Hyaluronsäure – Gelenkschmiere ins Knie spritzen

Juli 13, 2013 in Medizin von Knie Marathon

Hyaluronsäure Gelenkschmiere für das Kniegelenk bei Arthrose

Hyaluronsäure – Pro und Contra bei der Behandlung von Arthrose im Gelenk. Viele vor allem ältere Menschen leiden unter Schmerzen im Kniegelenk. Die Beschwerden treten nicht nur bei Belastung, sondern im Alltag oder sogar während den Ruhephasen auf. Das Knie ist eines der am häufigsten von degenerativen Veränderungen betroffenen Gelenke im menschlichen Körper. Im Kampf gegen die Knieschmerzen verspricht das Spritzen von Hyaluronsäure scheinbar Erfolg. Doch wirkt eine  Hyaluronsäure Injektion und baut sie den angegriffenen Knieknorpel wieder auf? Der Artikel fasst die Wirkungsweise zusammen und hilft bei der Entscheidung pro oder contra Hyaluronsäure.

Gelenkverschleiß verursacht oft Kniebeschwerden

Arthrose im Kniegelenk beeinflusst das körperliche und seelische Wohlbefinden und damit die Lebensqualität. Die Kniegelenksarthrose ist eine Verschleißerkrankung die im fortgeschrittenem Alter auftritt. Die Gelenkknorpel reiben langsam aufeinander und nützen sich ab bis im EndIstadium die Knochen schmerzhaft aufeinander scheuern

Im Verlauf der Arthrose Erkrankung  verliert das Kniegelenk immer mehr an der natürlichen Gelenkschmiere und wird nicht zuletzt durch diesen Verlust steif. Das Knorpelgewebe im Kniegelenk wird selber nicht durch Blutgefäße versorgt. Der Knorpel Bekommt seine Ernährungsstoffe über die bereit gestellte Gelenkschmiere (Synovialflüssigkeit). Diese Ernährungsfunktion ist aufgrund des reduzierten Anteils von Hyaluron bei der Arthrose nachhaltig gestört. Eine Injektion mit künstlich hergestellter Hyaluronsäure soll die Arthrose Beschwerden lindern indem der Mangel ausglichen wird.

Hyaluronsäure schmiert das Kniegelenk

Die Hyaluronsäure ist Hauptbestandteil der Kniegelenkflüssigkeit und wirkt als körpereigenes Schmiermittel bei allen Bewegungen im Knie – vergleichbar mit dem Öl auf der Fahrradkette. Hyaluron wirkt Dank ihrer Elastizität stoßdämpfend, bildet eine Schutzschicht und verbessert die Gleitfähigkeit des Knorpels. Letztendlich sorgt die Hyaluronsäure für das reibungslose Zusammenspiel aller wichtigen Bausteine im Kniegelenk. Darüber bindet die gespritzte “Gelenkschmiere” die feinen Abriebpartikel im Kniegelenk. Dieser “Sand” im Knie verursacht oft zusätzliche Schäden und beschleunigt den Abrieb. Den geschädigten Knorpel wieder aufbauen kann Hyaluronsäure nicht.

Hyaluronsäure als Injektion

Verschiedene Hersteller bieten synthetisch hergestellte Hyaluron-Präparate an. Sie sind in ihrer Wirkung bis auf wenige Ausnahmen vergleichbar. Trotz der künstlichen Herstellung bleibt Hyaluronsäure eine körpereigene Substanz. Die Hyaluronsäure spritz der Fachartz direkt in das Kniegelenkt. Die Behandlungsdauer variiert je nach Hersteller dieser Fertigspritzen. Es gibt Einmalspritzen und Hyaluron-Präparate, die einmal wöchentlich, über drei bis fünf Behandlungszyklen gespritzt werden. Im Vergleich zur Injektion von Kortison (Kortikosteroiden) setzt die Wirkung der Hyaluronsäure im Kniegelenk nicht sofort ein, sondern nach ca. drei bis zehn Wochen. Der Körper baut die verabreichte Hyaluronsäure mit der Zeit wieder ab. Deshalb muss die Therapie mit Hyaluron nach etwa einem halben Jahr wiederholt werden. Eine Wiederholung der Hyaluronspritzen-Kur ist beliebig oft möglich.

Kosten Hyaluronsäure und Krankenversicherung

Die Kosten belaufen sich insgesamt auf etwa 250 bis 350 Euro. Die Preise varrieren bei den Ärzten und Herstellern. Ein Vergleich lohnt sich. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht. Private Krankenversicherungen übernehmen die Kostenrückerstattung nicht in jedem Fall. Wer auf der sicheren Seite sein möchte, erkundigt sich im Vorfeld bei seiner privaten Versicherung.

Denn bis heute liegt keine generelle Therapieempfehlung der Arzneimittelkommission vor. Die Hyaluron Präparate sind bis auf wenige Substanzen, als Medizinprodukt und nicht als Medikament in Deutschland gelistet (IGeL-Leistung).

Nebenwirkungen beim Spritzen in das Kniegelenk

Hyaluronsäure Gelenkschmiere für das Knie

Hyaluronsäure Gelenkschmiere für das Knie | Foto: knie-marathon.de

Die Hyaluronsäure selber hat wenig bis kaum Nebenwirkungen. In seltenen Fällen reagieren Patienten überempfindlich oder allergisch auf die Hyaluron Substanz. Bei sachgerechter Injektion sind außerhalb des üblichen Risikos von blauen Flecken, keine besonderen Nebeneffekte zu erwarten. Die Spritze ist wegen des Infektionsrisikos trotzdem keine Lappalie und erfordert eine sachgemäße Anwendung; wie jeder Eingriff in das Kniegelenk. Siehe Artikel „Risiko bei der Knie Punktion“.

Hyaluronsäure als Kapseln

Hyaluronsäure gibt es als (rezeptfreie) Kapseln, im Internet oder in der Apotheke zu kaufen. Nach der oralen Einnahme dieser Hyaluron Tabletten verteilt sich die Wirkung im ganzen Körper. Die Konzentration im betroffenen Kniegelenk ist zu gering, als das dadurch eine Wirkung bei Arthrose erzielt wird.

Hyaluronsäure bei Arthrose

In den Abbauprozess des Knorpels einzugreifen und das Fortschreiten der Arthrose aufzuhalten, oder sogar rückgängig zu machen, ist der sehnlichste Wunsch aller Arthrose-Patienten. Doch bis heute stehen keine gesicherten Verfahren oder Medikamente zur Verfügung, die diesen Prozess aufhalten oder umkehren.

Der Schwerpunkt der Arthrose-Behandlung liegt weiterhin auf der Verminderung oder Beseitigung des Schmerzes, der Funktionsverbesserung des betroffenen Kniegelenkes sowie in der Verlangsamung der gelenkzerstörenden Abbauprozesse. Der Wiederaufbau von Knorpelmasse als ein Effekt der Hyaloronsäure wurde bisher wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Damit lindert die Hyaluronsäure bestenfalls die Knieschmerzen, gleicht aber auf keinen Fall den Verlust des Knorpels aus.

Deshalb wirken Hyaluronsäure Spritzen im Sinne von Schmerzreduktion tendenziell bei einer wenig fortgeschrittenen Kniearthrose, wenn der Körper noch selber ausreichend natürliche Gelenkschmiere bildet und der Knorpel noch dick genug ist. Im Umkehrschluss profitieren Patienten mit einer ausgeprägten Arthrose und einer jahrelangen Schmerzsymptomatik weniger von einer Behandlung mit Hyaluronsäure Spritzen.

Eine Metaananalyse zur Wirksamkeit unterschiedlicher Hyaluron Präparate in der Behandlung der Arthrose wurde im Jahr 2012 veröffentlicht. Die Autoren konnten im Wesentlichen die Ergebnisse vorausgehender Studien bestätigen. Es zeigte sich eine Schmerzreduktion unter der Gabe von Hyaluronsäure um etwa 40 bis 50% innerhalb der ersten drei Monate. Dieses vermeidlich positive Studienergebnis relativiert sich, da auch das Spritzen von Kochsalzlösungen (als Placebo) ebenfalls eine Reduktion der Schmerzen um 30% verursachte. Auf Grundlage dieser Ergebnisse äußerten die Studienautoren Bedenken, ob durch eine Hyaluronsäure-Behandlung im Vergleich zur Placebo-Gabe überhaupt ein klinisch relevanter Unterschied erreicht werden kann [1].

Vollständige Informationen erleichtern die Entscheidung

Die Datenlage aufgrund von gesicherten Studienergebnissen reicht bisher nicht aus, um die Anwendung grundsätzlich zu empfehlen. Jeder Knie-Patient sollte folgendes wissen:

  • Durch das Einspritzen von Hyaluronsäure in ein degenerativ verändertes Gelenk lässt sich bei vielen Arthrose-Patienten eine Verbesserung ihrer Beschwerden erreichen unabhängig von der nachgewiesenen Wirksamkeit dieser Maßnahme. Es wird vermutet, dass Hyaluronsäure die Eigenschaften der Gelenkflüssigkeit verbessert und auf der Oberfläche des Gelenkknorpels eine Schutzschicht bildet.
  • Die positiven Behandlungseffekte sind im Mittel gering bis mäßig ausgeprägt und halten von wenigen Monaten bis zu einem Jahr an. Im Einzelfall kann weder ein Behandlungserfolg noch dessen Dauer vorhergesagt werden. Nicht jede Injektion insbesondere bei schwerer Kniearthrose ist sinnvoll.
  • Das Risiko von Gelenkinfektionen unter Beachtung der Hygienevorschriften ist sehr gering. Leichte Komplikationen, wie Schmerzen an der Einstichstelle oder Blutungen kommen selten vor.
  • Die verschiedenen Hyaluronsäure-Präparate variieren in ihren Molekulargewichten und damit auch in ihrem Preis. Eine Überlegenheit bestimmter Marktpräparate konnte bisher nicht ausreichend belegt werden. In der Tendenz weisen die Studienergebnisse auf eine bessere Wirksamkeit der Hyaluronsäure-Präparate mit mittlerem bis hohem Molekulargewicht hin.
  • Aufgrund der zum Teil sehr gegensätzlichen Studienergebnisse kann derzeit nicht eindeutig entschieden werden, welches das wahrscheinlich wirksamste Hyaluronsäure-Mittel für die Arthrose-Behandlung darstellt.
  • Nach einer Knie OP (z.B. Kreuzband oder Meniskus OP) kann eine Hyaluronsäure Injektion den Wiederaufbau der verlorenen Gelenkschmiere unterstützen bzw. beschleunigen. Denn in jeder Knie OP wird die Gelenkflüssigkeit durch den Spülvorgang während der Arthroskopie heraus gewaschen. Im Gegensatz zur Arthrose liegen nach einer Kreuzband OP keine strukturellen Defizite vor, so dass der Körper die Gelenkschmiere allmählich nachbildet. Die Hyaluronsäure Injektion überbrückt den vorübergehenden Mangel.
  • Eine genaue Untersuchung und Aufklärung ist notwendig, um Herauszufinden, ob ein Patient im Einzelfall von einer Hyaluronsäure-Therapie profitieren kann.
  • Selber testen und entscheiden. Größtes Riskiko: Es wirkt nicht – und Geld weg!.

Ausblick  bei der Behandlung mit Hyaluronsäure

Weiterhin sind mehr Langzeitstudien zur Wirksamkeit von Hyaluronsäure notwendig. Dabei gilt es insbesondere die Fragestellung zu untersuchen, ob der Einsatz von Hyaluron-Spritzen geeignet ist, die Arthrose einzudämmen und den drohenden Knie-Gelenkersatz (TEP), hinauszuzögern. Der einzelne Arthrose-Patient kann im Moment nur ausprobieren und abwarten.

Quelle:

(1) Colen S, van den Bekerom MP, Mulier M, Haverkamp D. Hyaluronic Acid in the treatment of knee osteoarthritis: a systematic review and meta-analysis with emphasis on the efficacy of different products. BioDrugs. 2012 Aug 1; 26 (4): 257-68.

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