Hyaluronsäure: Was bewirkt die Spritze mit Gelenkschmiere im Knie?

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Hyaluronsäure – Pro und Contra bei der Behandlung von Arthrose im Gelenk. Viele vor allem ältere Menschen leiden unter Schmerzen im Kniegelenk. Die Beschwerden treten nicht nur bei Belastung, sondern im Alltag oder sogar während den Ruhephasen auf. Das Knie ist eines der am häufigsten von degenerativen Veränderungen betroffenen Gelenke im menschlichen Körper. Im Kampf gegen die Knieschmerzen verspricht das Spritzen von Hyaluronsäure scheinbar Erfolg. Doch wirkt eine Hyaluron Injektion und baut sie den angegriffenen Knieknorpel wieder auf? Der Artikel fasst die Wirkungsweise zusammen und hilft bei der Entscheidung pro oder contra Hyaluronsäure.

Gelenkverschleiß verursacht oft Kniebeschwerden

Arthrose im Kniegelenk beeinflusst das körperliche und seelische Wohlbefinden und damit die Lebensqualität. Die Kniegelenksarthrose ist eine Verschleißerkrankung die im fortgeschrittenen Alter auftritt. Die Gelenkknorpel reiben langsam aufeinander und nützen sich ab bis im Endstadium die Knochen schmerzhaft aufeinander scheuern. Im Verlauf der Arthrose Erkrankung  verliert das Kniegelenk immer mehr an der natürlichen Gelenkschmiere und wird nicht zuletzt durch diesen Verlust steif. Das Knorpelgewebe im Kniegelenk wird selber nicht durch Blutgefäße versorgt. Der Knorpel bekommt seine Ernährungsstoffe über die bereit gestellte Gelenkschmiere (Synovialflüssigkeit). Diese Ernährungsfunktion ist aufgrund des reduzierten Anteils von Hyaluron bei der Arthrose nachhaltig gestört. Eine Injektion mit künstlich hergestellter Hyaluronsäure soll die Arthrose Beschwerden lindern indem der Mangel ausglichen wird.

Hyaluronsäure schmiert das Kniegelenk

Die Hyaluronsäure ist Hauptbestandteil der Kniegelenkflüssigkeit und wirkt als körpereigenes Schmiermittel bei allen Bewegungen im Knie – vergleichbar mit dem Öl auf der Fahrradkette. Hyaluron wirkt Dank ihrer Elastizität stoßdämpfend, bildet eine Schutzschicht und verbessert die Gleitfähigkeit des Knorpels. Letztendlich sorgt die Hyaluronsäure für das reibungslose Zusammenspiel aller wichtigen Bausteine im Kniegelenk. Darüber bindet die gespritzte „Gelenkschmiere“ die feinen Abriebpartikel im Kniegelenk. Dieser „Sand“ im Knie verursacht oft zusätzliche Schäden und beschleunigt den Abrieb. Den geschädigten Knorpel wieder aufbauen kann Hyaluronsäure nicht.

1. Generation: Hyaluronsäure als Injektion mit einem Wirkstoff

Verschiedene Hersteller bieten synthetisch hergestellte Hyaluron-Präparate an. Sie sind in ihrer Wirkung bis auf wenige Ausnahmen vergleichbar. Trotz der künstlichen Herstellung bleibt Hyaluronsäure eine körpereigene Substanz. Die Hyaluronsäure spritzt der Facharzt direkt in das Kniegelenkt. Die Behandlungsdauer variiert je nach Hersteller dieser Fertigspritzen. Es gibt Einmalspritzen und Hyaluron-Präparate, die einmal wöchentlich, über drei bis fünf Behandlungszyklen gespritzt werden. Im Vergleich zur Injektion von Kortison (Kortikosteroiden) setzt die Wirkung der Hyaluronsäure im Kniegelenk nicht sofort ein, sondern nach ca. drei bis zehn Wochen. Der Körper baut die verabreichte Hyaluronsäure mit der Zeit wieder ab. Deshalb muss die Therapie mit Hyaluron nach etwa einem halben Jahr wiederholt werden. Eine Wiederholung der Hyaluronspritzen-Kur ist beliebig oft möglich.

2. Generation: Hyaluronsäure Doppelkammerspritze

Die neuartigen Doppelkammerspritzen aus zwei verschiedenen Hyaluronsäuren bieten laut Hersteller eine bessere Linderung bei Schmerzen im Zusammenhang mit Kniegelenkverschleiß oder einer Gelenkentzündung. Die Hyaluron Dopelkammerspritze beinhaltet zwei Spritzen im Abstand von einer Woche. Angeblich soll der Knorpelabrieb in der Folgezeit kaum weiter voranschreiten. Ob diese Wirkung der Hyaluronsäure tatsächlich eintritt, ist aber bei der gegenwärtigen Studienlage noch ungeklärt. Vor allem die dauerhafte Schmerzfreiheit im Gelenk ist dabei umstritten, obwohl das Kombinationspräparat aus zwei verschiedenen Hyaluronsäuren eine deutlich bessere Wirkung zeigt als die Hyaluronbehandlung der ersten Generation. Manche Ärzte und Kliniken kombinieren die Hyaluron-Therapie noch mit „Plättchenreichem Plasma“ (PRP-Therapie).

Kosten Hyaluronsäure und Krankenversicherung

Die Kosten belaufen sich insgesamt auf etwa 250 bis 350 Euro. Die Preise variieren bei den Ärzten und Herstellern. Ein Vergleich lohnt sich. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht. Private Krankenversicherungen übernehmen die Kostenrückerstattung nicht in jedem Fall. Wer auf der sicheren Seite sein möchte, erkundigt sich im Vorfeld bei seiner privaten Versicherung.

Denn bis heute liegt keine generelle Therapieempfehlung der Arzneimittelkommission vor. Die Hyaluron Präparate sind bis auf wenige Substanzen, als Medizinprodukt und nicht als Medikament in Deutschland gelistet (IGeL-Leistung).

Nebenwirkungen beim Spritzen in das Kniegelenk

Hyaluronsäure Gelenkschmiere für das Knie

Hyaluronsäure Gelenkschmiere für das Knie | Foto: knie-marathon.de

Die Hyaluronsäure selber hat wenig bis kaum Nebenwirkungen. In seltenen Fällen reagieren Patienten überempfindlich oder allergisch auf die Hyaluron Substanz. Bei sachgerechter Injektion sind außerhalb des üblichen Risikos von blauen Flecken, keine besonderen Nebeneffekte zu erwarten. Die Spritze ist wegen des Infektionsrisikos trotzdem keine Lappalie und erfordert eine sachgemäße Anwendung; wie jeder Eingriff in das Kniegelenk. Siehe Artikel: Risiko bei der Kniegelenkspunktion

Hyaluronsäure als Kapseln

Nach der oralen Einnahme von Hyaluron Tabletten verteilt sich die Wirkung der Kapseln im ganzen Körper. Die Konzentration im betroffenen Kniegelenk ist damit viel geringer als bei einer Hyaluronspritze. Dadurch wirst du also keinen durchschlagenden schnellen Erfolg und sofort schmerzfrei werden. Doch als Nahrungsergänzung auf lange Sicht sind Hyaluronkapseln eine weitere Option. Wichtig ist, dass die Hyaluron Kapseln (bestellbar bei Amazon) hochdosiert, fermentiert, vegan und in Deutschland hergestellt sind.

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Hyaluronsäure bei Arthrose

Wenn das Knie und damit der Knorpel stark verschleißen, dann sprechen Orthopäden von: Gonarthrose bzw. Arthrose im Kniegelenk. Um die dabei auftretenden Schmerzen ohne Operation in den Griff zu bekommen, setzen einige Ärzte Hyaluronsäure-Spritzen ein. Doch helfen die Spritzen wirklich die Schmerzen zu beheben?

In den Abbauprozess des Knorpels einzugreifen und das Fortschreiten der Arthrose im Knie aufzuhalten, oder sogar rückgängig zu machen, ist der sehnlichste Wunsch aller Arthrose-Patienten. Doch bis heute stehen keine gesicherten Verfahren oder Medikamente zur Verfügung, die diesen Prozess aufhalten oder umkehren.

Der Schwerpunkt der Arthrose-Behandlung liegt weiterhin auf der Verminderung oder Beseitigung des Schmerzes, der Funktionsverbesserung des betroffenen Kniegelenkes sowie in der Verlangsamung der gelenkzerstörenden Abbauprozesse. Der Wiederaufbau von Knorpelmasse als ein Effekt der Hyaloronsäure wurde bisher wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Damit lindert die Hyaluronsäure bestenfalls die Knieschmerzen, gleicht aber auf keinen Fall den Verlust des Knorpels aus.

Deshalb wirken Hyaluronsäure Spritzen im Sinne von Schmerzreduktion tendenziell bei einer wenig fortgeschrittenen Kniearthrose, wenn der Körper noch selber ausreichend natürliche Gelenkschmiere bildet und der Knorpel noch dick genug ist. Im Umkehrschluss profitieren Patienten mit einer ausgeprägten Arthrose und einer jahrelangen Schmerzsymptomatik weniger von einer Behandlung mit Hyaluronsäure Spritzen.

Eine Metaananalyse zur Wirksamkeit unterschiedlicher Hyaluron Präparate in der Behandlung der Arthrose wurde im Jahr 2012 veröffentlicht. Die Autoren konnten im Wesentlichen die Ergebnisse vorausgehender Studien bestätigen. Es zeigte sich eine Schmerzreduktion unter der Gabe von Hyaluronsäure um etwa 40 bis 50 % innerhalb der ersten drei Monate. Dieses vermeidlich positive Studienergebnis relativiert sich, da auch das Spritzen von Kochsalzlösungen (als Placebo) ebenfalls eine Reduktion der Schmerzen um 30 % verursachte. Auf Grundlage dieser Ergebnisse äußerten die Studienautoren Bedenken, ob durch eine Hyaluronsäure-Behandlung im Vergleich zur Placebo-Gabe überhaupt ein klinisch relevanter Unterschied erreicht werden kann [1].

Entzündungen sind nicht Ursache der Knieschmerzen

Angeblich soll Hyaluronsäure die Entzündungen der Gelenkinnenhaut lindern, die durch winzige, abgelöste Knorpeltstücke zustande kommen und die Schmerzen im Kniegelenk auslösen.

Doch die Entzündungen sind die körpereigenen Reaktionen auf den verschlissenen Knorpel. Der Körper versucht alle Materialien für die Regeneration des Knorpels im Knie bereit zu stellen. Entzündungen sind allgemein ein Anzeichen dafür, dass der Körper repariert oder versucht zu reparieren. Und jetzt komme ich auf den Punkt, weshalb das bei der Kniearthrose im klassischen Sinne nicht gelingt.

Weitreichende „neue“ Denkansätze in der Arthrose Behandlung

Bisher gibt es kein „Kraut“, das die Arthrose im Knie heilt. Deshalb fordern Vorreiter in der Forschung zum Umdenken auf: „Nicht die Entzündungen im Knie sind das Problem, sondern die umgebenden Strukturen“. Und zwar die wenig geschmeidigen Muskeln und Faszien. Diese üben massiven Druck auf die Gelenke aus. Der Knorpel im Knie wird durch den starken Druck von oben und unten zermahlen. Bis schließlich nur noch Knochen auf Knochen liegt, was letztlich die starken Schmerzen im Knie hervorruft.

Dieses Um-Denken bedeutet in letzter Konsequenz, dass die „nur“ die Druckwirkung auf das Kniegelenk durch die Muskulatur reduziert werden muss. Dann könnten sogar wieder eigene Reparaturvorgänge im Körper wirken und den Knorpel ganz langsam wieder regenerieren lassen. Wenn du dich für diese Gedankengänge interessiert, dann empfehle ich dir das Buch von Liebscher & Bracht ®: Die Arthrose Lüge (2017). Dort wird dieser Ansatz ausführlich diskutiert. Außerdem zeigt das Buch auch Übungen, wie du den Druck im Kniegelenk selbst reduzieren kannst und zwar dauerhaft. Ich persönlich verfolge dieses Konzept schon lange. Zum einen ist es frei von Nebenwirkungen und außerdem nicht vergleichbar mit den Kosten einer Hyaluronbehandlung.

Fazit: Pro & Contra Hyaluron

Die Datenlage aufgrund von gesicherten Studienergebnissen reicht bisher nicht aus, um die Anwendung grundsätzlich zu empfehlen. Jeder Knie-Patient sollte folgendes wissen:

  • Durch das Einspritzen von Hyaluronsäure in ein degenerativ verändertes Gelenk lässt sich bei vielen Arthrose-Patienten eine Verbesserung ihrer Beschwerden erreichen unabhängig von der nachgewiesenen Wirksamkeit dieser Maßnahme. Es wird vermutet, dass Hyaluronsäure die Eigenschaften der Gelenkflüssigkeit verbessert und auf der Oberfläche des Gelenkknorpels eine Schutzschicht bildet.
  • Die positiven Behandlungseffekte sind im Mittel gering bis mäßig ausgeprägt und halten von wenigen Monaten bis zu einem Jahr an. Im Einzelfall kann weder ein Behandlungserfolg noch dessen Dauer vorhergesagt werden. Nicht jede Injektion insbesondere bei schwerer Kniearthrose ist sinnvoll.
  • Das Risiko von Gelenkinfektionen unter Beachtung der Hygienevorschriften ist sehr gering. Leichte Komplikationen, wie Schmerzen an der Einstichstelle oder Blutungen kommen selten vor.
  • Die verschiedenen Hyaluronsäure-Präparate variieren in ihren Molekulargewichten, Herstellern und damit auch in ihrem Preis. Eine Überlegenheit bestimmter Marktpräparate konnte bisher nicht ausreichend belegt werden. In der Tendenz weisen die Studienergebnisse auf eine bessere Wirksamkeit der Hyaluronsäure-Präparate als Doppelkammerspritze hin.
  • Aufgrund der zum Teil sehr gegensätzlichen Studienergebnisse kann derzeit nicht eindeutig entschieden werden, welches das wahrscheinlich wirksamste Hyaluronsäure-Mittel für die Arthrose-Behandlung darstellt.
  • Nach einer Knie OP (z.B. Kreuzband oder Meniskus OP) kann eine Hyaluronsäure Injektion den Wiederaufbau der verlorenen Gelenkschmiere unterstützen bzw. beschleunigen. Denn in jeder Knie OP wird die Gelenkflüssigkeit durch den Spülvorgang während der Arthroskopie heraus gewaschen. Im Gegensatz zur Arthrose liegen nach einer Kreuzband OP keine strukturellen Defizite vor, so dass der Körper die Gelenkschmiere allmählich nachbildet. Die Hyaluronsäure Injektion überbrückt den vorübergehenden Mangel. Die Selbstproduktion der neuen Gelenkschmiere benötigt etwa 3 bis 4 Wochen.
  • Eine genaue Untersuchung und Aufklärung ist notwendig, um Herauszufinden, ob ein Patient im Einzelfall von einer Hyaluronsäure-Therapie profitieren kann oder andere Maßnahmen sinnvoller erscheinen.
  • Es gibt alternative und vor allem günstigere Behandlungsmöglichkeiten bei Arthrose. Diese alternativen Therapien sind zwar anstrengender, erfordern Selbstdisziplin und wirken nicht so schnell, wie Hyaluronspritzen, dafür hält die Wirkung bei Erfolg dauerhaft an.

Ausblick bei der Behandlung mit Hyaluronsäure

Weiterhin sind mehr Langzeitstudien zur Wirksamkeit von Hyaluronsäure notwendig. Dabei gilt es insbesondere die Fragestellung zu untersuchen, ob der Einsatz von Hyaluron-Spritzen auch wirklich geeignet ist, die Arthrose einzudämmen und den drohenden Knie-Gelenkersatz (TEP), hinauszuzögern.

Als Arthrose-Patient kannst du jedenfalls eine Menge tun, um dich selbst aus dem „Schmerzkreislauf“ heraus zu holen, wie gesagt in dem Selbsthilfe-Programm von Liebscher & Bracht ® gibt es unzählige Anregungen dazu. Ganz interessant in diesem Zusammenhang finde ich auch das Buch von Dr. Joe Dispenza: „Du bist dein Placebo„. Denn kaum jemand bestreitet, dass ein gesunder Geist und körperliche Zustände in einem engen Zusammenhang stehen. Doch wer Schmerzen im Knie hat, geht in Deutschland zum Arzt und sucht die Hoffnung auf Heilung ausschließlich in einer Hyaluronspritze – irgendwie seltsam!

Quelle:
(1) Colen S, van den Bekerom MP, Mulier M, Haverkamp D. Hyaluronic Acid in the treatment of knee osteoarthritis: a systematic review and meta-analysis with emphasis on the efficacy of different products. BioDrugs. 2012 Aug 1; 26 (4): 257-68.

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