Meniskus-OP – Heilt Meniskusriss von alleine

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Heilt eine Meniskusverletzung von alleine oder ist eine Meniskus-OP notwendig? Vor dieser schwierigen Entscheidung stehen viele Patienten bei einem diagnostizierten Riss im Meniskus. Wonach soll sich der Patient richten? Einige Ärzte raten zur Meniskusriss-OP andere nicht. Der Artikel stellt einen Leitfaden für diese wichtige Entscheidung vor.

Denn zwischen einer Meniskusverletzung heilen, reparieren und entfernen gibt es einen großen Unterschied mit weitreichenden Folgen für den Kniepatienten. Die Konsequenzen der unterschiedlichen Meniskus Behandlung zeigt sich vielfach Jahre später – chronischer Meniskusschaden mit fortschreitender Kniearthrose.

Zentrale Funktion von Innen- und Außenmeniskus

Der Meniskus erfüllt wichtige Aufgaben im Kniegelenk. Er funktioniert als „Pufferzone“ zwischen den Knorpel- und Gleitflächen und fördert die Schmierung des Kniegelenks. Ein gesunder Meniskus verteilt zudem die Gesamtlast im Kniegelenk und sorgt für eine perfekte Last- und Schockabsorption im Alltag, Job und Sport.

Die Menisken geben dem Knie seine Stabilität bei rotierenden Bewegungen. Sie (Außen- und Innenmeniskus) bilden zusammen mit den vorderen und hinteren Kreuzbändern die zentrale Struktur im Kniegelenk für alle Drehbewegungen.

Meniskus gerissen – Symptome und Beschwerden

Der typische Patient mit einem Meniskusteilriss hat keine großen Schmerzen beim normalen Gehen. Patienten mit Meniskusrissen klagen eher über Schmerzen beim Treppe hinunter gehen oder beim Aufstehen aus einer sitzenden Position. Häufiger knackt es auch im Kniegelenk und der Alltag macht Probleme, vor allem bei Drehbewegungen im Knie oder starken Druckbelastungen, beispielsweise beim Radfahren. Wenn der Meniskusriss eine bestimmte Größe erreicht hat, knickt das Knie unter Umständen weg oder fühlt sich instabil an. Einige Patienten schlafen mit einem Kissen zwischen den Beinen, weil der Druck auf die Knieinnenseite bei einem Innenmeniskusriss schmerzt. Der Meniskus selbst, ist nicht mit Nerven durchzogen, die „dezenten“ Schmerzen im Kniegelenk kommen von der entzündeten Gelenkinnenhaut (Synovialmembran). Heftige Kniebeschwerden verspürt der Patient, wenn sich ein loses Meniskusstück („freier Gelenkkörper“) im Gelenkspalt verkeilt oder der Meniskus einklemmt. Rutsch dieser dann nicht von alleine wieder in seine Ausgangsposition sind Bewegungseinschränkungen im Kniegelenk die Folge.

20 Minuten für eine Meniskusoperation

Meniskus-OP unterschiedlich erfolgreich

Meniskus-OP hängt auch an der Zone des Meniskusschadens | Foto: knie-marathon.de

Eine ambulante Meniskus Arthroskopie klingt für den Patienten nach einem Routineeingriff. Die Operation am Meniskus dauert bei einer reinen Meniskusentfernung keine halbe Stunde. Die Nachbehandlung einer Meniskusverletzung (ohne Meniskusrepair) ist verhältnismäßig kurz und die Arbeitsunfähigkeit nach einer Meniskus-OP beträgt etwa zwei Wochen.

Dennoch das großzügig Wegschneiden (Meniskustotalresektion) oder das teilweise Entfernung des Meniskus (Meniskusteilresektion) ist der letzte Ausweg. Eine Erhaltung des Meniskusgewebes steht im Vordergrund.

Was einmal operativ bei einem Meniskus großflächig entfernt wurde, kann später nur mit einem künstlichen Meniskusersatz oder einer Meniskusspende (Allograft) mühevoll rekonstruiert werden – denn der Meniskus wächst nicht nach. Doch im Falle eines vollständigen Meniskusverlustes (Meniskektomie) profitieren nur wenige Patienten von einem Meniskusersatz. Die meisten Kniepatienten müssen mit ihrem chronischen Meniskusschaden zurechtkommen.

Ich lebe seit ein paar Jahren mit einer Meniskusspende – mein Gefühl ist gut, ich bin beschwerdefrei. Doch die Meniskustransplantation ist eben nur ein Ersatz, eine Garantie auf eine vergleichbare Haltbarkeit zum körpereigenen Meniskus gibt es keine.

Meniskusriss ist nicht gleich Meniskusriss

Risse am Meniskus kommen in verschiedenen Formen, Orten und Größen vor. Die Größe und Art des Meniskusriss bestimmt, ob der Meniskusriss „stabil“ oder „instabil“ ist – und gibt damit eine Antwort auf die Frage, ob der Patient von einer Meniskusoperation langfristig profitiert.

Meniskus-OP Tipp 1: Stabile oder instabile Ausgangsposition erkennen

Eine „stabile“ Meniskussituation liegt vor, wenn der Meniskus kaum Kniebeschwerden verursacht und keine Gefahr besteht, dass durch einen operativ unbehandelten Meniskusriss noch größere Schäden im Kniegelenk entstehen. Besteht jedoch das Risiko, dass der Meniskusriss mit der Zeit größer wird oder sich womöglich umschlägt („Flipped Meniscus“) und als freier Gelenkkörper im Kniegelenk „schwimmt“, dann spricht der Arzt von einer „instabilen“ Meniskussituation.

Meniskus-OP Tipp 2: Ursache von Meniskusrissen beachten

Ist kein auslösendes Ereignis erinnerbar, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um einen chronisch degenerierten Meniskusriss handelt. Ein „verschlissener“ Meniskus aufgrund des Alters oder langanhaltender Belastungen – Abnutzungserscheinungen. Der Meniskus franst an seiner Außenkante aus, wie bei einer alten und häufig getragenen Jeanshose. Diese kleinen Meniskusrisse am Rand (in der weißen Zone) bleiben oft unbemerkt und verursachen kaum Meniskusschmerzen. Das Knie „zickt“ im fortgeschrittenem Alter ein bis zweimal im Jahr – nach einer Schonzeit mit anschließenden Knieübungen verschwinden die Knieprobleme meist wieder. Der Arzt spricht von einem Verschleiß am Meniskus – die Situation ist weitgehend stabil. Eine Meniskus-OP an einem stark verschleißbedingten (degenerierten) Meniskus im höheren Alter ist in der Regel nicht indiziert.

Der Verschleiß im Meniskus unterteilt sich in vier Schwergrade:

  1. Grad: Meniskus gerissen – Zentral und punktförmig
  2. Grad: Unvollständig – Horizontal, aber nicht die Meniskusoberfläche erreichend
  3. Grad: Vollständig – Bandförmig und die Meniskusoberfläche erreichend
  4. Grad: Meniskus ist mehrfach gerissen bzw. durchbrochen.

Anders hingegen verhalten sich Meniskusrisse nach Unfällen und bei jüngeren aktiven Menschen. In diesem Fällen bestehen die Meniskusrisse weniger aus kleineren Ausfransungen am Meniskusrand, sondern sie unterscheiden sich in der Größe, Tiefe und Art des Risses. Diese Formen stellen ein größeres Risiko für weitere Schäden im Kniegelenk dar.

Meniskus-OP Tipp 3: Unbedingt Art des Meniskusriss erfragen

Die Art der Meniskusläsion bzw. Meniskusruptur legt fest, ob grundsätzlich das zerrisse Stück genäht oder repariert werden kann, oder ob das zerrissene oder abgetrennte Meniskusteil entfernt wird.

Die Diagnose einer Meniskusruptur erfolgt durch klinische Untersuchung, Meniskustests, MRT und nur bei bestehender Unklarheit auch durch eine Kniearthroskopie (Gelenkspiegelung).

Rissart entscheidet auch über Meniskus-OP

Rissart entscheidet auch über Meniskus-OP | Foto: knie-marathon.de

Nach den bildgebenden Verfahren beurteilt der Arzt, um welche Art von Meniskusriss es sich handelt. Die Risse am Meniskus sind nach ihrer Verlaufsrichtung in Längsrisse, Radiärrisse (Querrisse) und Schrägrisse (Lappenrisse) eingeteilt. Bezüglich der Raumebene unterscheiden sich Meniskusrupturen in Vertikal- und Horizontalrisse. Sonderformen sind komplexe Läsionen am Meniskus, wie ein Korbhenkelriss, ein „Flipped Meniscus“ oder ein Wurzelriss.

Die Sonderformen verursachen deutlich mehr Kniebeschwerden und neigen tendenziell sich zu vergrößern bzw. „umzuschlagen“. Operative Behandlungsmöglichkeiten, auch bei wenig Schmerzen, sollte der Patient in Erwägung ziehen immer in dem Wissen, dass ein massiv geschädigter Meniskus das Risiko für Kniearthrose erhöht.

Bereits das Entfernen eines kleinen Stücks vom Meniskus hat negative Auswirkungen auf die Druckverteilung im Kniegelenk. Daher ist es unerlässlich, die biomechanischen Charakteristika jedes Risstyps und jeder Meniskusläsion zu verstehen. Basisnahe Wurzelläsionen oder ausgedehnte Radiärrisse können zu einem fast völligen Funktionsverlust des Meniskus führen, obwohl 100 % der Meniskussubstanz beim Patienten noch vorhanden ist.

Meniskus-OP Tipp 4: Ort des Meniskusriss feststellen

Der Meniskus selber wird in drei Zonen unterteilt (rote Zone, rot-weiße Zone und weiße Zone). Entsprechend der Namensgebung sind diese Zonen unterschiedlich gut durchblutet. Die Literatur geht größtenteils davon aus, dass ausschließlich Meniskusrisse in der roten und damit gut durchblutenden Zone (siehe Abbildung: Zone 1 bis 3) heilen, sofern sie operativ versorgt werden. Neuere Studien zeigen, dass auch Horizontalrisse und Radiärrisse in den weniger gut durchblutenden Meniskusstrukturen heilen, wenn sie entsprechend repariert werden [1], [2].

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Meniskus-OP Tipp 5: Kniespezialist mit großen Repertoire finden

Auch kann die völlige Entfernung eines kleinen Meniskusanteils, welche bis an die Meniskusbasis reicht, mechanisch gesehen einer Totalresektion des Meniskus nahekommen. Mediziner sprechen von einer funktionellen Totalmeniskektomie. Deshalb ist die weitgehende Erhaltung der Außen- und Innenmenisken maßgeblich. Der auserwählte Kniechirurg muss unterschiedliche Naht- und Refixationstechniken beherrschen.

Kniechirurgen stehen häufig vor der Situation, dem Patienten eine Meniskusrefixation (Meniscusrepair) oder das (Teil)-Entfernen von Meniskusgewebe (Kein Meniscusrepair!) vorzugschlagen. Eine zweite ärztliche Meinung einzuholen ist bei einer Meniskus-OP für mich ein Muss. Die „handwerklichen“ Unterschiede und die Bereitschaft der Ärzte variieren erheblich.

Meniskus-OP Tipp 7: Naht-Material und Technik entscheiden auch über Erfolg

Nicht nur die Erfahrung des Arztes beim Nähen des Meniskusrisses ist ausschlaggebend für den Meniskus-OP-Erfolg, sondern auch das verwendete Nahtmaterial:

  • Das verwendete Nahtmaterial steht im Zusammenhang mit der verwendeten Naht-Technik,
  • Die Naht-Techniken unterscheiden sich in ihrer Erfolgswahrscheinlichkeit,
  • Hohe Erfolgswahrscheinlichkeit bedeutet die Verwendung von teurem Material,
  • Teures Nahtmaterial „lohnt“ sich, spätestens ab dem zweiten Meniskusriss (z. B., Kassenpatient hat einem Schaden am Innen- und Außenmeniskus), finanziell für den Operateur nicht mehr.

Ich empfehle jedem Patienten, sich bei seinem zukünftigen Operateur über die Naht-Technik und auch das verwendete Nahtmaterial zu informieren. Hoher Standard: All-inside-Meniskusrefixationssystem beispielsweise für das Meniskus-Hinterhorn.

Meniskus-OP Tipp 7: Nicht MRT-Bilder sondern Menschen behandeln

Die Schmerzen nach einem Riss im Innen- oder Außenmeniskus verbessern sich bei vielen Patienten innerhalb von wenigen Wochen nach dem Auftreten. Überhastet eine Meniskusriss-OP anzuberaumen ist also nicht notwendig. Vor allem dann nicht, wenn:

  • Wenn der Knieschmerz sich bessert,
  • wenn der Schmerz nicht die Lebensqualität beeinträchtigt,
  • wenn die Kniebewegung gut ist und wenn keine Beeinträchtigung in den alltäglichen Aktivitäten vorliegt.

Es gibt auch Studien, die zeigen, dass ein degenerativer Verschleiß am Meniskus gut konservativ mit physikalischer Therapie behandelt werden kann.

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Meniskus-OP Tipp 8: Artefakte im MRT beachten

Ebenso kommt es zu Artefakten in der MRT-Bildgebung bei der Darstellung beiden Menisken. Insbesondere das dorsale Ligamentum transversum (Wrisberg-Ligament) bietet sich zur Verwechslung mit einem Außenmeniskusriss am Hinterhorn an. In der MRT-Aufnahme muss der Radiologe den Verlauf des Meniskus-Oberschenkelknochen-Band (Ligamenta meniscofemoralia) berücksichtigten, um eine Verwechslung mit dem verlagerten Anteil des Außenmeniskus bei einem Riss desselben zu vermeiden. Mir schon passiert – eine zweite Meinung räumte die Verwechslung aus.

Meniskus-OP Tipp 9: Kreuzbandverletzung und Meniskusriss

Viele Patienten richten den Augenmerk auf den vorderen Kreuzbandriss. Der Meniskusschaden läuft als Begleitverletzung oft nebenher. Doch Studien deuten darauf hin, dass der Meniskus eine weitaus wichtigere Rolle bei der Prävention einer Arthrose im Knie einnimmt, als eine vordere Kreuzbandruptur.

Heilung ohne Meniskus-OP ja oder nein

Eine Heilung am Meniskus ohne einen operativen Eingriff  funktioniert nur bei einer sehr kleinen Gruppe von Menschen. In diesen Fäll meist im Zusammenhang mit einer vorderen Kreuzbandverletzung und wenn sich der Riss in der gut durchblutenden Zone befindet. Ansonsten heilen Meniskusrisse kaum von alleine. Ein Trost, die meisten Patienten, vor allem im fortgeschrittenen Alter, leben trotzt Meniskusriss und ohne Meniskus-OP weitgehend beschwerdefrei.

Quelle:
[1] Ahn JH, Kwon OJ, Nam TS.: Arthroscopic repair of horizontal meniscal cleavage tears with marrow-stimulating technique. Arthroscopy. 2015 Jan; 31(1):92-8. doi: 10.1016/j.arthro.2014.07.029. Epub 2014 Sep 18
[2] Choi NH, Kim TH, Son KM, Victoroff BN.: Meniscal repair for radial tears of the midbody of the lateral meniscus. Am J Sports Med. 2010 Dec; 38(12):2472-6. doi: 10.1177/0363546510376736. Epub 2010 Sep 8

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