Läuferknie läuft nicht mehr – Runners Knee

0

Die Zunahme an Laufsportlern, vor allem im (Halb-)Marathon, hat in den vergangenen Jahren zu einem Anstieg von typischen, belastungsabhängigen Kniebeschwerden geführt. Derzeit liegt die geschätzte Verletzungsrate bei Läufern etwa bei 30 Prozent. Eine typische Knieverletzung bei Laufsportlern ist das Läuferknie (engl. Runners Knee oder Runner´s Knee).

Anatomie Tractus iliotibialis

Anatomie - Läuferknie rechts

Anatomie – Läuferknie rechts | Foto: knie-marathon.de

Das Läuferknie bezeichnet die schmerzhafte Reizung des Schleimbeutels an der Außenseite des Kniegelenks. Der betroffene Schleimbeutel liegt zwischen dem Tractus iliotibialis und der etwas vorstehenden äußeren Oberschenkelrolle (lateralen Femurcondylus). Der Tractus iliotibialis ist ein Faszienstreifen, das heißt eine breite sehnenartige Hülle auf den Muskeln. Sie stützt an der Außenseite des Oberschenkels die Muskulatur und zieht vom Darmbeinkamm nach unten zum Schienbeinkopf (Tibiakopf).

Der Schleimbeutel an der Knieaußenseite ermöglicht dem Tractus iliotibialis ein besseres Gleiten entlang der Oberschenkelrolle bei jeder Kniebeugung.

Das iliotibial-Band (ITB) stabilisiert das Kniegelenk und dient gleichzeitig als Puffer für die Stoßbelastungen beim Laufen. Eine zu starke Dehnung oder Beanspruchung, wie es durch einmalige ungewohnte Bewegungen, sportliche Überlastungen oder Fußfehlstellungen geschehen kann, führt dazu, dass das ITB außen gegen Kniegelenk und/oder Hüfte reibt.

Deshalb wird auch der Name „Scheuersyndrom“ verwendet.

Weitere Synonyme in der medizinischen Fachsprache für das Läuferknie sind iliotibiales Bandsyndrom (ITB-Syndrom, ITBS), Tractus-iliotibialis-Syndrom, Tractussyndrom, Tractus-iliotibialis-Scheuersyndrom oder Runners Knee. Der anglo-amerikanische Sprachraum hingegen unterscheidet zwischen dem Runner’s Knee (Chondromalacia patellae) und dem Iliotibial-Band-Syndrome.

Ursache Läuferknie

Das Läuferknie ist ein weitverbreitetes Schmerzsyndrom. Es tritt bei Überbeanspruchung des Bewegungsapparates vor allem bei Langstreckenläufern, Joggern aber auch Radfahrern auf.

Beim Joggen tritt der Schmerz oft erst ab einer gewissen Laufdistanz auf. Vorher toleriert der Körper das ständige Reiben der Sehnen-Platte am Oberschenkelknochen. Ein Abbruch des Laufs lindert die Beschwerden. Besonders bei Langstrecken- oder Marathon-Läufer führt die ständige Reibung zu Überlastungen und Reizzuständen der Knochenhaut (Periost) und des Schleimbeutels (Bursa).

Das ständige und häufige Beugen des Knies mit gleichzeitig hohem Druck durch den Tractus iliotibialis auf den Schleimbeutel lässt ihn schmerzhaft anschwellen bis er sich entzündet, ggf. anschwillt.

Dabei reicht eine einmalige ungewohnte Überlastung oder eine dauerhaft zu hohe Belastung aus. Liegen zusätzlich O-Beine, Knick-Senkfüße oder die Tendenz den äußeren Fußrand beim Joggen anzuheben vor, verstärkt sich der Druck auf den Schleimbeutel zusätzlich. Unter Umständen führen auch unterschiedliche Beinlängen zu einem Beckenschiefstand, was wiederum zu einer einseitig verstärkten Anspannung des Tractus führt.

Die Ursache für den erhöhten Spannungszustand ist häufig nicht allein im Tractus iliotibialis selbst, sondern in auch den in ihn einstrahlenden muskulären Strukturen zu suchen. Der M. gluteus maximus und M. tensor fascie latae sind ebenfalls für den Spannungszustand des Tractus Iliotibialis verantwortlich.

Diese Funktionsstörung äußert sich in Form einer erhöhten Grundspannung und ggf. in einer muskulären Dysbalance.

Eine weitere Ursache ist eine Verkürzung des M. tensor fasciae latae (Schenkelbindenspanners). Der Schenkelbinderspanner strahlt zusammen mit dem großen Gesäßmuskel direkt in den Tractus iliotibialis ein. Der verkürzte Muskel erhöht ebenfalls den Zug auf die Sehnenplatte.

Patienten, die unter einem Läuferknie leiden, sollten neben dem Tractus iliotibialis auch den M. gluteus maximus und den M. Tensor fasiza latae in die Behandlung einbeziehen.

Ein weiterer Grund für die Kniebeschwerden kann die Überpronation (starke Einwärtsdrehung) des Fußes beim Joggen sein. Übermäßiges Einknicken des Fußes während der Laufbewegung führt durch das Zusammenspiel von Fuß-und Beinmuskulatur zu einem erhöhten Zug auf den Ansatz des Tractus iliotibialis am Schienbein.

Ebenso sind Crossläufe oder Waldläufe auf unebenem Gelände ein häufiger Auslöser für ein Läuferknie. Der ungewohnte Untergrund erfordert eine hohe reaktive Anpassungsfähigkeit der gesamten stabilisierenden Becken- und Beinmuskulatur. Bei Untrainierten Läufern kommt es in Folge zu starker Dehnung zu Reizzuständen.

Eine Schwäche in den Muskeln zur Beckenstabilisation ist auch eine mögliche Ursache, die ein Läuferknie provozieren kann, da beim Laufen das Becken zu stark nach unten kippt..

Symptome Läuferknie

Beim Runners Knee treten während oder nach dem Laufen Schmerzen an der Knieaußenseite auf. In drastischen Fällen kommt es beim Läuferknie zu einer sichtbaren Schwellung, Rötung und Überwärmung.

Manchmal ist auch ein Knarren, Knacken oder Knistern, über der äußeren Oberschenkelrolle zu hören. Die Geräusche gehen vom gereizten Gewebe aus, diese Region ist meist auch druckempfindlich.

Klinisch äußert sich das ITB-Syndrom in belastungsabhängigen Beschwerden, die zum Beispiel auch beim Treppensteigen, Radfahren oder ständigen Kniebeugungen deutlich zunehmen. In Streckstellung treten meist keine Schmerzen auf.

Diagnostik von ITBS

Die Diagnose des Tractus iliotibialis-Syndroms ergibt sich aus dem Gespräch und der körperlichen Untersuchung. Letztlich entscheidend ist der Druckschmerz an der Kniegelenksaußenseite auf den entzündeten Schleimbeutel. Oft reicht eine Tastuntersuchung von Beinen und Kniegelenke aus. Der Arzt achtet auf Fehlstellungen der Beinachsen, Hüfte und Becken.

Der Druckschmerz lässt sich auf der Knieaußenseite lokalisieren. Der Schmerzpunkt liegt oberhalb vom Wadenbeinköpfchen (Fibulaköpfchen) und etwas über dem inneren Gelenkspalt entlang des Tractus iliotibalis. Diagnostisch abzugrenzen, ist eine Sehnenansatzentzündung des M. biceps femoris, ein Schaden am Außenmeniskus oder ein Meniskusganglion.

Der Ober-Test gibt Hinweise auf die Dehnbarkeit des Tractus iliotibialis. Bei einer Verkürzung ist die in dem Test die Adduktion eingeschränkt.

Die Bildgebende Diagnostik beim Läuferknie dient in erster Linie dazu, die anhaltenden funktionellen Kniebeschwerden von anderen Knieverletzungen abzugrenzen:

  • Röntgenbild: Schleimbeutel sind im Röntgen nicht darstellbar.
  • Ultraschall: Mit Hilfe der Ultraschalluntersuchung ist manchmal ein geschwollener mit Flüssigkeit gefüllter Schleimbeutel sichtbar.
  • Kernspintomografie (MRT): Im MRT ist der gereizte Schleimbeutel deutlich darstellbar.

Therapie und Behandlung Runners Knee

In den meisten Fällen reicht eine konservative Therapie beim Läuferknie aus. Das ITB-Syndrom ist eine Reaktion auf eine Überlastungssituation. Deshalb müssen alle Tätigkeiten bzw. Sportarten, die ein häufiges Beugen oder Strecken des Kniegelenks zur Folge haben, erstmal vermieden werden.

Im akuten Stadium helfen Kältetherapie (Kyrotherapie), Quarkwickel oder entzündungshemmende Salben bzw. Tabletten (Diclofenac). Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind: Ultraschalltherapie, Elektrotherapie, Lasertherapie, Schuheinlagen, Physiotherapie mit Friktionsbehandlung. Auch ein Kinesio-Tape im Verlauf des Faserzugs Tractus iliotibialis kann bei einem ITBS hilfreich sein.

Schonzeit und Dauer Läuferknie

Die Prognose für die konservative Behandlung eines Läuferknies ist gut. Nach etwa 3 bis 6 Wochen Schonzeit kann der Sportler langsam wieder in das Lauf-Training (keine Bergabläufe) einsteigen. Als Präventionsmaßnahmen gelten die Optimierung des Laufstils, das Vermeidung von Laufstil-Fehlern sowie das Dehnen des Tractus iliotibialis.

Dehnübungen gegen das Läuferknie

Läuferknie Dehnübung Tractus

Läuferknie Dehnübung Tractus | Foto: knie-marathon.de

Laufsportler sollten generell für ein ausgeglichenes Training sorgen. Neben dem Lauftraining sind Kräftigungs- und Stabilisationsübungen sowie Dehnübungen (Stretching) sinnvoll.

Das Dehnen der Bänder und Sehnen an der Beinaußenseite reduziert den Druck auf den betroffenen Schleimbeutel. Es gibt eine Vielzahl von Dehnübungen, die ein erneutes Läuferknie vorbeugen. Eine effektive Übung zur Prävention des Läuferknies ist folgende:

Ausgangsstellung: Das rechte Bein über Kreuz nach hinten stellen und das Körpergewicht auf das linke Bein verlagern. Nun den Oberkörper nach links neigen und mit der Hüfte in die entgegengesetzte Richtung drücken.

Ausführung: Der rechte Fuß bleibt am Boden verankert, gleichzeitig das linke Knie leicht beugen. Die Dehnung des ITB-Muskels ist jetzt, in der rechten Hüfte und entlang der rechten Schenkelaußenseite zu spüren. Verstärken lässt sich die Dehnung, wenn zusätzlich mit den Händen hinter dem Kopf nach links gezogen wird. Diese Position für 30 Sekunden halten. Entspannen und die Seite wechseln.

Knieschmerzen im Bereich unterhalb der Patellarsehne (Kniescheibe), dann ist dieser Beitrag „Springerknie“ interessant.

Teilen:

Comments are closed.