Montag, November 30

Meniskus-OP: Heilt dein Meniskusriss von alleine?

0

Heilt eine Meniskusverletzung von alleine oder ist eine Meniskus-OP notwendig? Vor dieser schwierigen Entscheidung stehen viele Patienten bei einem diagnostizierten Riss im Meniskus. Wonach sollst du dich richten, wenn einige Ärzte zur Meniskusriss-OP raten und andere nicht? Der Artikel stellt einen Leitfaden für diese wichtige Entscheidung vor.

Meniskusverletzung ohne Operation erfolgreich behandeln

Als erstes gilt abzuklären, wie groß und tief der Riss im Meniskus ist und wo er sich befindet. Aus dieser Diagnose leitet sich die Chance auf eine Heilung ab.

Im Grundsatz gibt es fünf Möglichkeiten einen Meniskusriss (lat. Meniskusruptur) zu behandeln. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Riss im Innen- oder Außenmeniskus festgestellt wurde:

  1. Abwarten (mindestens 6 bis 12 Monate) und schauen, was an Restbeschwerden übrig bleibt (lat. konservativ)
  2. Teile des Meniskus operativ entfernen (lat. Meniskusresektion)
  3. Meniskusriss in einer Operation nähen (engl. Meniscusrepair)
  4. Geschädigte Meniskusanteile entfernen und ersetzen (nur bei sehr schweren Knieverletzungen)
  5. Meniskus kleben.

Du siehst also zwischen einer Meniskusverletzung heilen, reparieren, kleben und entfernen gibt es einen großen Unterschied.

Was sind die Folgen eines Meniskusrisses ohne OP?

Die unterschiedlichen Behandlungsformen von Meniskusrissen zeigen sich oft erst Jahre oder Jahrzehnte später. Manche Patienten sind trotz eines Risses im Meniskus beschwerdefrei, andere leiden nach einem chronischen Meniskusschaden ohne OP unter einer fortgeschrittenen Kniearthrose.

Besonders die Teilentfernung des Meniskusrisses schützt nicht vor einer zukünftigen Arthrose im Kniegelenk. Allein aus diesem Grund ist eine OP am Meniskus nicht notwendig. Weshalb das der Fall ist, erklärt sich durch die Funktion des Meniskus für das Kniegelenk.

Was ist die zentrale Funktion von Innen- und Außenmeniskus?

Die Menisken geben dem gesunden Knie seine Stabilität bei rotierenden Drehbewegungen. Hier bilden Außen- und Innenmeniskus zusammen mit den vorderen und hinteren Kreuzbändern die zentrale Struktur im Kniegelenk.

Damit erfüllt der Meniskus eine sehr wichtige Aufgabe im Kniegelenk. Ein gesunder Meniskus funktioniert als „Pufferzone“ zwischen den Knorpel- und Gleitflächen und fördert die Schmierung des Kniegelenks. Der intakte Meniskus verteilt die Gesamtlast im Kniegelenk und sorgt für eine perfekte Last- und Schockabsorption im Alltag, Job und Sport.

Was sind typische Symptome und Beschwerden bei einem Meniskusschaden?

Der typische Patient mit einem Meniskusteilriss hat keine großen Schmerzen beim normalen Gehen auf der Ebene. Patienten mit Meniskusrissen klagen eher über Schmerzen beim Treppe hinunter gehen oder beim Aufstehen aus einer sitzenden Position.

Auch das Radfahren mit starkem Druck auf die Pedale bereitet Schwierigkeiten. Zudem wird das Sitzen im Schneidersitz oft als problematisch beschrieben.

Typische Anzeichen für einen Meniskusriss (eher degenerativ) ist die stetige Zunahme der Kniebeschwerden. Was anfangs mit einem kleinen Zwicken im Knie beginnt, baut sich über Wochen zu chronischen Beschwerden im Kniegelenk auf. Zu Beginn vor allem bei Drehbewegungen oder starken Druckbelastungen, beispielsweise beim Radfahren später dann durchgehend unter Belastung beim Joggen oder im Job.

Wenn der Meniskusriss eine bestimmte Größe erreicht, besteht die Möglichkeit, dass das Knie wegknickt und sich instabil anfühlt. Oft schlafen einige Patienten mit einem Kissen zwischen den Beinen, weil der Druck auf die Knieinnenseite bei einem Innenmeniskusriss schmerzt.

Der klassische Unterschied zwischen einem akuten Meniskusriss und einer degenerativen Veränderung im Kniegelenk sind die plötzlich auftretenden Schmerzen ohne vorherige Kniebeschwerden.

Verursacht ein Meniskusriss Schmerzen im Knie?

Der Meniskus selbst ist nicht mit Nerven durchzogen. Die „dezenten“ Schmerzen im Kniegelenk kommen von der entzündeten Gelenkinnenhaut (lat. Synovialmembran). Deshalb steigern sich die Beschwerden mit der Zeit und klingen bei einer Schonung des Knies wieder ab.

Erguss im Kniegelenk oder „Meniskus-Entzündung“

Im medizinischen Sinne existiert die Diagnose „Meniskus Entzündung“ nicht. Die Meniskusverletzung löst lediglich eine Entzündung an der Verletzungsstelle aus. Diese Entzündungsprozesse verursachen die Schmerzen.

Dabei führen die losen oder abgerissenen Meniskusfasern zu eine Ansammlung von Flüssigkeit im Kniegelenkspalt. Durch den Reibungseffekt entstehen Irritationen in den umgebenden Strukturen. Gleichzeitig stören die Entzündungsprozess im Knie den Abbau der Gelenksflüssigkeit, sodass sich das „Wasser“ ansammelt und von außen als Kniegelenkserguss sichtbar wird. Der Erguss im Knie drückt immer stärker auf das umliegende Gewebe und verursacht Schmerzen in Ruhe oder in Bewegung.

Schwere Meniskusriss Symptome oder „Freier Gelenkkörper“

Sobald Faserteile vom Meniskus abreißen und sich frei im Gelenk bewegen, besteht die Gefahr, dass sich dieses Meniskusstück („freier Gelenkkörper“) im Gelenkspalt verkeilt. Der „freie Gelenkkörper“ blockiert die Streckbewegung. Rutsch dieser Meniskusanteil nicht von alleine wieder in seine Ausgangsposition sind Bewegungseinschränkungen und plötzlich auftretende Schmerzen die Folge. Eine Meniskusoperation muss in Betracht gezogen werden.

Wie lange dauern Meniskusoperationen?

Die Operationsdauer und die Nachbehandlung variieren in Abhängigkeit der Operationsmethode:

Wie lange dauert die OP bei einer Meniskusteilentfernung?

Eine ambulante Arthroskopie („Kniegelenksspiegelung“) klingt nach einem Routineeingriff. Die Operation am Meniskus dauert bei einer reinen Meniskusentfernung etwa 20 Minuten. Die Nachbehandlung einer Gelenkspiegelung (ohne eine Meniskusnaht) ist verhältnismäßig kurz. Die Arbeitsunfähigkeit nach einer Meniskus-OP beträgt etwa ein bis zwei Wochen.

Wieviel OP-Zeit benötigt eine Meniskusnaht?

Wird der Riss bei einer Operation genäht, dauert der operative Eingriff länger. Die Reha-Zeit beträgt in diesem Fall mindestens 6 bis 8 Wochen.

Das großzügige Wegschneiden (lat. Meniskustotalresektion) oder die teilweise Entfernung des Meniskus (lat. Meniskusteilresektion) ist immer der letzte Ausweg. Damit steht die Erhaltung des Meniskusgewebes bei jungen Patienten im Vordergrund. Auch ältere und sehr aktive Patienten sollten eine Meniskusnaht oder Verklebung in Betracht ziehen, auch wenn sich die Heilungschancen mit zunehmendem Alter verschlechtern. Das Aufsuchen von mehreren Kniegelenksspezialisten ist daher notwendig.

Wie lange dauert die Operation bei einem Meniskusersatz?

Wurde der Meniskus operativ großflächig entfernt besteht die Möglichkeit diesen künstlich zu ersetzen. Diese Rekonstruktion mit einem Meniskusersatz oder einer Meniskusspende (lat. Allograft) ist mühevoll und kostenintensiv. Zudem ist der Ersatz mit einem Meniskus-Allograft an viele Voraussetzungen gebunden und wird nicht von den gesetzlichen Krankenkassen automatisch übernommen. Die Operationszeit liegt bei etwa 1,5 Stunden und die Nachbehandlung entspricht der einer Meniskusnaht.

Ich selbst lebe seit vielen Jahren mit einem Meniskusersatz (Meniskusspende) und bin beschwerdefrei. Doch die Meniskustransplantation ist eben nur ein Ersatz. Eine Garantie auf eine vergleichbare Haltbarkeit zum körpereigenen Meniskus gibt es keine.

Wie lange braucht das Kleben von Meniskusrissen?

Den Meniskus einfach kleben, hört sich toll an. Diese „sanfte“ Methode ist keine Operation im klassischen Sinne. Verwendet wird ein organischer Klebstoff (sogenannter Eiweiß- oder Fibrinkleber), der sich nach ungefähr sechs Wochen von selbst auflöst. Das Verfahren wird unter örtlicher Betäubung und gleichzeitiger MRT-Kontrolle durchgeführt. Die Verklebung des Meniskusrisses dauert etwa 30 bis 60 Minuten. Der große Vorteil ist die sofortige Belastungsfähigkeit des Kniegelenks.

Bis heute lassen sich nicht alle Formen von Rissen im Meniskus kleben. Ausnahmen bilden die sogenannten Radiärrisse, da hier eine Zugentlastung während der Heilungsphase nicht möglich ist. Hinzu kommt die Tatsache, dass die gesetzlichen Krankenversicherungen nicht standardmäßig die Kosten übernehmen.

Meniskusriss ist nicht gleich Meniskusriss

Risse am Meniskus kommen in verschiedenen Formen, Orten und Größen vor. Die Größe und Art des Meniskusriss bestimmt, ob der Meniskusriss „stabil“ oder „instabil“ ist. Und gibt damit eine Antwort auf die Frage, ob du von einer Meniskusoperation langfristig profitierst.

Meniskus-OP Tipp 1: Stabile oder instabile Ausgangsposition erkennen

Eine „stabile“ Meniskussituation liegt vor, wenn der Meniskus kaum Kniebeschwerden verursacht und keine Gefahr besteht, dass durch einen operativ unbehandelten Meniskusriss noch größere Schäden im Kniegelenk entstehen.

Das Gegenteil, also eine „instabile“ Meniskussituation liegt vor, wenn das Risiko besteht, dass dein Meniskusriss mit der Zeit größer wird oder sich womöglich umschlägt („Flipped Meniscus“) und als freier Gelenkkörper im Kniegelenk „schwimmt“.

Meniskus-OP Tipp 2: Ursache von Meniskusrissen beachten

Kannst du dich an kein auslösendes Ereignis (oder Unfall) erinnern, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um einen chronisch degenerierten Meniskusriss handelt. Der Volksmund spricht vom „verschlissenen“ Meniskus aufgrund des Alters oder langanhaltender Belastungen und Abnutzungserscheinungen. Dann franst der Meniskus an seiner Außenkante aus. Im Prinzip wie bei einer alten und häufig getragenen Jeanshose.

Diese eher kleinen Meniskusrisse am Rand (in der weißen Zone) bleiben oft unbemerkt und verursachen kaum Meniskusschmerzen. Das Knie „zickt“ im fortgeschrittenem Alter ein bis zweimal im Jahr. Nach einer Schonzeit mit anschließenden Knieübungen verschwinden diese Knieprobleme meist wieder.

Der Arzt spricht dann von einem Verschleiß am Meniskus, was bedeutet die Situation ist weitgehend stabil. Eine Meniskus-OP an einem stark verschleißbedingten (degenerierten) Meniskus ist in der Regel nicht indiziert.

Wie definiert sich der Verschleiß am Meniskus?

Der Verschleiß im Meniskus unterteilt sich in vier Schwergrade:

  1. Grad: Meniskus gerissen – Zentral und punktförmig
  2. Grad: Unvollständig – Horizontal, aber nicht die Meniskusoberfläche erreichend
  3. Grad: Vollständig – Bandförmig und die Meniskusoberfläche erreichend
  4. Grad: Meniskus ist mehrfach gerissen bzw. durchbrochen.

Anders hingegen verhalten sich Meniskusrisse nach Unfällen und bei jüngeren aktiven Menschen. In diesem Fällen bestehen die Meniskusrisse weniger aus kleineren Ausfransungen am Meniskusrand, sondern sie unterscheiden sich in der Größe, Tiefe und Art des Risses. Diese Formen stellen ein größeres Risiko für weitere Schäden im Kniegelenk dar.

Meniskus-OP Tipp 3: Art des Meniskusriss erfragen

Die Art der Meniskusläsion bzw. Meniskusruptur legt fest, ob grundsätzlich das zerrisse Stück genäht, geklebt bzw. repariert werden kann, oder ob das zerrissene oder abgetrennte Meniskusteil entfernt wird.

Die Diagnose einer Meniskusruptur erfolgt durch klinische Untersuchung, Meniskustests, MRT und nur bei bestehender Unklarheit auch durch eine Kniearthroskopie (Gelenkspiegelung).

Rissart entscheidet auch über Meniskus-OP

Rissart entscheidet auch über Meniskus-OP | Foto: knie-marathon.de

Nach den bildgebenden Verfahren beurteilt der Arzt, um welche Art von Meniskusriss es sich handelt. Die Risse am Meniskus sind nach ihrer Verlaufsrichtung in Längsrisse, Radiärrisse (Querrisse) und Schrägrisse (Lappenrisse) eingeteilt. Bezüglich der Raumebene unterscheiden sich Meniskusrupturen in Vertikal- und Horizontalrisse. Sonderformen sind komplexe Läsionen am Meniskus, wie ein Korbhenkelriss, ein „Flipped Meniscus“ oder ein Wurzelriss.

Die Sonderformen verursachen deutlich mehr Kniebeschwerden und neigen tendenziell sich zu vergrößern bzw. „umzuschlagen“. Deshalb solltest du hier operative Behandlungsmöglichkeiten (auch bei wenig Schmerzen) stärker in Betracht ziehen als bei der degenerativen Form. Immer mit dem Weitblick, dass ein massiv geschädigter Meniskus das Risiko für Kniearthrose stark erhöht.

Aber auch das Entfernen eines „nur“ kleinen Stücks vom Meniskus hat negative Auswirkungen auf die Druckverteilung im Kniegelenk. Daher ist es unerlässlich für dich, die biomechanischen Charakteristika jedes Risstyps und jeder Meniskusläsion zumindest im Ansatz zu verstehen. Basisnahe Wurzelläsionen oder ausgedehnte Radiärrisse können zu einem fast völligen Funktionsverlust des Meniskus führen, obwohl 100% der Meniskussubstanz beim Patienten noch vorhanden ist.

Meniskus-OP Tipp 4: Ort des Meniskusriss feststellen

Der Meniskus selber wird in drei Zonen unterteilt (rote Zone, rot-weiße Zone und weiße Zone). Entsprechend der Namensgebung sind diese Zonen unterschiedlich gut durchblutet. Die Literatur geht größtenteils davon aus, dass ausschließlich Meniskusrisse in der roten und damit gut durchblutenden Zone (siehe Abbildung: Zone 1 bis 3) heilen, sofern sie versorgt werden. Neuere Studien zeigen, dass auch Horizontalrisse und Radiärrisse in den weniger gut durchblutenden Meniskusstrukturen heilen, wenn sie entsprechend repariert werden [1], [2].

Meniskus-OP unterschiedlich erfolgreich

Notwendigkeit einer Meniskus-OP hängt auch von der Zone des Meniskusschadens ab| Foto: knie-marathon.de

Meniskus-OP Tipp 5: Kniespezialist mit großen Repertoire finden

Das Wichtigste bei einer Meniskusoperation ist der Schutz des verletzten Gewebeanteils. Wie schon oben beschrieben, kann auch die völlige Entfernung eines nur kleinen Meniskusanteils, welche aber bis an die Meniskusbasis reicht, mechanisch gesehen einer Totalresektion des Meniskus nahekommen.

In diesem Fall sprechen Mediziner von einer funktionellen Totalmeniskektomie. Deshalb ist die weitgehende Erhaltung der Außen- und Innenmenisken maßgeblich. Der auserwählte Kniechirurg muss unterschiedliche Naht- und Refixationstechniken beherrschen. Je mehr Erfahrung im Umgang mit unterschiedlichen Nahttechniken, Klebeverfahren und Materialen umso besser.

Erkundige dich:

  • Wie sind die Erfahrungen deines potenziellen Chirurgen mit komplexen Meniskusverletzungen?
  • Wie sind seine Erfahrung in Bezug auf die Heilung von Meniskusnähten?
  • Wie viele Eingriffe macht der Kniechirurg pro Jahr?
  • Wann rät er von Operationen ab und wann auf keinen Fall?

Kniechirurgen stehen häufig vor der Situation dem Patienten eine Meniskusrefixation (Meniscusrepair) oder das (Teil)-Entfernen von Meniskusgewebe (Kein Meniscusrepair!) vorzuschlagen. Die ärztlichen Meinungen gehen hier stark auseinander, besonders wenn der Patient älter als 50 Jahre ist.

Deshalb ist eine zweite ärztliche Meinung bei einer Meniskus-OP für mich ein Muss. Die „handwerklichen“ Unterschiede und die Bereitschaft der Ärzte variieren erfahrungsgemäß erheblich.

Meniskus-OP Tipp 7: Naht-Material und Technik entscheiden auch über Erfolg

Nicht nur die Erfahrung des Arztes beim Nähen des Meniskusrisses ist ausschlaggebend für den Meniskus-OP-Erfolg, sondern auch das verwendete Nahtmaterial:

  • Das verwendete Nahtmaterial steht im Zusammenhang mit der verwendeten Naht-Technik,
  • Die Naht-Techniken unterscheiden sich in ihrer Erfolgswahrscheinlichkeit,
  • Hohe Erfolgswahrscheinlichkeit bedeutet die Verwendung von teurem Material,
  • Teures Nahtmaterial „lohnen“ sich spätestens ab dem zweiten Meniskusriss für den Operateur unter finanziellen Aspekten nicht mehr. Beispiel: Ein Kassenpatient hat gleichzeitig einem Schaden am Innen- und Außenmeniskus.

Ich empfehle jedem Patienten, sich bei seinem zukünftigen Operateur über die Naht-Technik und auch das verwendete Nahtmaterial zu informieren. Hoher Standard: All-inside-Meniskusrefixationssystem beispielsweise für das Meniskus-Hinterhorn.

Meniskus-OP Tipp 7: Nicht MRT-Bilder, sondern Menschen behandeln

Die Schmerzen nach einem Riss im Innen- oder Außenmeniskus verbessern sich bei vielen Patienten innerhalb von wenigen Wochen nach dem Auftreten. Überhastet eine Meniskusriss-OP anzuberaumen ist also nicht notwendig. Vor allem dann nicht, wenn:

  • der Knieschmerz sich bessert,
  • eine stabile Situation bezüglich des Risses vorliegt,
  • der Schmerz nicht die Lebensqualität beeinträchtigt,
  • die Kniebewegung gut ist und keine Beeinträchtigung in den alltäglichen Aktivitäten vorliegt.

Es gibt auch Studien, die zeigen, dass ein degenerativer Verschleiß am Meniskus gut konservativ mit physikalischer Therapie behandelt werden kann.

Meniskus-OP Tipp 8: Artefakte im MRT beachten

Ebenso kommt es zu Artefakten in der MRT-Bildgebung bei der Darstellung beiden Menisken. Insbesondere das dorsale Ligamentum transversum (Wrisberg-Ligament) bietet sich zur Verwechslung mit einem Außenmeniskusriss am Hinterhorn an.

In der MRT-Aufnahme muss der Radiologe den Verlauf des Meniskus-Oberschenkelknochen-Band (Ligamenta meniscofemoralia) berücksichtigten, um eine Verwechslung mit dem verlagerten Anteil des Außenmeniskus bei einem Riss desselben zu vermeiden. Mir ist das schon passiert, eine zweite Meinung räumte diese Verwechslung aus.

Mehr Informationen zu verschiedenen Aussagen bei einem MRT- Bild?  >> MRT-Bilder: Fakt oder Fiktion?

Meniskus-OP Tipp 9: Kreuzbandverletzung und Meniskusriss

Viele Patienten richten den Augenmerk bei Kombinationsverletzungen auf den vorderen Kreuzbandriss. Der Meniskusschaden läuft als Begleitverletzung oft nebenher. Doch Studien deuten darauf hin, dass der Meniskus eine weitaus wichtigere Rolle bei der Prävention einer Arthrose im Knie einnimmt als eine vordere Kreuzbandruptur.

Heilung ohne Meniskus-OP ja oder nein

Eine Heilung am Meniskus ohne einen Eingriff funktioniert nur bei einer sehr kleinen Gruppe von Menschen. Die Chance auf eine Heilung ohne Operation sind besser, wenn sich der Riss in der gut durchblutenden Zone im Meniskus befindet und zusätzlich ein vorderer Kreuzbandriss festgestellt wurde.

Ansonsten heilen komplexe Meniskusrisse kaum von alleine und benötigen eine Operation. „Einfache“ Meniskusrisse sind zudem über Klebeverfahren behandelbar.

Die Notwendigkeit für eine Kniearthroskopie mit einer Meniskusnaht ist vor allem gegeben, wenn das Risiko auf erhebliche Folgeschäden groß ist und die Patienten jung und sportlich sehr aktiv sind.

Oftmals leben die meisten Patienten trotzt Meniskusriss und ohne Meniskus-OP nach einiger Zeit weitgehend beschwerdefrei. Insgesamt dauert die „Heilung“ bei einfachen Meniskusrissen (im Sinne von beschwerdefrei) aber einige Monate und kann gezielt mit einer konservativen Behandlung (konservativ mittels Physiotherapie) forciert werden.

Quelle:
[1] Ahn JH, Kwon OJ, Nam TS.: Arthroscopic repair of horizontal meniscal cleavage tears with marrow-stimulating technique. Arthroscopy. 2015 Jan; 31(1):92-8. doi: 10.1016/j.arthro.2014.07.029. Epub 2014 Sep 18
[2] Choi NH, Kim TH, Son KM, Victoroff BN.: Meniscal repair for radial tears of the midbody of the lateral meniscus. Am J Sports Med. 2010 Dec; 38(12):2472-6. doi: 10.1177/0363546510376736. Epub 2010 Sep 8

Comments are closed.