Springerknie springt nicht – Jumpers Knee

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Jumpers Knee (engl.) oder Springerknie bezeichnet eine schmerzhafte Entzündung der Kniescheibensehne. Das Jumper´s Knee entsteht durch Überlastung der Patellarsehne (Kniescheibensehne) bzw. der Quadrizepssehne des Oberschenkelstreckers.

Beim sogenannten Jumper Knee können unterschiedliche Anteile der Patellarsehne betroffen sein:

  1. Am Ursprung der Patellarsehne – Patellarspitze (Kniescheibenspitze).
  2. Der Ansatz der Patellarsehne am Schienbein (Tibia)
  3. Am Ansatz des Quadrizepsmuskels an der Oberkante der Patellar (Kniescheibe).

Bei über 50% der Patienten ist der Sehnenursprung an der Kniescheibenspitze betroffen. Der Mediziner spricht gleichbedeutend vom Patellarspitzensyndrom.

Sport häufige Ursache für das Jumper Knee

Das überlastete Kniescheibenband gehört in die Kategorie der orthopädischen Überlastungssyndrome. Der Sportmediziner spricht von Syndromen bei gleichzeitigem Vorliegen verschiedener Krankheitszeichen, sogenannter Symptome. Für die Diagnose des Jumpers Knee spielt sowohl die Intensität der Kniebeschwerden als auch die Art der Belastung eine entscheidende Rolle.

Anhaltend hohe Belastungen des Knies führen zu kleinen Einrissen oder Verschleiß der Kniescheibensehne sowie an den Sehnenfasern, die in den Knochen eintreten. Insbesondere hervorgerufen wird das Jumper Knee durch exzentrische Maximalbelastungen in Sportarten mit häufigen Absprüngen oder Landungen.

Basketball, Handball, Volleyball, Fußball und andere Ballsportarten, die häufige Antritts- und Stopp-Bewegungen („Stop and Go“) erfordern, belasten manchmal die Patellarsehne über das normale Maß hinaus und es kommt zur Entzündung der Kniescheibensehne. Nicht selten tritt es auf bei Joggern auf.

Die Sehne des Quadrizeps ist bis zu einem Drittel dicker als die Patellarsehne – so werden bei hohen Belastungen im Sport größere Kräfte auf die Kniescheibensehne übertragen, als die Sehne verkraftet. Deshalb sind typischerweise Sportler nach einer Trainingspause oder nach sehr schnellen und intensiven Trainingseinsätzen davon betroffen. Ebenso nimmt das Springerknie in der Altersklasse ab 30 bis 50 Jahre zu, da die Elastizität der Sehnenfasern mit dem Alter abnimmt.

Jumpers Knee bleibt am Boden

Im Verlauf der Erkrankung wandelt sich die Kniescheibensehne von einem straff-elastischen Bindegewebe in ein fettiges und instabiles, teilweise knorpelartiges Gewebe um. Zeitweise entstehen Veränderungen im Gewebe, wie sie bei Entzündungen vorkommen.

Eine anhaltende chronische Überbelastung führt zur Bildung neuer Blutgefäße in der Patellarsehne, neben diesen Neogefäßen bilden sich kleinste Nerven, die möglicherweise die Ursache für die Knieschmerzen sind.

Weitere Ursachen für ein Springerknie sind falsches Schuhwerk, unzureichende Sprungtechniken, Training auf zu hartem Untergrund, Muskel- und Sehnenverkürzungen, Achsenfehlstellungen im Knie oder Fußgelenk. Manchmal auch die Hochstellung der Kniescheibe.

Springerknie Symptome

Jumpers Knee - Symptome beim Springerknie

Jumpers Knee – Symptome Springerknie | Foto: knie-marathon.de

Grad 1: Dosierte Belastung aber noch keine Pause für das Jumper Knee. Die Schmerzen im Kniegelenk treten nur nach dem Training oder nach starken Belastungen auf. Hier helfen Trainingsumstellung und präventive Maßnahmen.

Grad 2: Noch hilft Aufwärmen dem Springerknie. Die Intensität des Knieschmerzes nimmt vor und nach einer sportlichen Betätigung zu. Die stichartigen Schmerzen beginnen meistens am unteren oder oberen Rand der Kniescheibe, selten am Sehnenansatz. Die Kniebeschwerden treten nur zu Beginn einer Belastung oder Bewegung auf, klingen nach wenigen Schritten wieder ab und beginnen bei einer längeren Belastungssituation erneut.

Grad 3: Jumper´s Knee „fordert“ eine Sportpause. Ständiger Knieschmerz bei (sportlicher) Aktivität. Der Schmerz verhindert das Training oder eine Höchstleistung. Hält die Belastung im Kniegelenk an, nehmen Häufigkeit und Intensität der Knieschmerzen zu. Es tritt der sogenannte Ruheschmerz ein. Zunehmend erschweren die Schmerzen die sportlichen Aktivitäten, da sie nicht nur währenddessen, sondern auch längere Zeit danach fortbestehen. Möglicherweise behindern sie auch Bewegungsabläufe im Alltag. Schwellung, Rötung und Überwärmung des Knies sind deutliche Anzeichen für die Überlastungssituation.

Grad 4: Jumpers Knee zwingt zur Ruhe. Ständige Schmerzen im Kniegelenk auch bei alltäglichen Aktivitäten, diese verschlimmern sich unter Umständen noch durch Belastung.

Bei anhaltender Dauerbelastung besteht in seltenen Fällen die Gefahr, dass die Patellarsehne (schmerzlos) reißt. Anschließend verlagert sich die Kniescheibe nach oben, und das Kniegelenk lässt sich nicht mehr gegen Widerstand strecken.

Untersuchung und Diagnose Jumpers Knee

Durch die Schilderung der Kniebeschwerden sowie die vorausgegangene Belastung entsteht eine erste Verdachtsdiagnose. Bei der sich anschließenden orthopädischen Untersuchung prüft der Sportmediziner, ob der Patient bei Druck auf die Patellarsehne (am Ursprung) mit Schmerzen reagiert oder sogar eine Schwellung fühlbar ist.

Verspürt der Patient zudem Schmerzen, wenn er das Knie gegen Widerstand aktiv streckt und bei der Beugestellung nachlässt, weist das auch auf ein Jumpers Knee hin. Weiterhin prüft der Orthopäde die Stellung und Verschiebung der Kniescheibe in ihrem Gleitlager sowie deren Beschaffenheit.

Bildgebende Verfahren beim Springerknie

Röntgen: Dient lediglich der Abklärung von Begleitverletzungen. Die Patellarsehne selber ist im Röntgen nicht darstellbar.

Ultraschall: Im Ultraschall ist die Verdickung der Patellarsehne darstellbar. Diese Untersuchungsmethode eignet sich, um den Verlauf der Erkrankung und deren Heilung zu beobachten. Weniger deutlich ist das Ausmaß der Schädigung. Beispielsweise ist ein Teilabriss der Patellarsehne nur schwer darstellbar.

Kernspintomografie (MRT oder MRI (engl.): In unklaren Fällen (z.B. bei einem Verdacht auf Teilriss der Patella) und bei einem langwierigen Krankheitsverlauf zeigt das MRT bzw. die Kniescheibensehne am deutlichsten die betroffene Sehne im Knie.

Therapie und Behandlung Jumpers Knee

Eine konservative Therapie steht bei einem Jumpers Knee immer im Vordergrund. Die Prognose für das Springerknie ist gut. Die Behandlung erfordert aber Geduld. Leichte Fälle klingen nach wenigen Wochen ab. Schwere Fälle fordern eine monatelange Therapie. In den wenigsten Fällen (etwa 10 Prozent) ist eine Knieoperation notwendig.

Konservative Behandlung Jumpers Knee

Die Behandlung des Springerknies richtet sich nach dem Schweregrad bzw. Phase. Zunächst strebt jeder Mediziner (außer beim Teilabriss oder Riss) eine konservative (nicht-operative) Behandlung an. Im Anfangsstadium lässt sich ein Jumpers Knee mit konservativen Behandlungsmethoden auch noch gut behandeln. Ein fortgeschrittenes oder hartnäckiges Sehnenleiden erfordert häufiger einen operativen Eingriff, ein Riss praktisch immer.

Die wichtigste Maßnahme ist die konsequente Verminderung der Belastung für mehrere Wochen. Für Leistungssportler erarbeiten die Physiotherapeuten Programme, die ein sofortiges Übungstraining unter Schonung der Kniescheibensehne ermöglichen.

Die Reduktion der Belastung hängt vom Verlauf und Grad der Erkrankung ab. Eine erneute Steigerung der Belastung ist nur ratsam, wenn wirklich keine Schmerzen mehr bestehen. Die Entlastungsphase beträgt für einen Sportler in der Regel 4 bis 8 Wochen. Unterstützend erfolgt die Kälteanwendung mit Kältekompressen und Quark-Wickel. Tägliches Kühlen 3 bis 6-mal, etwa 5 bis 10 Minuten. Aufgrund der schmerzhaften Reizung sind Tabletten oder Salben mit dem Wirkstoff Ibuprofen oder Diclofenac einsetzbar.

In vielen Fällen reichen die genannten Maßnahmen aus, um eine anhaltende Beruhigung der Kniebeschwerden zu erreichen.

Weitere konservative Therapie beim Springerknie

Nach dem Rückgang der Beschwerden und in leichten Fällen fördert eine gezielte Physiotherapie den Heilungsverlauf. Transversale Reibetechnischen (Friktionsmassage), Ultraschall, Iontophorese, Reizstrom sowie Magnetfeldbehandlungen sind zusätzliche physikalische Therapiemöglichkeiten. In besonders hartnäckigen Fällen und chronischen Verläufen stellt die Stoßwellentherapie eine weitere Option dar.

In Ausnahmefällen (bei heftigen Schmerzen und zur Vermeidung einer Knieoperation) besteht die Möglichkeit, kortisonhaltige Mittel an die Sehnenansätze zu spritzen. Doch vor diesem Schritt sind sämtliche andere Therapiemöglichkeiten ausschöpfen. Kortison ist zwar ein hochpotentes Mittel gegen Entzündungen, doch es schwächt die Sehnen und kann im Extremfall bei häufigen Anwendungen in kurzen Abständen zu Sehnenrissen führen.

Positiv auf das Jumper Knee wirken sich auch gedämpfte Schuhe oder weiche Absätze (auch Einlagen) aus. Sie reduzieren die Impulsbelastung am Knie und lindern Schmerzen.

Auch der Einsatz von Bandagen können die Symptome von Springerknie reduzieren. Die Zugkräfte an der Unterkante der Kniescheibe lassen sich durch eine Kniebandage oder Klammer (Spange) verringern (siehe Beitragsfoto).

Operative Behandlung des Jumpers Knee

Stellen sich nach drei bis sechs Monaten der konservativen Behandlungen keine wesentlichen Verbesserungen ein, ist die Sehe optisch erheblich verändert oder droht womöglich zu reißen, dann bietet eine Kniearthroskopie eine Möglichkeit die chronischen Knieschmerzen zu verringern. In der Kniespiegelung entfernt der Operateur das gereizte und verschlissene Sehnengewebe. Ist es bereits zum Sehnenabriss, in Folge eines ausgeprägten Jumpers Knee gekommen, wird in einer Gelenkspiegelung die Sehne wieder zusammen genäht. Im Anschluss an die Knieoperation muss der Patient maximal fünf Tage sein Knie mit Unterarmgehstützen entlasten. Anschließend folgt etwa sechs Wochen eine muskuläre Aufbauphase mit Physiotherapie. Mit dem Kraft- und Lauftraining sollte frühestens zwei Monate nach der Knie-OP begonnen werden. Das Sprungtraining muss etwa vier Monate warten. Die volle Sportfähigkeit dauert im Minimum drei bis sechs Monate.

Prävention unabhängig vom Stadium des Springerknies

Ist die schmerzhafte Knieverletzung überwunden, gehören zur Prophylaxe eines Jumpers Knee´s folgende Punkte:

  • Langsame Steigerung von Trainingsumfang und –intensität
  • Training zur Stärkung des Quadrizeps, der Hüftabduktoren einschließlich Bauchmuskeln und Wadenmuskeln
  • Verminderung von hohen Trainingsbelastungen – vor allem Sprungübungen
  • Intensives Aufwärmen vor jedem Training
  • Eigene Absprungtechnik optimieren
  • Verteilung der Sprünge gleichmäßig über die gesamte Trainingszeit
  • Vermeidung von Sport auf harten Untergrund
  • Sport- und Laufschuhe mit Dämpfung
  • Übungsprogramm zur Kräftigung der Beinmuskulatur
  • Dehnübungen für die Oberschenkelmuskulatur
  • Vermeidung von Übergewicht
  • Korrekte Satteleinstellung beim Radfahren.

Schmerzen eher beim Laufen an der Knieaußenseite, dann ist der Beitrag „Läuferknie“ von Bedeutung.

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