Arbeitsunfähig nach Kreuzband-OP – Wie lange?

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Das Kreuzband reißen bedeutet zunächst einmal Arbeitsausfall. Doch wie lange dauert die Krankschreibung nach einer Kreuzband-OP? Der Artikel stellt den zeitlichen Rahmen vor, indem er zwischen den verschiedenen Belastungen im Beruf differenziert. Außerdem zeigt er Möglichkeiten auf, wie ein schneller Wiedereinstieg nach der Kreuzband-OP möglich ist.

Faktoren, die bestimmen, wenn Arbeiten nach dem Kreuzbandriss wieder möglich ist

Jeder Betroffene möchte gerne im Vorfeld wissen, wie lange die Arbeitsunfähigkeit nach einem Kreuzbandriss dauert. Die Angaben zur Arbeitsunfähigkeit nach einer Kreuzbandriss-OP stehen in unmittelbaren Zusammenhang mit:

  • dem Erfolg der Kreuzbandplastik-OP,
  • der Komplikationsrate nach der Kreuzbandriss-OP,
  • dem Trainingseinsatz nach der Kreuzband-OP,
  • dem Zeitpunkt der Vollbelastung nach dem Riss am Kreuzband,
  • die Beanspruchung für das Kniegelenk in der Arbeit selber.

Die oben genannten Parameter verdeutlichen, dass pauschale Aussagen zur Arbeitsunfähigkeit in der Praxis schwierig sind. Deshalb gehe ich im Folgenden von einer erfolgreichen Knieoperation und einer komplikationslosen Kreuzbandriss-Reha aus. Statistisch trifft diese Annahme in etwa auf 80 % aller Kreuzbandoperationen zu.

Wie lange arbeitsunfähig nach Kreuzband-OP?

Bei den meisten Patienten steht die Dauer der Arbeitsunfähigkeit nach einer Kreuzband-OP im engen Zusammenhang mit der Phase der Teilentlastung – dem Gehen an Gehhilfen oder Krücken. Da meistens schon der Weg zur Arbeit auf Krücken ein Hindernis darstellt und Autofahren unmöglich ist.

Generell eine Pause beim Kreuzbandriss

Im Prinzip ist eine Krankschreibung von mindestens zwei bis drei Wochen nach jeder vorderen Kreuzbandriss (VKB-Ruptur) obligatorisch. Der Körper benötigt diese Erholungspause nach der Knieoperation dringend – Ziele dieser ersten Reha-Phase sind:

  • Schmerzfreiheit
  • Wundheilung
  • Reduktion der Knieschwellung
  • Übergang auf die Vollbelastung und flüssiger Gang nach Kreuzbandriss-OP.
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Ziel schnelle Vollbelastung nach einer Kreuzband-OP

Eine kurze Phase der Teilbelastung nach einem Kreuzbandriss hat grundlegende Vorteile:

  • Weniger Muskelabbau nach der Kreuzband-OP, weil der größte Muskelverlust während der Immobilisationsphase (Teilbelastung) stattfindet – beginnt bereits nach 24 Stunden liegend im Bett.
  • Bessere Erhaltung der verbleibenden Koordinationsfähigkeit, weil mit der Vollbelastung ein schneller Einstig in ein koordinatives oder sensomotorisches Training möglich ist.
  • Senkung des allgemeinen Thromboserisikos.
  • Schnellere Alltagstauglichkeit und damit auch Sportfähigkeit.

Richtige Kreuzband-OP Technik verkürzt Arbeitsunfähigkeit nach Kreuzband-OP

Die Nachbehandlungspläne nach einer Kreuzband-OP variieren bei den verschiedenen Kniespezialisten erheblich. Die Unterschiede begründen sich hauptsächlich in der verwendeten Kreuzband-Operationstechnik. Speziell bei der Fixationsmethode sind die Unterschiede groß. Beispielsweise erlaubt die All Press Fit-Technik (ohne Fremdmaterial) die Vollbelastung nach ungefähr einer Woche. Hingegen erfordert die Fixation der Sehne mit Fremdmaterial (Schrauben) eine längere Phase der Teilentlastung, weil die Einheilung längere Zeit benötigt – manchmal bis zu drei Wochen.

Patienten können also mit der umsichtigen Auswahl ihres Knieexperten, die Dauer ihrer Arbeitsunfähigkeit erheblich verkürzen.

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Diese Anforderungen im Beruf beeinflussen Krankschreibung

Grundsätzlich steht die Dauer der Arbeitsunfähigkeit nach einer Kreuzbandverletzung in engen Zusammenhang mit den Belastungen, die der Beruf auf das verletzte Kniegelenk ausübt:

Dafür eignen sich drei Kategorien von Belastungen im Arbeitsleben bei Kreuzbandverletzungen:

  1. In meinem Job gibt es kaum stehende oder belastende Tätigkeiten. Ich sitze hauptsächlich am Schreibtisch oder erledige anderweitig sitzende Tätigkeiten. Lediglich der Weg zur Arbeit erfordert die Vollbelastung (beispielsweise Büroarbeit, Schule oder Studium).

Arbeitsunfähig nach Kreuzband-OP in Abhängigkeit der VKB-Operationsmethode:

  • All Press Fit: Etwa 2 Wochen
  • Klassische Operationsmethoden: Etwa 4 Wochen
  1. Mein Job erfordert von mir, die volle Belastung, also das Tragen des eigenen Körpergewichtes (ohne zusätzliches Last) und das über einen langen Zeitraum (mehrere Stunden pro Tag) in einem einfachen Gelände oder Terrain (beispielsweise im Verkauf).

Arbeitsunfähig nach Kreuzband-OP in Abhängigkeit der verschiedenen Operationsmethoden:

  • All Press Fit: Etwa 8 Wochen
  • Klassische Operationsmethoden: Etwa 12 Wochen
  1. Meine Arbeit erfordert nicht nur eine längere Vollbelastung, sondern es kommt ein zusätzliches Gewicht (Last) auf unsicherem oder schwierigen Boden dazu. Hierzu zählen sämtliche Drehbewegungen (=Rotationsbewegungen) des Rumpfes oder notwendige ausgleichende Schwerbewegungen im Kniegelenk. Zusätzlich zeichnet sich meine Arbeit durch ein hohes Risiko aus, dass unvorhersehbare und schnelle Ausgleichsbewegungen in bestimmten Situationen dazukommen. Evtl. muss ich auch kniende Tätigkeiten ausführen (beispielsweise in der Pflege, Handwerk).

Arbeitsunfähig nach Kreuzband-OP in Abhängigkeit der Operationsmethode:

  • All Press Fit: Etwa 4 Monate
  • Klassische Operationsmethoden: Etwa 6 Monate (dito).
  • Beide Krankschreibungen verlängern sich, wenn die Patellarsehne als Kreuzbandersatz verwendet wurde und der Beruf viel kniende Tätigkeiten erfordert.

Wiedereingliederung nach Kreuzbandriss

Wie lange arbeitsunfähig nach Kreuzband-OP?

Wie lange arbeitsunfähig nach Kreuzband-OP bei schwerer körperlicher Arbeit? | Foto: knie-marathon.de

Gerade bei einer schweren körperlichen Belastung im Beruf empfiehlt sich die stufenweise Wiedereingliederung (sogenannte Hamburger Modell) nach einer Kreuzbandoperation.

Das schrittweise Herantasten an die volle Arbeitsbelastung soll dem Kreuzband-Patienten den Übergang zur vollen Berufstätigkeit erleichtern. Während der stufenweisen Wiedereingliederung ist der Betroffene immer noch krankgeschrieben. Möglich ist die Wiedereingliederung in der Regel nur, wenn der Arbeitgeber zustimmt. Als Kostenträger kommen je nach Vorgeschichte, die gesetzlichen Krankenkassen, die Rentenversicherung oder Unfallversicherung in Frage.

Voraussetzungen für die Wiedereingliederung nach Kreuzbandriss-OP

Bei allen genannten Kostenträgern müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Der behandelnde Kniespezialist stellt fest, dass die bisherige Arbeit wenigstens teilweise wieder aufgenommen werden kann.
  • Es liegt vor und während der Maßnahme eine Arbeitsunfähigkeit nach einer Kreuzband-OP oder Kreuzbandriss vor.
  • Arbeitnehmer und Arbeitgeber stimmen der Wiedereingliederungsmaßnahme zu.
  • Der Betroffene wird am bisherigen Arbeitsplatz eingesetzt.

Dauer der Wiedereingliederung nach einer schweren Knieverletzung

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Die tägliche Arbeitszeit variiert in Abhängigkeit vom individuellen gesundheitlichen Zustand. In der Regel dauert die Maßnahme von 6 Wochen bis 6 Monate.

Der Kreuzband-Patient erhält während dieser Zeit die gewohnten Entgeltersatzleistungen, d.h.: Krankengeld von der gesetzlichen Krankenkasse, Übergangsgeld vom Rentenversicherungsträger, Verletztengeld vom Unfallversicherungsträger oder Arbeitslosengeld.

Arbeitsunfähig nach Kreuzbandriss im Urlaub

Die Krankmeldung in den Ferien weicht von den normalen Regelungen ab. Hier gelten bei einer Krankmeldung strengere Nachweis- und Anzeigepflichten für den verletzten Arbeitnehmer als sonst.

Folgende Punkte sind bei Unfällen, in der Urlaubszeit zu beachten:

  1. Die Krankheit ist ab dem ersten Tag beim Arbeitgeber zu melden und ärztlich zu attestieren.
  2. Atteste sind auch bei Aufenthalt im Ausland einzuholen, wobei nicht alle Papiere den deutschen Nachweispflichten genügen. Die Arbeitsunfähigkeit nach dem Kreuzbandriss muss explizit auf dem Attest aufgeführt sein.
  3. Die freien Tage werden in Deutschland dem verletzten Arbeitnehmer wieder gutgeschrieben. Die verlorenen Tage dürfen jedoch nicht ohne Erlaubnis an die Ferien „angehängt“ werden. Dies gilt als unzulässige Selbstbeurlaubung und zieht im schlimmsten Fall eine Abmahnung oder Kündigung mit sich.

 

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