Anatomie Knie – Weshalb schmerzt das Kniegelenk?

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Fällt das Wort Knieschmerzen, denken viele Patienten aber auch Ärzte zuerst an das Problem der Kniearthrose und damit an den Knorpel. Doch ein Knorpelschaden im Anfangsstadium (Grad 1 oder 2) verursacht kaum bis gar keine Knieschmerzen. Gerade weil die Ursachen für Knieschmerzen so unerschöpflich groß sind, muss die Anatomie des Kniegelenks näher beleuchtet werden.

Inhaltsverzeichnis der vierteiligen Artikelserie:
>>Teil 2: Schmerzen im Knie – Warnsignal oder harmlos?
>>Teil 3: Starke Knieschmerzen bei Belastung – Was tun?
>>Teil 4: Vorsicht bei Knieproblemen – Wie Symptome richtig einordnen?

Auslöser von Schmerzen im Knie

Ursachen von Schmerzen im Kniegelenk unterscheiden sich allgemein erst einmal durch: Ein direkt durch einen Unfall oder eine Erkrankung verursachter Knieschmerz; indirekt durch die Unfall- oder Krankheitsfolgen verursachter Schmerz im Knie.

Direkt ausgelöste Beschwerden im Gelenk

Falls Bänder oder Sehnen im Kniebereich reißen, lösen diese traumatisch bedingten Verletzungen starke Schmerzen aus. Die Betroffenen können die schmerzauslösenden Situationen sehr gut benennen. Anders hingegen sieht es bei den verschleißbedingten Folgeerkrankungen im Kniegelenk aus. Die Kniebeschwerden sind eher unterschwellig und bleiben jahrelang unentdeckt.

Indirekt ausgelöste Beschwerden im Knie

Die Ursache, weshalb schwerwiegende Knieerkrankungen nicht immer sofort erkannt werden, liegt in der Tatsache begründet, dass die Strukturen im Kniegelenk, die der stärksten Belastung im Alltag unterliegen, keinerlei Innervation besitzen, d.h., sie sind nicht mit Nerven durchzogen.

Das betrifft hauptsächlich beide Menisken (Risse von Außen- und Innenmeniskus am freien Rand) und den Knorpel. Die Schmerzen im Knie entstehen nach diesen Knieverletzungen erst, wenn auch umgebende Kniestrukturen betroffen sind.

Damit entstehen diese Schmerzen im Kniegelenk durch sekundäre Knieprobleme, die durch diese Knorpel- oder Meniskusverletzung ausgelöst werden. Beispielsweise: Schleimbeutelentzündungen im Knie, Instabilitäten im Kniegelenk oder Gelenkblockaden.

Viele Ursachen und Möglichkeiten für Knieschmerzen

Fast jeder Knieschmerz hat auch spezielle Symptome und Orte, wo der Schmerz auftritt. Ein grafische Darstellung als Überblick der Anatomie im Kniegelenk:

Überblick Knieschäden

Überblick Knieschäden | Foto: knie-marathon.de

Anatomie Knie hilft auch Betroffenen weiter

Um einen Knieschmerz richtig zu deuten (diagnostizieren) ist es sinnvoll, sich die Funktion und den anatomischen Aufbau des Knies anzuschauen. Ein Verständnis vom Aufbau des Kniegelenks, hilft bei jedem Arztbesuch.

Das Kniegelenk ist das größte Gelenk im Körper und hat eine wichtige Funktion bei sämtlichen Bewegungen des Beines. Das Kniegelenk ermöglicht Streck- und Beugebewegungen. Beim gebeugten Knie lässt sich der Unterschenkel zusätzlich ein- und auswärts drehen. Das Kniegelenk ist damit ein sogenanntes Drehscharniergelenk.

Das Kniegelenk ist das Gelenk zwischen Ober- und Unterschenkel. Der Unterschenkel besteht aus dem Schien- und Wadenbein (Tibia und Fibula). Der Oberschenkel wird im medizinischen Genre Femur genannt.

Anatomie Knie

Anatomie Knie | Foto: knie-marathon.de

Das Kniegelenk setzt sich aus zwei weiteren Gelenken zusammen:

  1. Dem Gelenk zwischen Oberschenkel und Schienbein.
  2. Dem Gelenk aus Oberschenkel und Kniescheibe (Patella).

Die Knochenhaut (Periost) ist eine Bindegewebshülle, die fast die gesamte Oberfläche (außer die Knorpelflächen) des Knochens bedeckt. Die Knochenhülle ist mit vielen Nervensträngen durchzogen, damit ist das Periost, im Gegensatz zum Knochen selbst, sehr schmerzempfindlich. Eine entsprechende Reizung (Knochenhautentzündung) löst starke Schmerzen aus.

Gelenkknorpel im Knie

Alle knöchernen Gelenkanteile im Knie sind mit Kniegelenkknorpel überzogen. Der Kniegelenksknorpel ist an den verschiedenen Stellen unterschiedlich dick und dient dem reibungslosen Geleiten sowie der schmerzlosen Bewegung der Gelenkpartner gegeneinander

Der Knorpel hat eine wichtige „Stoßdämpferfunktion“ im Knie und schützt das Kniegelenk bei Belastungen. Zusammen mit der Gelenkflüssigkeit vermindert der Knorpel die Reibungskräfte bei jeder Bewegung.

Verschleißbedingte Knorpelschäden führen allmählich zur Arthrose im Knie (Gonarthrose Grad 1 bis 4). Die Schutzfunktion der Knorpelschicht reduziert sich mit den Jahren. Im Endstadium der Kniearthrose reibt Knochen auf Knochen (Gonarthrose 3 bis 4). Häufig spürt der Patient erst dann massive Schmerzen im Kniegelenk – direkt ausgelöst durch den massiven Knorpelabbau.

Kniescheibe (Patella)

Die Kniescheibe bedeckt in Form eines Dreiecks den vorderen Anteil des Kniegelenkes. Sie passt im Idealfall optimal in die Rinne des Oberschenkelknochens (Trochlea). Die Patella ist nur auf ihrer Rückseite mit einer Knorpelschicht bedeckt. Den massiven Abbau dieser Knorpelschicht (Grad 3 bis 4) bezeichnen Mediziner als Retropatellararthrose – Schmerzen hinter der Kniescheibe.

Kniegelenkkapsel mit Schleimhaut

Die Gelenkkapsel umschließt  alle Gelenkflächen des Kniegelenks einschließlich der Kniescheibe. Die Kniegelenkskapsel besteht aus zwei Schichten:

  1. Membrana fibrosa: eine derbe und stabilisierende Faserschicht
  2. Membrana synovialis: eine glatte und gut durchblutete Schleimhaut.)

Die Schleimhaut im Knie ist an verschiedenen Stellen des Kniegelenks ausgestülpt, so dass sie sich bei Kniebewegungen verschieben kann. Bei einer schweren Entzündung der Gelenkinnenhaut (Synovialitis) ist diese Bewegungsfähigkeit eingeschränkt. Die Gelenkinnenhaut wuchert und zerstört dabei die Knorpelschicht und im späteren Stadium auch den Knochen.

Schleimhautfalte (Plica) und Schleimbeutel (Bursa)

Ein Schleimbeutel ist ein kleiner Sack, der mit Flüssigkeit gefüllt ist. Der Schleimbeutel dient als Polster unter Sehnen oder zwischen Knochen und Schleimhaut. Er verhindert, dass Gewebe aneinander reibt und sich dadurch verletzt.

Die Schleimhaut des Kniegelenks ist an verschiedenen Stellen ausgeweitet – sogenannte Hohl- oder Reserveräume. In der kompletten Kniestreckung oder Beugung sind diese Räume mit Schleimbeutel oder Schleimhautfalten gefüllt und das Knie damit zusätzlich stabilisiert.

Mediziner bezeichnen eine entzündete Bursa als Schleimbeutelentzündung im Knie (Bursitis). Die Entzündung der Schleimhautfalte nennt sich „Plica-Syndrom“. Manchmal treten auch Probleme mit der Plica als Folge einer Kreuzbandoperationen auf.

Folgende Schleimhautfalten (Synovialfalten) können von dem Plica-Syndrom (oder Shelf-Syndrom) im Kniegelenk betroffen sein:

  • Plica suprapatellaris
  • Plica mediopatellaris
  • Plica infrapatellaris

Nähere Inforamtionen >>Plicasyndrom in 8 Schritten behandeln.

Gelenkflüssigkeit im Knie

Zusätzlich ist die innere Kniekapsel mit einer klaren und viskosen Flüssigkeit (Synovia) gefüllt. Diese „Gelenkschmiere“ im Knie unterstützt die reibungslose Bewegung im Knie und dient als Quelle der „Ernährung“ für einige Kniestrukturen. Eine vermehrte Produktion der Gelenkschmiere im Knie tritt bei einer Schwellung im Knie (sogenannter Gelenkerguss) auf.

Hoffa´sche Fettkörper

Der Hoffa´sche Fettkörper befindet sich im vorderen Teil des Kniegelenks, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Kniegelenkkapsel. Der Fettkörper ist direkt unterhalb der Haut tastbar und lässt sich nur mäßig verschieben. Der Hoffa´sche Fettkörper ist mit zahlreichen Nervenfasern und Gefäßen durchzogen. Eine wulstige Vergrößerung und Entzündung des Fettkörpers im Knie wird “Hoffa-Kastert-Syndrom“ genannt.

Sehnen im Knie

Unterhalb und oberhalb der Kniescheibe verlaufen an der Vorderseite des Knies die sogenannten Kniestrecksehnen:

  • Unterhalb der Kniescheibe: Kniescheibensehne (Patellarsehne)
  • Oberhalb der Kniescheibe: Große Kniestreckersehne (Quadrizepssehne)

Beide Kniesehnen sind straff gespannt und halten die Patella bei den Bewegungen in ihrer natürlichen Position. Die Sehnen können sich bei Überlastung, beispielsweise im intensiven Sport, entzünden (Tendinitis).

Bänder im Kniegelenk

Die vier Bänder im Knie sichern die Kniestabilität. Das Knie ist durch zwei Seitenbänder und zwei Kreuzbänder bandgesichert:

  1. Außenband
  2. Innenband
  3. Vorderes Kreuzband
  4. Hinteres Kreuzband

Außen- und Innenband

Die beiden Seitenbänder überbrücken seitlich das Kniegelenk und schränken die Beweglichkeit des Gelenks in der Transversalebene ein. Das innere Seitenband im Knie ist platt und besteht aus drei Anteilen. Das Außenband ist etwas rundlicher und zieht vom Wadenbein zum Oberschenkel. Ein Bänderriss im Knie kann sowohl das Außen- als auch das Innenband betreffen.

Vorderes- und hinteres Kreuzband

Die Kreuzbänder kreuzen sich im inneren des Kniegelenks – deshalb ihre Bezeichnung. Beide Kreuzbänder bestehen aus kollagenem Bindegewebe, sie sind in ihrer Beschaffenheit sehr straff und kaum dehnbar. Alle Kreuzbänder sind von einer schlauchartigen Schleimhaut umhüllt und etwa 8 mm im Durchmesser. Die Kreuzbänder stabilisieren das Kniegelenk in mehreren Ebenen und auch bei Drehbewegungen (Rotation) im Knie. Ihre Risse (vorderes oder hinteres Kreuzband) bezeichnen Mediziner allgemein als Kreuzbandrupturen.

Außen- und Innenmeniskus

Die Menisken (Außen- und Innenmeniskus) liegen zwischen dem Oberschenkel- und Schienbeinknorpel. In jedem Kniegelenk liegt ein Meniskus (Plural Menisken). Jeder Meniskus besteht aus einem Vorder-und Hinterhorn, der aus verschiedenen Schichten von Faserknorpel besteht.

Im Querschnitt sieht man beim Meniskus eine gut durchblutete Meniskusbasis und einen nicht durchbluteten freien Rand. Der Meniskus gilt als der Stoßdämpfer im Kniegelenk. Der „Pfuffer“ schützt das Kniegelenk vor vertikaler Belastung bei jedem Schritt. Der Meniskus gilt als eine der wichtigsten Strukturen im Kniegelenk zur Vorbeugung der Kniearthrose. Ein Meniskusriss (Meniskusläsion) kann degenerativ (durch Verschleiß) oder traumatisch (durch Unfall) bedingt sein. Alles Wichtige für Betroffene vor einer Meniskus-OP findet sich in dem Artikel – Heilt ein Meniskusriss von alleine? Dort wird auch die Anatomie des Meniskus im Detail erklärt.

Fazit für die entscheidende Diagnose von Knieschmerzen

Der Überblick zum Aufbau des Kniegelenks dient als Grundlage für das Verständnis der Knieschmerzen. Nur so können sich betroffenen Menschen, ein eigenes erstes Bild von ihren Knieproblemen verschaffen. Diese Erkenntnisse dienen als wichtige Anhaltspunkte für den nächsten Arztbesuch.

Deshalb greift der zweite Teil der Artikelserie das Thema wieder auf: Lokalisation oder wo genau tritt der Schmerz im Knie auf? Liegen die Schmerzen im Kniegelenk mehr außen oder innen, vorne oder hinten?

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