15 Fehler, wenn nach Kreuzband-OP Komplikationen auftreten

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Mir tut mein operiertes Kniegelenk immer noch weh, obwohl die Kreuzband-OP schon längst vorbei ist. Inzwischen frage ich mich öfters: „Sind meine Kniebeschwerden noch normal oder muss ich mir Sorgen machen?“ oder „Ist bei meiner Kreuzbandriss-OP etwas schief gelaufen ist?“ Ertappst du dich manchmal bei ähnlichen Gedanken? Dann beendet dieser Beitrag hoffentlich dein Grübeln, und veranlasst dich gleichzeitig zum Handeln.

Denn dieser Beitrag stellt die häufigsten Ursachen und Gründe für Komplikationen und Probleme nach einer vorderen Kreuzband-OP vor. Und soll dir zu einer ersten Einschätzung deiner Knieprobleme nach der OP verhelfen, wobei dieser Artikel nicht den Arztbesuch ersetzt.

Was bedeuten Komplikationen nach Kreuzband-OP?

Als Komplikationen bezeichnen Mediziner eine unerwünschte Folge einer Krankheit, eines Unfalls, eines operativen Eingriffs oder eines Medikaments, die nicht im engeren Sinn zum Krankheitsbild gehören. Kurzum eine Schwierigkeit oder eine plötzlich auftretende Verschlimmerung deines Zustandes im Zusammenhang mit der zurückliegenden Knie-OP.

Komplikationen nach einer vorderen Kreuzband-OP sind keine Einzelfälle. Etwa 15 bis 20 % aller Patienten leiden länger als vorausgesehen unter den Folgen ihrer vorderen Kreuzband-OP. Einige davon müssen aufgrund der Schwere der Komplikationen erneut „unters Messer“ (lat. Revision).

Was bedeutet Revision nach einer vorderen Kreuzband-OP?

Unter dem Ausdruck Revisionseingriff versteht man Folge-, Wechsel- oder Korrekturoperationen nach der ersten Kreuzband-OP (sogenannter Primäreingriff). Keine Sorge, nicht jede Komplikation bedeutet einen erneuten operativen Eingriff im Kniegelenk.

Was heißt frühe und späte Komplikationen nach vorderer Kreuzband-OP?

Mediziner unterscheiden in frühe, also unmittelbar nach der Kreuzbandriss-OP auftretende Komplikationen und den späten Problembereichen.

Frühe Komplikationen nach der Knie-OP

Allgemeine frühe Risiken bei Knieoperationen sind Wundheilungsstörungen, eine bakterielle Infektion des Kniegelenkes oder eine Thrombose im Bein. Auch bei Einhaltung aller erdenklichen Sicherheitsmaßnahmen sind diese Risiken grundsätzlich nicht auszuschließen. Aber verglichen mit den späten Komplikationen ist deren Auftretenswahrscheinlichkeit eher gering.

Spätfolgen nach der ersten Kreuzbandriss-OP

Die späten Komplikationen sind eine verbleibende Restinstabilität des Kniegelenkes oder eine bleibende Bewegungseinschränkung, d. h. eine fehlende volle Streck- oder Beugefähigkeit des Kniegelenkes oder Unverträglichkeitsreaktionen mit Knochenerweichungen.

15 Fehler: Was alles bei einer Kreuzbandriss-OP schief läuft? 

Im Folgenden beschreibe ich dir 15 Komplikationen nach dem ersten Kreuzbandersatzeingriff, die erst mit der Zeit deutlich werden. In der Regel werden diese Probleme nicht so schnell entdeckt. Patienten „irren“ häufiger umher, weil oftmals die unzureichende Kreuzband-Reha bzw. Nachbehandlung als Ursache ausgemacht wird. An diesem Punkt „beißt sich die Katze in den Schwanz“. Wer unter Schmerzen leidet, ist nicht in der Lage eine „normale“ Reha zu durchlaufen, weil ständige Rückschläge und Beschwerden auftreten, deren Ursachen geklärt werden müssen. Deshalb lass dich bitte bei anhaltenden und ungewöhnlichen Kniebeschwerden nach eine VKB-Plastik nicht mit einem neuen Physio-Rezept „abspeisen“.

Mechanisch störende Implantate im Kniegelenk

Der Operateur verwendet zur Fixierung der Sehne in Abhängigkeit der Operationsmethode unterschiedliche Implantate (Fixationsschrauben, Pins, Endobuttons usw.). Die Implantate sind zum Teil resorbierbar oder verbleiben ewig im Körper, sofern sie in einer zweiten OP nicht entfernt werden. Üblich ist eine Metallentfernung nach einer Kreuzband-OP nicht.

Die Interferenzschrauben bestehen aus Titan (nicht resorbierbar), Polylactid, oder Tricalziumphosphat. Sie alle können nach der Operation mechanisch stören. Denn die umgebenen Weichteile im Kniegelenk sind von diesen Implantaten zunächst irritiert.

Dies ist besonders der Fall, wenn ein Implantat nicht vollständig im Knochen versenkt wurde oder unmittelbar unter einer Sehne (z.B. unter dem sog. Tractus iliotibialis) liegt. Dann gleitet die Sehne nicht mehr reibungsfrei über das Implantat und „scheuert“. Das die Weichteile zunächst kurz nach der Kreuzband-OP schmerzen ist völlig normal.

Ragen hingegen die Implantate direkt in das Kniegelenk hinein besteht die Gefahr, dass sie den Bewegungsablauf behindern und zu einer vermehrten Vernarbung führen. Alle bei dir verwendeten Implantate stehen einzeln aufgelistet in aller Regel im Operationsbericht.

Im Vorgespräch besteht die Möglichkeit sich beim Chirurgen zu erkundigen, welche Implantate er bevorzugt. Je kleiner die Implantate sind, desto seltener stören sie. Es gibt auch Kreuzband OP-Techniken, die komplett auf Fremdimplantate verzichten („All-press-fit“).

Abstoßungsreaktionen auf Knie-Implantate

Oft verwenden Chirurgen auflösende (resorbierbare) Implantate. Diese sogenannten „Bioschrauben“ oder „Zuckerschrauben“ verbleiben im Knochen. Laut Hersteller Angaben lösen sich diese selbstauflösenden Fremdimplantate etwa einem Jahr auf bzw. wandeln sich langfristig in Knochen um. In der Praxis ist dies nicht immer der Fall. Manchmal tauchen die verwendeten Bioschrauben noch zwei Jahre nach der OP in der MRT-Aufnahme auf.

Eine weitere Komplikation besteht darin, dass sich die Zuckerschraube zwar auflöst aber sich dabei eine Art „Grieß“ verwandelt. Dieser „Grieß“ rieselt aus dem Bohrkanal heraus und wirkt im Kniegelenk wie Schleifpapier. Die winzigen Körner reiben zwischen den Knorpelflächen – der quasi vorprogrammierte Knorpelschaden.

Biologisch abbaubare Materialien haben aber auch viele Vorteile. So können sie beim Revisionseingriff leichter überbohrt werden, d.h. es muss vorher kein störendes Metall im Kniegelenk entfernt werden. Auch entfällt der Knochendefekt nach der Metallentfernung. Ebenso stören keine Artefakte bei späteren MRT-Untersuchen.

MRT-Artefakte nach Kreuzband-OP

MRT-Artefakte nach Kreuzband-OP | Foto: knie-marathon.de

Wie du meiner MRT-Aufnahme sehen kannst, sieht mein Kniegelenk aufgrund der vielen Knieimplantate etwas „gestört“ aus. Grundsätzlich muss man wissen, dass sowohl Titan-Schrauben als auch Bioschrauben Stoffe nach der Knie-OP in den Körper absondern.

Der Nachteil dieser vollständig resorbierbaren Implantate liegt also darin, dass es in seltenen Fällen zu Abstoßungsreaktionen kommt. Durch den Abbauprozess der Bioschrauben setzen sich Stoffe frei, die bei einer Abstoßungsreaktion (Allergie) den Knochen um das Implantat herum „aufweichen“. Der Knochen ist an dieser Stelle weniger belastbar und sehr druckempfindlich (Stichwort: Knochenentzündung).

Mein Körper hat in der Vergangenheit auf einige dieser Abbauprodukte von Bioschrauben reagiert. Denn in meinem Kniegelenk wurden bei einer Kniegelenksarthroskopie körpereigene Zellen gefunden, die da nicht hingehören. Diese Zellen wurden anschließend histologisch untersucht. Das Ergebnis war, dass dieser Zelltyp auf eine allergische Reaktion hindeutet.

Ich habe in Folge auf Titanschrauben gesetzt, die sogenannten „Fresszellen“ verschwanden. Ähnliche Symptome können natürlich auch bei einer Metallallergie entstehen, wobei hier insbesondere auf lokale Hautveränderungen zu achten ist.

Fremdimplantat ragt in den Kniegelenksspalt

Die bioresorbierbare Interferenzschraube (engl. Bio-Screws) löst sich nicht oder nur teilweise im Knochen auf. Manchmal „rutscht“ die nicht aufgelöste Zuckerschraube oder ein Fremdimplantat etwas aus dem Bohrkanal heraus und ragt anschließend ein Stück in den Kniegelenkspalt hinein.

Im ungünstigen Fall gefährdet das nicht vollständig abgebaute biologische Fremdmaterial, die umgebende Struktur im Knie – dann muss der Schraubenüberstand operativ entfernt werden.

Die meisten Kreuzbandrisse sind Folgen eines Traumas. Das Kniegelenk wird bei dem Unfall verrenkt, der Knochen geprellt bzw. gequetscht. Damit entsteht eine Knorpel-Knochen Prellung („Bon Bruise“ oder „Knochenmarksödem“).

Häufig am äußersten Ende des außenseitigen hinteren Oberschenkels sowie am hinteren oberen äußeren Schienbeinkopf. Den Bon Bruise erkennt der Radiologe im MRT als eine Ansammlung von Blut und/oder Flüssigkeit im Knochen. In der Regel heilen Knochenmarksödeme folgenlos aus.

War jedoch die Krafteinwirkung bei deinem Unfall sehr hoch, kommt es vor, dass bleibende Schäden am Knochen oder Knorpel die Folge sind. Diese gehören ebenfalls operativ versorgt. Mehr dazu „operative Versorgung von Knorpelschäden„.

Fehlplatzierung des vorderen Kreuzbandes

Das eine vordere Kreuzbandplastik nach der ersten OP nicht richtig „sitzt“, gehört zu den häufigeren Komplikationen.

Ein fehlplatziertes oder nicht optimal verlaufendes vorderen Kreuzband äußert sich durch eine anhaltende Bewegungseinschränkung (Beugung oder Streckung). In diesem Fall bringt auch eine intensive Physiotherapie keinen nachhaltigen Erfolg.

Das Sehnentransplantat (= Kreuzbandplastik) reibt dabei in einer zu eng angelegten Notch. Als Notch wird der gebohrte Tunnel zwischen den zwei Oberschenkelrollen bezeichnet, in dem das Kreuzband-Transplantat verläuft. Eine zu enge Notch zeigt sich oft in einem Schnappen im Kniegelenk.

Dieser ständige Reiz führt bei jeder Kniebewegung zu einem Scheuern am Knochen. Der Knochen reagiert mit permanenten Entzündungen und damit verbunden natürlich Schmerzen.

In diesem Fall hilft nur ein erneuter operativer Eingriff am Kreuzband. Die enge Notch wird vergrößert und das Kreuzband von Fransen gesäubert, so dass es nicht mehr „anschlägt“.

Fehlplatzierte Bohrkanäle nach einer Kreuzband OP

Auch in diesem Fall „sitzt“ die neue vordere Kreuzbandplastik schlecht, weil die Bohrkanäle während der Operation falsch angelegt wurden. Die fehlplatzierten Bohrlöcher führen dazu, dass ebenfalls der vordere Kreuzbandersatz an der Notch reibt. Manchmal sitzt das Kreuzband zu locker oder eben zu straff.

In diesem Fall hilft nur eine komplette neue Platzierung des Kreuzbandes. In der Regel ein zweizeitiger Eingriff – die Kreuzband-Revision.

Tunnelerweiterung nach Kreuzbandriss-OP

Bei der Bohrkanalerweiterung handelt es sich um ein Phänomen, das innerhalb der ersten sechs bis acht Wochen nach der Kreuzband-OP auftritt. Innerhalb der ersten sechs Wochen kommt es gewöhnlich zu einer erheblichen Zunahme der Tunnelquerschnitte, die im Laufe der Zeit wieder abnimmt. Nach drei Monaten ist eine deutliche Abnahme der verbreiterten Bohrkanäle im MRT sichtbar. Gelegentlich tritt nach drei Jahren erneut eine Zunahme im Querschnitt auf.

Bohrkanalerweiterungen können vielfältige mechanische aber auch biologische Ursachen haben. Eine klare Trennung ist schwierig, da mechanische Reize auch immer zu biologischen Veränderungen führen und umgekehrt:

Nicht ausgeheilter Bon Bruise nach Kreuzbandriss Trauma

Die meisten Kreuzbandrisse sind Folgen eines Traumas. Das Kniegelenk wird bei dem Unfall verrenkt, der Knochen geprellt bzw. gequetscht. Es entsteht eine Knorpel-Knochen Prellung („Bon Bruise“ oder „Knochenmarksödem“). Häufig am äußersten Ende des außenseitigen hinteren Oberschenkels sowie am hinteren oberen äußeren Schienbeinkopf. Den Bon Bruise erkennt der Radiologe im MRT als eine Ansammlung von Blut und/oder Flüssigkeit im Knochen. In der Regel heilen Knochenmarksödeme folgenlos aus. War die Krafteinwirkung durch den Unfall aber sehr hoch, kommt es vor, dass bleibende Schäden am Knochen oder Knorpel die Folge sind, die ebenfalls operativ versorgt gehören. Mehr dazu „operative Versorgung von Knorpelschäden„.

Zyklops nach Kreuzband-OP

Beim Zyklopssyndrom kommt es zu einer überschießenden Narbenbildung im Bereich der Notch mit einem resultierenden Streckdefizit. Ich selber hatte schon mehrfach einen Zyklops am Kreuzband ohne ein Streckdefizit dafür aber Probleme mit der Beugung. Der Zyklops kann auch erst Monate nach der Kreuzband-OP entstehen. Die Ursache für die Entstehung des Kreuzband-Zyklops (engl. Cyclops) ist noch nicht eindeutig geklärt.

Plica-Syndrom nach vorderer Kreuzband-OP

Im Kniegelenk gibt es drei Plica-Schleimhautfalten. Die Synovialfalten dienen der Aufhängung der Kniegelenkkapsel. Durch eine Knieverletzung oder Überbelastung verdicken bzw. vernarben diese Schleimhautfalten. In der Folge führt das Plica-Syndrom (oder Plika-Syndrom) zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Da die Synovialfalten fast am Oberschenkelknochen anliegen, verursachen diese entzündeten Schleimhautfalten ein typisches Schnappphänomen beim Beugen oder Strecken des Knies. Das sogenannte „Schnapp-Phänomen“ führt langfristig zu einer Knorpelschädigung bedingt durch das ständige Reiben der Plica über die Knorpelfläche. Helfen dem Patienten weder Schonung noch entzündungshemmende Medikamente muss das störende Gewebe in einer Kniespieglung (ASK) entfernt werden.

Symptome Plicasyndrom nach Kreuzband-OP:

  • „Knarren“, „Schnappen“ oder „Knacksen“ des Kniegelenks während der Beugung
  • Schmerzen bei Belastung, besonders an der Innen- oder Rückseite der Kniescheibe (Patella)
  • Blockadegefühl bei der Streckbewegung
  • „Steifes“ Knie nach langem Sitzen.

Arthrofibrose nach Kreuzband-OP

Die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung einer Arthrofibrose liegt bei 11 – 29 % nach einer VKB-Plastik [1]. Die Arthrofibrose ist somit eine häufige und vor allem gefürchtete Komplikation nach Kreuzbandoperationen. Eine Gelenkserkrankung deren Ätiologie noch nicht vollständig geklärt. Die Patienten leiden an einer mehr oder minder starken, teilweise sehr schmerzhaften Bewegungseinschränkung im Kniegelenk.

Einschränkungen in der Kniebewegung

Durch ein bestehendes Streckdefizit kommt es regelmäßig zu einer Überlastung des Gleitlagers zwischen Oberschenkel und der Kniescheibe. Die Patella wird bei gebeugtem und belastetem Kniegelenk durch die Zugrichtung des M. Quadrizeps und der Kniescheibensehne zu stark an den Oberschenkel gepresst. Erst bei vollständig gestrecktem Kniegelenk wirkt keine Reibungskraft mehr und der Patient spürt nachlassende Schmerzen unterhalb der Kniescheibe.

Beugedefizite verursachen ein „unrundes“ Gangbild z.B. beim Treppensteigen, wodurch entfernter liegende Strukturen wie das Hüft- oder Sprunggelenk mit der Zeit überlastet werden.

Übersehene Schäden anderer Bänder oder Menisken

Isolierte Rupturen des äußeren Seitenbands sind seltene Knieverletzungen. Meistens reißt das laterale Seitenband bei Varus-Innenrotationstraumen kombiniert mit dem vorderen oder hinteren Kreuzband. Da das äußere Seitenband gemeinsam mit dem Tractus iliotibialis, dem Musculus biceps femoris, dem lateralen Kapselband und der Popliteussehne einen funktionellen Komplex bildet. Reißt eines dieser Bänder zieht das eine Läsionen (Riss) des gesamten Komplexes nach sich.

Ein Meniskuseinriss reizt das Gelenk meist biomechanisch, indem sich ein Meniskuslappen zwischen Ober- und Unterschenkelknochen einklemmt und hier eine kurzzeitige Blockierung auslöst. Umgeschlagene Meniskuslappen können auch die anliegende Kniegelenkkapsel langfristig irritieren.

Elongation des vorderen Kreuzbandes

Ebenso kommt vor, dass eine dieser Begleitverletzung, z.B. die Popliteussehne oder das anterolaterale Ligament (ALL) in der Kreuzband-OP übersehen wird. Dann bleibt das operierte Kniegelenk anhaltend instabil (bzw. elongiert) trotz intaktem Außenband und wiederhergestellten Kreuzbändern.

Eine elongierte (= ausgeleierte) vordere Kreuzbandersatzplastik ist zu lang. Durch das ständige hin und her Schlackern an der Notch, wird ebenso ein Zyklops an der Kreuzbandplastik begünstigt.

Kein Einwachsen der Kreuzbandplastik nach Kreuzband-OP

Die Kreuzbandplastik wächst einfach nicht richtig in den Bohrkanälen fest. Sind keine feststellbaren mechanischen Probleme dafür verantwortlich, beschreibt die Literatur keine weiteren eindeutigen Ursachen.

Beschwerden an der Entnahmestelle der Sehne

Diese kommen häufiger vor, wenn die Kniescheibensehne (Patellarsehne) als Transplantat verwendet wird. In dieser Knie-OP wird ein kleiner Knochenblock jeweils aus der Kniescheibe und aus dem Unterschenkel herausgesägt, an denen dann die Kniescheibensehne hängt.

Durch die Schädigung des Sehnenansatzes kommt es manchmal zu anhaltenden Schmerzen an der Kniescheibenspitze, die insbesondere bei Sprung- und Laufsportarten oder beim Hinknien auftreten.

Um diese Kniebeschwerden zu vermeiden verwenden viele Chirurgen als erste Wahl die Semitendinosussehne als Transplantat. Doch auch die Entnahme der Semitendinosussehne kann, genauso wie die Quadrizepssehne, zu einer spürbaren dauerhaften Muskelschwäche im Bein führen.

Großflächige und tiefsitzende Hämatome (dt. Blutergüsse)

Hämatome oder Blutergüsse, die starke Schmerzen im operierten Bein verursachen und die Beweglichkeit verhindern, können nachhaltige Komplikationen hervorrufen. Der genaue Verlauf von Blutergüssen nach einer Kreuzband-OP inklusiv verbundener Risiken beschreibt der Beitrag: „Bluterguss nach Knie-OP„.

Taube Stellen auf der Haut nach OP

Die Hautnerven sind durch die Knie-OP durchtrennt worden. Das ist normal, wie sonst soll der Chirurg operieren?! Diese tauben Stellen auf der Haut werden mit der Zeit etwas kleiner, verschwinden aber nicht mehr. Also, eine bleibende Erinnerung an den vorderen Kreuzbandriss.

Unzureichend aufgeklärter Patient

Aufgrund der reduzierten Kraft- und Reflexsituation kommt es nicht selten zum erneuten Kreuzbandriss noch während der Reha- bzw. in der frühen Sportphase.

Der Grund, viele Patienten kehren zu früh zu den gewohnten Sportgewohnheiten zurück. Nicht alle Patienten wissen, dass das Transplantat, auch wenn es stabil eingeheilt ist, nach drei bis vier Monaten eine Schwächung durch Umbauvorgänge erfährt.

Wichtig, das neue Kreuzband erreicht seine volle Stabilität erst nach etwa acht bis zwölf Monaten. Wie lange ein Kreuzband wirklich für den Umbauprozess benötigt und wie die Veränderungen sichtbar sind, zeigt das Video – Umbauprozess nach Kreuzband-OP.

Vorgehen bei anhaltenden Kniebeschwerden nach Kreuzbandersatz-OP

Der erste Weg führt zurück zum Operateur. Bringen dessen Untersuchungen keine weiteren Erkenntnisse, solltest du auf jeden Fall eine zweite oder dritte medizinische Meinung einzuholen. Scheue dabei keine Weg zu weier entfernten Kniespezialisten, die selber operieren. Vor allem aber lass dir Zeit bei der Entscheidung, wie du weiter Vorgehen möchtest. Spätestens jetzt solltest du intensive Internetrecherchen tätigen und dich ggf. in Foren und sozialen Medien austauschen.

Hilfreich sind eine gründliche Untersuchung mit Ganganalyse, Stabilitätstestung, Laboruntersuchungen und Muskelfunktionstestung. Ggf. helfen Röntgenbilder, eine Ultraschalluntersuchung aber vor allem eine Kernspintomographie (=MRT) zur Kontrolle.

Tipp: Lass dir immer alle OP- Berichte, MRT-Berichte und Aufnahmen sowie Röntgenbilder aushändigen. Jeder Patient hat ein Recht auf seine Unterlagen (Kostenerstattung pro Kopie). Dieses Vorgehen verhindert Doppeluntersuchungen und spart letztlich wertvolle Zeit und Kosten.

Quelle: [1] U. Bosch (2002): Arthrofibrose, Springer-Verlag Berlin Heidelberg (2002), Zeitschrift: Der Orthopäde, 2002/8
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