständig. Dennoch zieht ein Kreuzbandriss heutzutage immer noch lange Ausfallzeiten nach sich. Besonders verletzte Sportler leiden unter der „verordneten“ Inaktivität. Sobald die Schonzeit vorüber ist, steigen viele ehemalige Patienten schnellstmöglich wieder in ihr gewohntes Training ein. Ohne vorher ein gezieltes Training, im Sinne einer Prophylaxe gegen den erneuten Kreuzbandriss zu absolvieren.

Nach Kreuzbandriss zählt auch Sicherheit

Um Sportler vor den Folgen eines erneuten vorderen Kreuzbandriss (Re-Ruptur) zu schützen, sind aktive Maßnahmen der Verletzungsprävention notwendig. Der Sportler muss sich zum Zeitpunkt seiner Rückkehr im Klaren darüber zu sein, dass ein vorher bestandener Schwachpunkt im Knie durch die Kreuzbandriss Reha nicht eliminiert wurde. Ganz im Gegenteil, dass Risiko für eine erneute Kreuzbandruptur ist so hoch, wie nie zuvor.

Es geht nicht allein, um die Frage, wann eine Rückkehr zum aktiven Sport möglich ist, sondern auch, ob die Aufnahme der sportlichen Aktivität für den Patienten sicher genug ist. Meist liegt der Fokus auf der Fragestellung, hält das Kreuzband oder nicht. Weniger oft, wird der Frage nachgegangen, ob der Patient aufgrund seiner muskulären und neuronalen Fähigkeiten in der Lage ist, auf gefährliche Situationen im aktiven Sport adäquat zu reagieren.

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Insbesondere bei Stop-and-go-Sportarten mit Körperkontakt fordert die Situation dem geheilten Knie alles ab – ungenügend funktional trainiert, reißt das Kreuzband wieder.

An dieser Stelle setzt das gezielte Prophylaxe Training ein. Es soll das zukünftige Verletzungsrisiko reduzieren und die Rückkehr zum aktiven Sport erleichtern.

Der erste Teil der Artikelserie beschäftigt sich mit der Frage, wie sich die Verletzungshäufigkeit beim Sport im Hinblick auf Kreuzbandrisse reduzieren lässt. Im zweiten Teil werden geeignete Übungen für eine gezielte Prophylaxe Training vorgestellt.

Verletzungsmechanismen bei Kreuzbandrissen

Um die Wahrscheinlichkeit für eine neue Kreuzbandriss Verletzung zu reduzieren, muss zunächst der Verletzungsmechanismus näher erläutert werden. Der Artikel beschränkt sich dabei auf die Vorstellung der häufigsten Verletzungsmechanismen: Das sind in der Regel Kombinationen aus Verdreh-, Einknick- und Schubtraumen mit am Boden fixiertem Fuß. Kreuzbandverletzungen schließen Begleitverletzungen z.B. des Innenbandes oder des Innenmeniskus öfters mit ein, die an anderer Stelle diskutiert werden.

Knie-Valgus Verdrehtrauma

Knie Valgusverdrehtrauma - Kreuzbandriss

Knie Valgusverdrehtrauma – Nach Kreuzbandriss wieder Fußball spielen | Foto: knie-marathon.de

Eine häufige Ursache für einen vorderen Kreuzrisses ist das starke Abbremsen aus vollem Lauf. Das Knie rotiert nach innen und ein Großteil des Körpergewichts liegt auf dem verletzten Bein. Der am Boden fixierte Fuß fördert das Eindrehen des Kniegelenks und das Kreuzband kracht.

Verdrehtrauma bei Landung nach Sprung

Verdrehtrauma nach Sprung - Nach Kreuzbandriss

Verdrehtrauma nach Sprung – Nach Kreuzbandriss wieder sicher landen | Foto: knie-marathon.de

Auch die Landung in voller oder nahezu voller Beinstreckung nach einem Sprung (z.B. Kopfball) ist eine typische Situation. Der Fußballspieler verletzt sich sein Kreuzband durch eine unkontrollierte Valgus-Innenrotationsbewegung.

Phantom-Foot Mechanismus

Nach Kreuzbandriss wieder Skifahren | Foto: knie-marathon.de

Nach Kreuzbandriss wieder Skifahren | Foto: knie-marathon.de

Der Skifahrer kommt in Rücklage und beugt dabei die Knie an. Das Körpergewicht verlagert sich auf die Innenseite und den hinteren Anteil des Tal-Skis. In dieser Situation kantet der Tal-Ski auf und zieht den Ski mit dem Schuh nach vorne. Das Knie rotiert nach innen Es kommt zu einer extremen Kraftübertragung auf das vordere Kreuzband reißt.

Schwachstellen nach Kreuzbandrissen

Im Prinzip sind wenige Verletzungsmechanismen der Auslöser für viele tausend Kreuzbandverletzungen pro Jahr. Die muskulären und neuronalen Schwachstellen, die zu den auslösenden Verletzungssituationen führen, gilt es in das Kreuzband Prophylaxe Training einzubauen.

Für das Auftreten von Kreuzbandrissen beim Sport sind häufig Defizite in der neuromuskulären Kontrolle bei dynamischen Bewegungen verantwortlich. (Hewett et al., 2013)

Speziell die fehlende oder schlecht ausgebildete Propriozeption im Kniegelenk fördert den Verlust über die Kontrolle der Kniestabilität. Die muskuläre Becken-Bein-Achse ist zu schwach oder „schaltet“ neuronal verlangsamt.

Deshalb berücksichtig das Kreuzband Präventionstraining, die Minderung der Propriozeption und beinhaltet Übungen zur Verbesserung der neuromuskulären Kontrolle des Körperrumpfes und der Becken-Bein-Achse:

Nach Kreuzbandriss beinhaltet die Präventionsarbeit:

  1. Die Stärkung der gesamten Bein-Muskelkette (vor allem ischiocrurale Muskulatur).
  2. Das Trainieren von „Beidfüßigkeit“ zur Schwächung der „Beindominanz“. Minderung von muskulären Dysbalancen.
  3. Den Ausbau der Kontrolle über den Körperschwerpunkt durch intensives Rumpfstabilitätstraining und Stabilisierung der Bein-Becken-Achse.
  4. Training der richtigen Technik beim Landen (Kontaktsportarten).

Strategien zur Prophylaxe von Kreuzbandverletzungen

Auf diesen Trainingszielen basiert das Präventionsprogramm zur Verhinderung von Re-Rupturen des vorderen Kreuzbandes. Es beinhaltet folgende Elemente:

Verständnis und Aufklärung nach einer Kreuzbandverletzung

Erst das Verstehen der Verletzungstraumen macht deutlich, wie wichtig das Training zur Prophylaxe im Sport und Alltag ist. In der Kreuzbandriss Reha geht es in erster Linie, um die Wiederherstellung der ursprünglichen Kniefunktion. Das Präventionstraining geht darüber hinaus. Es trainiert explizit, die Schwachstellen und simuliert sportartspezifische Gefahrensituationen als Vorbereitung auf den „Ernstfall“.

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Spezifische Feedback-Übungen

Schulung des Informationskreislaufes über Stellung im Raum durch Propriozeptoren- und Gleichgewichtsübungen auf wackeliger Unterlage.

Feedforward-Übungen

Bewusste oder unbewusste Voraktivierung der Muskulatur durch Schrittfolgen oder Sprünge. Der Schwerpunkt liegt auf dem einbeinigen Üben – entsprechend dem Verletzungsmechanismus.

Bewegungsmuster immer wieder trainieren

Die komplexen Bewegungsmuster, das Abbremsen und die Richtungswechsel einüben bis sie automatisiert bzw. konditioniert sind (Agilitätstraining nach Kreuzbandrisss).

Nach dem Kreuzbandriss ist vor dem nächsten Kreuzbandriss – der zweite Artikelteil stellt die Knie Übungen im Detail vor, um das Risiko auf einen neuen Kreuzbandriss zu minimieren. Viele Informationen mit Übungsanleitung zur effektiven Kreuzbandriss Reha gibt es hier. Der Einstieg in das Sprungkrafttraining und das Funktional Training nach dem Kreuzbandriss als Vorbereitung zum aktiven Sport.

Quelle: Hewett TE, Di Stasi S, Myer GD. Current concepts for injury prevention in athletes after anterior cruciate ligament reconstruction. Am J Sports Med, 2013; 41:216-221.

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