Meniskusriss – Oft im Schatten des Kreuzbandrisses

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Unterschätzer Meniskusriss – Richtige Meniskus Therapie ist essentiell für die Zukunft des Kniegelenkes. Häufigster Grund für das Aussuchen eines Spezialisten sind Schmerzen im Knie nach Sportverletzungen. Vor allem sportlich sehr aktive Menschen unterliegen einem höheren Risiko. Dabei tritt nicht selten, ein akuter Meniskusriss in Kombination mit einem vorderen Kreuzbandriss auf. Die richtige Versorgung dieser Kombinationsverletzung ist entscheidend für die sportliche Zukunft des verletzen Knies. Wobei dem Meniskusriss eine ebenso entscheidende Funktion zukommt, wie dem vorderen Kreuzband. Die Gründe beschreibt dieser Artikel.   

Ursache Meniskusriss

Meniskus Druckschmerz Kniegelenkspalt deutet auf Meniskusriss

Meniskus Druckschmerz Kniegelenkspalt | Foto: knie-marathon.de

Nach Verletzungen führen Meniskusschädigungen entweder meist direkt zu starken stechenden Schmerzen oder die Meniskusbeschwerden treten allmählich und schleichend auf. Ein Meniskusriss in der Folge eines Traumas wird in der Regel durch Knieverdrehungen in Kombination mit axialen Belastungen und Rotationskräften hervorgerufen. Hingegen sind ist die langsame und degenerativ entstehende Abnutzungserscheinungen des Meniskus nur mit begrenzten Beschwerden behaftet. Ursachen sind dauerhafte Überlastungen durch den Beruf, Beinachsenfehlstellungen, Knorpelschäden oder das fortgeschrittene Alter.

Symptome Meniskusriss

Klassischerweise treten die ersten Probleme bei Belastungen wie dem Treppensteigen, langem Gehen oder Stehen auf. Die Beschwerden sind entweder an der Innenseite oder an der Außenseite des Kniegelenksspaltes lokalisiert. Manchmal spürt der Patient spontane Gelenkblockaden in verschiedenen Positionen sowie Schmerzen im Bereich des inneren Gelenksspaltes bei Überbeugung und bei Auswärtsdrehung von Fuß und Unterschenkel bei gebeugtem Knie. Ist der Außenmeniskus verletzt treten die Schmerzen im Bereich des äußeren Gelenksspaltes bei Überstreckung sowie bei der Innenrotation von Fuß und Unterschenkel auf. Details beschreibt der Artikel – Knie schmerzt und schnappt beim Rotieren.

Aufbau Innen- und Außenmeniskus

Meniskusriss und Kreuzbandriss im Knie

Anatomie Knie | Foto: knie-marathon.de

Anatomisch wird im Knie zwischen dem Innen- und Außenmeniskus unterschieden. Die beiden Menisken bestehen aus elastischen Faserknorpelgeweben und liegen, wie kleine Scheiben zwischen der Oberschenkelrolle (Femurcondylus) und dem Schienbeinkopf (Tibiakopf). Der innere Meniskus ist halbmondförmig und mit dem Innenband verwachsen. Bei einer Außenrotation des Unterschenkels dreht der Innenmeniskus mit und verlagert sich. Bei der inneren Kniedrehung gleitet der Außenmeniskus in der Bewegungsrichtung nach innen. Doch die Beweglichkeit beider Knorpelscheiben ist begrenzt. Zu heftige und plötzliche Verschiebungen führen zu Meniskusrissen.

Dabei ist der Außenmeniskus nahezu kreisförmig. Er ist nicht mit dem Innenband verwachsen und hat dadurch mehr Bewegungsspielraum als der Innenmensiskus. Der Außenmeniskus wandert bei einer Kniebeugung etwa doppelt so weit wie der innere Meniskus. Diese größere Gleitfähigkeit ist wahrscheinlich der Grund, dass der Außenmeniskus bis zu 5 mal weniger häufig reißt als der Innenmeniskus. Der Meniskus ist örtlich in drei Teile unterteilt: In Vorderhorn, Pars Intermedia (mittlerer Teil) und Hinterhorn.

Funktion des Meniskus

Die Aufgabe der beiden Menisken besteht in der Druckverteilung. Zwischen 30% bis 70% der Belastungen im Knie wirken direkt auf die Menisken. Die Hinterhörner des Innen- und Außenmeniskus müssen einen größeren Druck auszuhalten, als die vorderen Anteile. Dabei hängt die Verteilung der Belastung vom Grad der Kniebeugung ab. Bei der Kniestreckung werden etwa 50% der Kompressionsbelastung auf den Meniskus übertragen; bei einer 90 Grad Kniebeugung sind es etwa 85%. Fehlen Meniskusteile in Folge von Verletzungen und deren operativ Entfernung verstärkt sich die Kompressionsbelastung auf die verbleibenden Teile. Der Restmeniskus kommt unter erheblichen Druck.

Der Meniskus ist in seiner Oberflächenstruktur perfekt an die Gelenkoberfläche des jeweiligen Knies angepasst und puffert jeden Stoß ab. Neben dieser Absorptionsfunktion sind die Menisken für die Schmierung des Gelenks, die Kniestabilität und zum Schutz der Gelenkoberfläche und damit der Gelenkknorpel verantwortlich. Die Menisken übernehmen neben den Kreuzbändern eine zentrale Funktion im Kniegelenk. Viele Betroffene unterschätzen die wichtige Aufgabe des Meniskus. Der Fokus liegt in der Regel auf dem verletzten vorderen Kreuzband. Eine Nachlässigkeit mit nicht reversiblen langfristigen Folgen.

Meniskusriss heilt meist nicht selber

Der Meniskus ist nur im Randbereich zur Gelenkkapsel hin mit Blutgefäßen versorgt ist. Dieser Bereich wird „Red-Red-Zone“ genannt – dort besteht die Möglichkeit das ein Riss im Meniskus von alleine ausheilt. Der mittlere Bereich heißt „Red-White Zone“ und die Meniskusspitzen „White- Zone“. Die „weiße Zone“ ist nicht durchblutet und hat kaum Aussicht auf Heilung nach einer Knieverletzung. Das Meniskusgewebe selber ist nicht mit Nerven durchzogen, deshalb schmerzt der Meniskusriss oder dessen degenerativen Abbau auch nicht. Die akuten Beschwerden entstehen nach einem Meniskusriss durch das Verschieben oder das Einklemmen von Meniskusgewebe und in dessen Folge die Reizung der Gelenkinnenhaut.

Diagnose Meniskusriss

Menisusriss und seine Verletzungsarten

Meniskusriss | Foto: knie-marathon.de

Bei Meniskusverletzungen unterscheidet man zwischen dem Ort des Risses und Art der Meniskus Ruptur. Am häufigsten ist der hintere Bereich (Hinterhorn) von Meniskusrissen betroffen. Nach einem Korbhenkelriss verschiebt sich das eingerissene Meniskusteil in den Kniegelenkspalt und verursacht dort Schmerzen und Blockaden.

Meniskusriss Behandlung

Verursacht ein Meniskusriss keine Beschwerden muss nicht zwangsläufig sofort operiert werden. Bei älteren Menschen und bereits sehr inaktiven Menschen ist ein konservativer Therapieversuch mit Physiotherapie und entsprechenden Medikamenten möglich. Bei jüngeren Menschen kommt es auf das Beschwerdebild, den Ort und das Ausmaß des Meniskusriss an.

Meniskusriss Therapie

Meniskusersatz CMI nach Meniskusriss

Meniskusersatz | Foto: knie-marathon.de

Es existieren vier operative Behandlungsmöglichkeiten nach einem Meniskusriss:

1. Teilentfernung und Glättung des Meniskus

Bei der Meniskusteilresektion werden nur kleinere Teile des Meniskus entfernt, da ein Knie ohne Menisken schlechte Prognosen aufweist. Die Kniechirurgen versuchen den Meniskus, unter allen Umständen in seinen Anteilen zu erhalten. Früher wurde großzügig der Meniskusgewebe herausgeschnitten. Heute entfernen die Ärzte nur noch sparsam und versuchen so viel Knorpelmaterial wie möglich zu erhalten. Meniskusrisse werden genäht und kleine Defekte geglättet.

2. Meniskusnaht oder Meniskusrefixation

Kniechirurgen nähen einen akuten, großen Meniskusriss in der roten und gut durchbluteten Zone. In der Meniskusrefixation wird der Meniskusriss mit Hilfe von Nadel, Faden und Ankermaterial repariert. Anschießend verknotet der Operateur die Meniskusnaht außerhalb des Kniegelenks.

Entscheidend für diese Art von Meniskus Therapie ist der Ort und die Größe der Meniskus Ruptur. Nicht alle Meniskusrisse eigenen sich zum Nähen. Die Entscheidung für oder gegen einen Meniskusnaht variiert aber unter den Kniechirurgen. Das Entfernen des geschädigten Meniskusteils ist der einfachste und schnellste operative Weg. Für den Patienten langfristig aber die schlechteste Variante. Die Auswahl eines erfahrenden Chirurgen sollte genauso umsichtig erfolgen, wie die Wahl des Operateurs bei einer Kreuzbandriss OP.

Reha nach Meniskusnaht

3. Totale Meniskusentfernung oder Meniskutotalresektion

Bei einer Totalresektion schneidet der Operateur nahezu das ganze Meniskusgewebe bis auf eine Randleiste heraus. Das Kniegelenk ist danach zwar meistens beschwerdefrei aber langfristig steigen die Chancen auf Knorpelschäden und Arthrose. Die Situation verstärkt sich, wenn zusätzlich instabile Bandverhältnisse durch gerissene Kreuzbänder vorliegen. Ein fehlender Meniskus kann in aufwendigen Operationen ersetzt werden. Doch das Meniskusersatzgewebe wird in seiner Qualität nicht an das Ursprungsgewebe heranreichen.

4. Künstlicher Meniskus oder Meniskusimplantation

Bei Patienten mit großflächiger Meniskusteilentfernung und einer qualitativ hochwertigen Meniskusrestleiste besteht die Möglichkeit ein Meniskusimplantat einzusetzen. Das „künstliche “ Meniskusimplantat näht der Kniechirurg in einer Kniearthroskopie an die Meniskusrestleiste an. Das Implantat bildet im Anfangsstadium ein Gerüst, damit die körpereigenen Meniskusrestzellen dort einwandern und den entfernten Meniskus in seiner ursprünglichen Struktur nachbilden. Im Laufe von ein bis zwei Jahren baut der Körper diese Meniskus-Schablone wieder ab.

5. Meniskusspende oder Meniskustransplantation (Meniskusallograft)

Spendermeniskus nach Meniskusriss

Spendermeniskus nach Meniskusriss | Foto: knie-marathon.de

Die Meniskustransplantation kommt nur nach einer vollständigen Meniskusentfernung (Meniskektomie) in Frage. Sie ist eine Therapie Möglichkeit, wenn die Meniskusrestleiste von schlechter Qualität ist und ein Meniskusimplantat nicht daran angenäht werden kann.

Das Allograft ist ein menschliches Meniskusersatzgewebe, welches von einer verstorbenen Person gespendet wurde. Der Spendermeniskus wird mit Hilfe einer minimalinvasiven arthroskopischen Technik (ASK) transplantiert und vernäht. Ein Ausschnitt aus einer Meniskus OP Meniskustransplantation.
Die Voraussetzungen für eine Meniskustransplantation und die OP Technik sowie persönliche Erfahrungen beschreiben folgende Artikel: Meniskustransplantation Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4.

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