Erneutes Versagen einer Kreuzbandplastik

By Katrin Glunk

März 9, 2015


Diesmal erlebe ich das Versagen einer Kreuzbandplastik, im Vergleich zu den vorherigen Rückschlägen, als deutlich weniger belastend. Brutale gesundheitliche Abstürze routinierter zu erleben und dadurch schneller wieder aufzustehen – es ist erlernbar. Ich blicke wenige Tage nach der Diagnose wieder nach vorn und halte meine positive Erwartung aufrecht. Hier mein Review über die bisherigen drei Kreuzbandoperationen und den Learnings, die ich daraus für die anstehende Knie-OP ziehe.

Bisherige Kreuzbandoperationen – Was nicht funktionierte

Ursprüngliches Trauma war eine Verletzung des vorderen Kreuzbandes beim Inline-Skaten im Jahr 2008. Seitdem folgten 13 Knieoperationen – hier die Zusammenfassung in Bezug auf die Kreuzbandruptur:

Jahr 2010

Diagnose: Vorderer Kreuzbandriss (Teilruptur).

Therapie: Semitendinosus-Sehne mit Bioschraube. Das eingesetzte Kreuzband schien zunächst stabil. Dennoch war ich in der ganzen Zeit nicht beschwerdefrei. Die Streckung funktionierte nur unter starken Schmerzen und in einer Folgeoperation wurden ein Schraubenfragment sowie eine Zyklops an der Kreuzbandplastik entfernt. Außerdem entwickelten sich in meinem Kniegelenk eigenartige Zelltypen, die für eine allergische Reaktion (histologischer Befund) sprachen. Das war auch der Grund, weshalb ich mich in den weiteren Knieoperationen für Titanschrauben entschied. Ich hatte die Hoffnung, dass mein Körper mit den Metallschrauben besser zurechtkommt.

Jahr 2011/2012

Diagnose: Elongiertes (überdehntes) vorderes Kreuzband.

Therapie: Semitendinosus-Sehne der gesunden Gegenseite mit Titanschraube. Es erfolgten zuerst eine Bohrkanalauffüllung (Spongioplastik) und drei Monate später der vordere Kreuzbandersatz. Diesmal lief die Nachbehandlung ohne Probleme. Keine Streckdefizite und ein sehr zügiger Muskelaufbau. Etwa neun Monate später spürte ich erneut deutliche Anzeichen für ein instabiles Kniegelenk. Ein Arztbesuch bestätigte meinen Verdacht. Da ich auf keinen Fall ein zweitzeitiges Vorgehen mehr wünschte, und ich aufgrund meiner Spendermeniskus-Situation, auf ein stabiles Kniegelenk nicht verzichten kann, war eine zweite Kreuzbandrevision notwendig. Eine plausible Erklärung, weshalb die vordere Kreuzbandplastik nicht angewachsen war, hörte ich nicht. Ergänzung, heute (Stand 2017) würde ich auf eine Ursachenanalyse bestehen und mich vorher nicht operieren lassen.

Jahr 2014

Diagnose: Wieder eine elongierte VKB-Plastik.

Operative Behandlung: Kreuzbandplastik mit Patellarsehne (Allograft) und Titanschrauben. Um mir eine erneute Bohrkanalauffüllung zu ersparen, entschied ich mich für eine Spendersehne (Patellarsehne mit zwei Knochenblöcken). Diese Kreuzband-OP war im Verhältnis zu den vorherigen in der Nachbehandlung noch einfacher und komplikationsloser. Innerhalb drei Wochen erreichte ich die Vollbelastung. Schon zwei Tage nach der Kreuzband OP hatte ich kein Streckdefizit mehr, hinzu kam wieder ein sehr zügiger Muskelaufbau. Die Kreuzband-Welt schien für mich in Ordnung.

Dann im Dezember 2014 hatte ich im Supermarkt ein erstes Déjà-vu. Beim Schieben des Einkaufswagens zeigten sich erste Instabilitätsgefühle, was mich veranlasste ein Kontroll-MRT durchführen zu lassen. Der Radiologe bestätigte mir, dass keine durchgängige vordere Kreuzbandplastik auf den Aufnahmen zu sehen wäre. Gleichzeitig betonte er, die Situation wäre aufgrund der Artefakte aber schwer beurteilbar. Also, keine Sicherheit. Daraufhin suchte ich meinen Kniechirurgen auf. Die Untersuchung ergab ein reizloses Kniegelenk, ein weicher Anschlag des vorderen Kreuzbandes und im Rollimeter (KT-1000) 10 mm (verletzte Seite) und 8 mm (gesundes Kniegelenk). Der Arzt war entgegen dem Radiologen überzeugt, das vordere Kreuzband wäre durchgängig.

In den folgenden Monaten intensivierte ich mein Knietraining. Für mich wurde immer deutlicher, dass etwas nicht stimmte. Selbst Sprünge auf beiden Beinen fühlten sich nach einem Jahr seltsam an. Drei Monate nach der letzten Untersuchung beschloss ich deshalb, eine weitere medizinische Meinung einzuholen.

Jahr 2015 (März)

Versagen einer Kreuzbandplastik - Röntgen frontal
Versagen einer Kreuzbandplastik – Röntgen frontal |Foto: knie-marathon.de

Diagnose: Teilruptierte und elongierte vordere Kreuzbandersatzplastik. Alle Testergebnisse deuten darauf hin, dass sich mein Kreuzband wieder gelockert hat oder ausgeleiert ist. Lachmann-, Pivot-Shift- und der Schubladentest (Drawer-Test) sind alle positiv. Das Knacken des Knies bei Shiften, ist deutlich zu hören und das Kreuzband hat einen weichen Anschlag. Die KT-1000 Messungen (Rollimeter) ergaben im Vergleich zur gesunden Gegenseite, eine Abweichung von mehr als 8 mm (Grenze liegt bei 5 mm). Zusammen mit meinem subjektiven Instabilitätsgefühl lassen alle Testergebnisse sowie das bildgebende Verfahren (MRT) nur einen Schluss zu: Meine vordere Kreuzbandplastik hat zum dritten Mal versagt.

Spekulation über Gründe – Was funktionieren könnte

Nach einem langen und intensiven Austausch mit dem Arzt und den Vergleich über die verschiedenen Kreuzbandoperationen schließe ich folgende Zusammenhänge aus:

  • Falsche Positionierung der Bohrlöcher (in Bezug auf Fremdimplantate),
  • Notch-Probleme oder Enge (Notch = Kreuzbandhöhle),
  • unzureichende Qualität des Sehnenmaterials,
  • Infektionen im Kniegelenk (Kniepunktion ist negativ)
  • Bewegungsstörungen oder Fehler in der Rehabilitation
  • Erneutes Trauma oder ein Unfall
  • Mangelnde Knochendichte (aber eine korrekte Messung ist aufgrund der Fremdimplantate nicht möglich)
  • oder sonstige bestehende Bandinstabilitäten (Außen- und Innenband) oder Meniskusschäden.

Zwei auffällige Gemeinsamkeiten ziehen sich durch alle Operationen am Kreuzband:

  1. Das Kreuzband reißt nicht, sondern elongiert und wächst in den Bohrkanälen nicht an.
  2. Für die Fixation der Kreuzbandplastik wurde immer Fremdmaterial (sogenannte Implantate: Schrauben, Pins oder Endo-Buttons) verwendet.
  3. Begleitverletzungen werden systematisch übersehen.

Untermalt wird diese Problematik durch ein aktuelles Röntgenbild. In der Seitansicht wird deutlich, dass sich die tibiale Titanschraube aus dem Schienbeinknochen gelöst hat. Post OP lag diese Schraube unter Gelenkniveau.

Versagen einer Kreuzbandplastik - Röntgen seitlich
Versagen einer Kreuzbandplastik im Röntgen Bild seitlich | Foto: knie-marathon.de

Auf dem frontalen Röntgenbild sind zusätzlich weiße Ringe, um die Schrauben zu sehen. Der Arzt teilte mir mit, dass dies ein Anzeichen dafür ist, dass sich mein Knochen um das Schraubenmaterial zurückzieht und abbaut. Unter der Annahme, dass diese Kreuzbandplastik niemals angewachsen ist, lockert sich mit der Zeit die Schraube – und spätestens nach einem Jahr ist die Kreuzbandplastik insuffizient (d. h. nicht stabil).

Regeln beim Versagen einer Kreuzbandplastik

Zwei ungelöste Fragen, über deren Antworten sowohl die Ärzte als auch ich spekulieren:

  1. Weshalb wächst die Kreuzbandplastik bei mir in drei Versuchen nicht an?
  2. Weshalb bildet sich der Knochen um die Fremdimplantate zurück, sodass sich die Schrauben lockern und das nicht angewachsene Kreuzbandtransplantat freigeben?

Immer nur Pech? Daran glaube ich definitiv nicht! Jedes Mal ein neues Problem? Eher unwahrscheinlich, weil der postoperative Verlauf immer sehr große Parallelen aufweist. Für mich gibt es in allen Voroperationen zwei mögliche Erklärungsansätze, die bisher unberücksichtigt blieben:

  1. Unverträglichkeit auf das Fixationsmaterial,
  2. eine Überlastung der vorderen Kreuzbandplastik durch einen Begleitschaden, der bisher nicht diagnostiziert wurde.

Ich vermute, es besteht ein unmittelbarer Zusammenhang mit den Fremdimplantaten und der Tatsache, dass die Kreuzbandplastik bei mir nicht richtig anwächst. Das Fremdmaterial ist für mich im Moment die einzige Konstante, die sich durch alle meine Kreuzbandoperationen sowie Revisionen zieht.

Eine weitere Möglichkeit ergibt sich durch das angeblich im Jahr 2013 „neu“ entdeckte Band. Das anterolaterale Ligament (ALL) wird unter Kniespezialisten erst jetzt im Zusammenhang mit den elogierten Kreuzbändern diskutiert (Jahr 2016).

Unverträglichkeit auf Fremdimplantate

Retrospektiv ist dies für mich zunächst die einzige Erklärungsmöglichkeit, wobei ich nicht ausschließen kann, dass weitere, mir unbekannte, Variablen existieren. Vielleicht bringt meine Ursachenanalyse, den einen oder anderen Blogleser ins Grübeln; vor allem, wenn, wie in meinem Fall, mehrfach keine plausible Erklärung für das Versagen einer Kreuzbandplastik vorliegt.

Eines weiß ich sicher, ich werde nicht weiter nach dem Prinzip „mehr desselben“ verfahren. In meiner nächsten Kreuzbandrevision verzichte ich auf Fremdimplantate (All Press fit – ohne Schrauben im Knie). Mehr über die Kreuzband OP-Technik und Chancen im Artikel „Healing Response am Kreuzband – Chance zur Selbstheilung„.

Über die Autorin

Dipl. Psychologin Katrin Glunk | Personal Coach, Fitness- und Reha-Trainerin.

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