Keime im Knie – Symptome einer Infektion nach OP

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Eine bakterielle Infektion oder Keime im Knie ist eine Notfalldiagnose. Anzeichen sind ein plötzlich geschwollenes, gerötetes und stark schmerzendes Knie nach Eingriffen. Die gefürchtete Komplikation kann unabhängig vom Alter und nach jeder Art von Knieoperation auftreten. Unter Keime im Knie wird eine Vielzahl von Bakterien, Viren oder Pilzen verstanden. Am häufigsten (85–95%) wird ein Kniegelenkinfekt durch eine bakterielle Infektion mit Staphylococcus aureus hervorgerufen. Sind Keime im Knie festgestellt, ist die schnelle Therapie und Behandlung der Infektion entscheidend, ansonsten droht die Zerstörung des Kniegelenks.

Möglichkeiten als Patient sein Risiko für Keime im Knie vor, während oder nach einer Knieoperation zu reduzieren, stellt dieser Artikel vor: Infektionen im Kniegelenk – Eigenes Risiko reduzieren.

Gelenkinfekt im Knie nach OP oder Trauma

Der Infekt im Knie umschreibt den Befall des Kniegelenks durch krankheitsauslösenden (pathogene) Erreger und eine damit einhergehende Entzündungsreaktion im Kniegelenk:

  1. Der endogen ausgelöste Kniegelenkinfekt: Die Infektion im Knie erfolgt durch Bakterien, die zur normalen Keimbesiedelung des Menschen gehören. Der Patient trägt also den Erreger oder Keim bereits in sich. Das durch die Knieoperation oder Krankheit geschwächte Immunsystem begünstigt die Infektion im Knie.
  2. Die exogen ausgelöste Kniegelenkinfektion: Die Infektion im Knie erfolgt durch Bakterien, die von außen auf den Körper einwirken. Das können bakterielle oder virale Infektionen sein.

Bei der Einteilung der Infekte im Knie wird unterschieden nach dem Zeitintervall zwischen der Ansteckung und dem Auftreten von Symptomen einer Infektion (akut oder chronisch), dem auslösenden Erreger (Bakterien, Viren, Pilze), der Art der Entstehung (nach Trauma oder OP) und dem pathologischen Befund.

Risiko für Keime im Knie

Keime im Kniegelenk – Symptome einer Infektion nach OP im Knie

Keime im Kniegelenk – Symptome einer Infektion nach OP | Foto: Cornelia Menichelli /pixelio.de

Die Zahl der auftretenden Infekte nach Knieoperationen variieren in Abhängigkeit von der Art der Knie OP, der Zahl der vorangegangenen Operationen sowie dem Operationszeitpunkt.
Nach Implantation einer Knie Prothese kommt es insgesamt, abhängig von der jeweiligen Studie, in 0,3–5% der Fälle zu einem Infekt des Gelenks [1, 2]. Die Mehrzahl der Knie Infektionen tritt innerhalb des ersten Jahres nach Implantation der Knieprothese (TEP) auf [3]. Bei Revisionseingriffen nach Knieprothesen liegt die Infektionsrate bei 1,2–7% [4]. Nach Kniearthroskopien ohne zusätzliche Eingriffe beträgt die Häufigkeit von Infektionen im Knie zwischen 0,01 und 0,5% [5]. Nach vorderer Kreuzbandersatzplastik mittels Arthroskopie beträgt die Komplikationsrate etwa 0,1–1,7% [6, 7]. Eine Kniepunktionen oder eine Spritze in das Knie können ebenfalls eine Gelenkinfektion auslösen. Die Häufigkeit einer Infektion nach einem punktierten Gelenk wird je nach Studie mit einer Auftretungswahrscheinlichkeit von etwa 1:34.000 [8] angegeben.

Krankenhauskeim (MRSA) besonders tückisch für das operierte Knie

Einige der bakteriellen Infektionen können relativ einfach behandelt werden, viele andere bedrohen die Gesundheit ernsthaft. Ein besonderes Risiko in Krankenhäusern ist ein spezieller Stamm von Staphylococcus aureus, der MRSA (methicillin- oder multiresistenter Staphylococcus aureus). Dieser Bakterienstamm unter dem Namen „Krankenhauskeim“ bekannt hat gegen zahlreiche Antibiotika Resistenzen erworben und kann besonders für abwehrgeschwächte Patienten nach Operationen in Krankenhäusern zu einem Gesundheitsrisiko werden.

Die Bakterien vom Typ MRSA besitzen verschiedene Eigenschaften, die es dem menschlichen Immunsystem erschweren, den Erreger effektiv zu bekämpfen. Der Keim überlebt auch bei ungünstigen Umweltbedingungen eine lange Zeit. Die MRSA Bakterien sterben erst bei Temperaturen von über 60 Grad Celsius. Zudem ist der Keim sehr säureresistent und übersteht unbeschadet eine Passage durch den Magen. In trockener Umgebung kann der Bakterienstamm monatelang überleben. Gesunden Menschen schadet der Keim in der Regel nicht. Doch bringen Patienten diesen Keim mit in eine Klinik geht von ihnen selber die größte Gefahr von einer Infektion im Knie aus.
Unbehandelt oder unzureichend therapiert führt der MRSA Keim  zu einer irreversiblen Gelenkszerstörung. Das Vorliegen von MRSA Infektionen erfordert immer ein schnelles und konsequentes Handeln.

Akute Symptome einer Infektion im Knie

Sind die unerwünschten Bakterien, Viren oder Pilze einmal nach einer Knie OP in das Kniegelenk eingedrungen, reduziert sich das Allgemeinbefinden innerhalb von wenigen Tagen drastisch. Entsprechend dem Ausmaß der Symptome und den vorliegenden Kniegelenkschäden werden vier Stadien beschrieben:

Im ersten Stadium ist das Kniegelenk stark geschwollen und es besteht ein Erguss im Knie. Die Haut im Kniebereich glänzt, sie ist überwärmt oder heiß. Das betroffene Kniegelenk wird aufgrund der starken Schmerzen in einer Schonhaltung gehalten. Durch den Erregerangriff beginnt das Absterben gesunder Gewebszellen im Knie. Es bildet sich dadurch zusätzliche Gewebsflüssigkeit, diese sammelt sich in den Gelenksräumen im Knie. Das überflüssige Wasser drückt auf die Knienerven und löst die Schmerzen aus. Der „Angriff“ der Keime lässt zudem giftige Stoffwechselprodukte entstehen, die das Nervensystem nachhaltig reizen. Die Gelenkflüssigkeit (Synovia) sieht bei einer Punktion des Knies trüb aus.

Das zweite Stadium ist ebenfalls durch eine Schwellung, Schmerzen, Rötung und Überwärmung gekennzeichnet. Zusätzlich tritt Fieber in Begleitung von grippeartigen Symptomen, wie Schüttelfrost, Mattigkeit, Kopfschmerzen und häufig auch Muskel- und Gelenkschmerzen auf. Eine Beugung oder Belastung des Kniegelenks ist unter den starken Schmerzen kaum mehr möglich.

Im dritten Stadium nimmt die Rötung des Knies stark zu. Das Allgemeinbefinden ist inzwischen so stark beeinträchtigt, das lebensbedrohliche Körpertemperaturen auftreten können. Es besteht zunehmend Lebensgefahr.

Das vierte Stadium bezeichnet die chronische Kniegelenkentzündung (Arthritis). Neben einer diffusen Weichteilschwellung und einer möglichen Deformierung des Kniegelenks können auch Fistelbildungen oder ausgedehnte Vernarbungen bestehen. Die Gelenkinnenhaut beginnt zu wuchern und überwächst den Knorpel. Erste Zerrstörungen des Gelenkknorpels sind bereits sichtbar. Die Entzündungsparameter sind nicht immer auffällig.

Der zweite Teil des Artikels behandelt die Diagnose einer akuten bakteriellen Infektion, der dritte Teil die Behandlung von Keimen im Knie. Ein weiterer Beitrag zum Thema Gelenksinfektion „Infektion im Knie – Gefahr lauert auch in der Nase.“

Quelle:
[1] Berendt AR, McLardy-Smith P (1999) Prosthetic joint infection. Curr Infect Dis Rep 1:267–272
[2] Militz M, Bühren V (2010) Wechsel infizierter Knie- und Hüftendoprothesen. Chirurg 81(4):310–320
[3] Geipel U, Herrmann M (2004) Das infizierte Implantat. Teil 1. Bakteriologie. Orthopade 33:1411–1428
[4] Stengel D, Bauwens K, Seifert J, Ekkernkamp A (2003) Perioperative antibiotic prophylaxis in clean bone and joint surgery. Operat Orthop Traumatol 15:101–112
[5] Babcock HM, Matava MJ, Fraser V (2002) Postarthroscopy surgical site infections: review of the literature. Clin Infect Dis 34(1):65–71
[6] Kirchhoff C, Braunstein V, Paul J et al (2009) Septic arthritis as a severe complication of elective arthroscopy: clinical management strategies. Patient Saf Surg 3(1):6
[7] Mouzopoulos G, Fotopoulos VC, Tzurbakis M (2009) Septic knee arthritis following ACL reconstruction: a systematic review. Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc 17(9):1033–1042
[8] Anders G (1984) Gelenkpunktionen und intraartikuläre Injektionen in ambulanten orthopädischen Einrichtungen.Beitr Orthop Traumatol 31:419

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